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Wie kommt es, dass der Mensch in allem so vorsichtig ist – in allem, außer in dem, was am meisten zählt?

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Wie kommt es, dass der Mensch in allem so vorsichtig ist – in allem, außer in dem, was am meisten zählt?
Betrachten wir nur die Mütter, die sich bis ins kleinste Detail um ihre Kinder kümmern – ja, manchmal sogar mehr als notwendig. Sieht eine Mutter ihr Kind auch nur eine einzige Mahlzeit nicht essen, verfällt sie sofort in höchste Alarmbereitschaft und durchforstet in Gedanken jede mögliche Ursache, jedes denkbare Symptom, jede unbekannte Krankheit. Die Liebe schärft die Vorsicht – das ist verständlich, das ist menschlich.
Läuft ein Mensch durch eine Gasse und sieht ein Paket auf dem Boden liegen, so wird er es nicht unbedacht öffnen. Er tritt zurück, hält Abstand – und unmittelbar darauf ergreifen ihn sämtliche Gedanken: Was, wenn eine Bombe darin ist? Eine Falle? Gift? Irgendetwas, das mir schaden könnte? Jeder hat sich schon einmal in einer solchen Situation wiedergefunden. Der Instinkt meldet sich, der Verstand arbeitet, die Vorsicht regiert.
Beim Geld ist er ebenfalls höchst vorsichtig – hat er doch hart dafür gearbeitet. So philosophiert er stundenlang, ja tagelang, bevor er eine größere Investition tätigt. Er dreht jeden Gedanken um, prüft jede Möglichkeit, wägt jeden Ausgang ab. Dabei kommen mitunter ganz wunderliche Theorien heraus – denn der Mensch verliert sich schnell, sobald er sich von Gott getrennt hat und zum bloßen Materialisten geworden ist. Ohne Gott als Maßstab kreist sein Denken im Leeren und nennt es Weisheit. Wer Ohren hat zu hören, der höre.
Nun aber kommen wir zu jenem Punkt, an dem der Mensch jede Vorsicht fahren lässt – und es ist ausgerechnet der wichtigste Punkt seines Lebens: die Sünde.
Der moderne Mensch hat sein Gewissen so lange vernachlässigt, so lange betäubt und beiseitegeschoben, dass es ihm heute vollkommen gleichgültig erscheint, es überhaupt noch zu befragen. Was bringt mir das?, denkt er bloß. Er sieht keinen Nutzen darin – zumindest bildet er sich das ein. Dabei ist es genau umgekehrt: Nirgendwo stehen die Konsequenzen höher. Beim Paket riskiert er im schlimmsten Fall sein Leben. Bei der Sünde riskiert er seine Seele – und schaut nicht einmal hin.
Er ist vollständig verirrt und vernebelt durch die Irrtümer der Moderne und die Gottlosigkeit, die ihn umgibt. So ist aus ihm ein erwachsener Narr geworden – ein Blinder mit sehenden Augen. Und das Schlimmste: Er feiert sich dafür. Er hält seine Gleichgültigkeit für Freiheit, seine Blindheit für Aufgeklärtheit. Ja, er lehrt sogar andere, es ihm gleichzutun – als wäre er einen Schritt voraus, während er in Wahrheit tiefer versinkt.
Wie armselig sind wir geworden. Wie naiv und ignorant unser Denken, wie verflacht unser Respekt vor dem, was wirklich zählt.
Doch die Wurzel all dieser Verirrung ist dieselbe: der Mensch hat sich von Gott getrennt. Und damit hat er sich von der Wahrheit selbst getrennt.
Denn Gott ist der Urheber von allem. Er hat gesprochen, Er hat sich offenbart – nicht als ferne Idee, nicht als philosophisches Konzept, sondern als lebendige Person: Christus der Herr, wahrer Gott und wahrer Mensch, der allmächtige Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Die Wahrheit ist keine Theorie – sie hat ein Gesicht.
Wenn jene, die der Welt gefallen wollen, über Gott sprechen, erkennt man sofort, dass sie nur oberflächlich reden. Sie haben nicht aufrichtig gesucht – sie haben lediglich verkrümmten Irrlehren nachgeforscht, Ketzereien aufgeschnappt und diese nun mit großer Überzeugung weiterverbreitet. So stehen sie da und reden, und reden – doch alles, was sie sagen, ist im Kern unwahr. Falsch in der Prämisse, falsch in der Wurzel, falsch in der Geschichte. Ihr gesamtes Gebäude ruht auf Sand.
Der Kleine aber – jener, der wie ein Kind wird, sich aufrichtig bekehrt und Gott von Herzen sucht – dem öffnet sich die Wahrheit. Wie Christus selbst es gesagt hat: den Kleinen und Unmündigen hat Er die Geheimnisse der Schrift geoffenbart, die den Weisen und Klugen dieser Welt verborgen bleiben. Diese Kleinen sind Glieder der einen, wahren, apostolischen und katholischen Kirche – Söhne und Töchter der Kirche, der eine früher gerufen, der andere später, doch alle durch dieselbe Gnade und Barmherzigkeit Gottes.
Die Frevler aber bleiben draußen. Nicht weil Gott sie verstößt – sondern weil sie sich weigern, die Schwelle zu überschreiten. Weil sie sich nicht bekehren wollen. Weil sie nicht wie Kinder werden wollen. Und so stehen sie vor der offenen Tür und kehren ihr den Rücken.
Das ist die eigentliche Tragödie des modernen Menschen: nicht dass er zu wenig denkt – sondern dass er beim Unwichtigen grübelt und beim Wichtigsten schläft.
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