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Aus dem aber, was bisher gesagt wurde, läßt sich einleuchtend darlegen, daß die Seelen der Tiere nicht unsterblich sind. Es wurde nämlich bereits dargelegt, daß keine Tätigkeit des sinnlichen Teiles [der Seele] ohne den Körper sein kann (II 66 f. ) .
In den Seelen der Tiere aber findet sich keine Tätigkeit, die höher wäre als die Tätigkeiten des sinnlichen Teiles, denn weder erkennen sie geistig, noch üben sie eine Vernunfttätigkeit aus. Das aber wird daraus ersichtlich, daß alle Tiere derselben Art in gleicher Weise tätig sind, gewissermaßen von der Natur bewegt und nicht aus technischem Wissen handelnd : denn jede Schwalbe macht in gleicher Weise ihr Nest und jede Spinne in gleicher Weise ihr Netz.
Es gibt also keine Tätigkeit der Tierseele, die ohne Körper sein könnte. Da nun jede Substanz eine [ihr eigene] Tätigkeit hat, kann die Seele des Tieres nicht ohne Körper sein. Also geht sie, wenn der Körper zugrunde geht, auch zugrunde. Ebenso. Jede von der Materie getrennte Form ist eine aktuell erkannte. So macht nämlich der tätige Verstand die Erkenntnisbilder aktuell erkennbar, insofern er sie [von der Materie] abstrahiert, wie aus dem oben Gesagten hervorgeht (II 77).
Wenn aber die Tierseele nach dem Zugrundegehen des Körpers bestehen bliebe, würde sie eine von der Materie getrennte Form sein. Sie würde also eine aktuell erkannte Form sein. Aber "bei den von der Materie getrennten Seienden sind das Erkennende und das Erkannte dasselbe" , wie Aristoteles im 3 . Buch aber die Seele sagt. Also würde die Tierseele, wenn sie ohne den Körper bestehen bliebe, geistiger Natur sein. Das aber ist unmöglich. Zudem. In einem jeden Ding, das eine Vollkommenheit erreichen kann, findet sich ein natürliches Streben nach dieser Vollkommenheit. Denn "das Gute ist das, was alle Seienden erstreben" , jedoch so, daß "jedes das ihm eigene Gute" erstrebt. Bei den Tieren aber findet sich kein Streben nach immerwährendem Sein : es sei denn, daß sie der Art nach fortdauern, sofern sich in ihnen das Streben nach Erzeugung findet, durch welche die Art fortdauert, und dieses findet sich sogar sowohl bei den Pflanzen als auch bei den unbelebten Dingen. Das gilt aber nicht für das dem Tier als [ einzelnem] Tier eigene Streben, welches ein Streben ist, das der [ sinnlichen] Wahrnehmung folgt. Denn da die sinnliche Seele nur hier und jetzt wahrnimmt, kann sie nicht das immerwährende Sein wahrnehmen. Also erstrebt sie es auch ebensowenig mit dem sinnlichen Streben. Also ist die Seele des Tieres nicht fähig, immerwährend zu sein.
Weiter. Da "die Lust alle Tätigkeiten vollendet" , wie aus Aristoteles im 1 0 . Buch der Ethik hervorgeht, wird die Tätigkeit eines jeden Dinges als zu ihrem Ziel auf das hingeordnet, worauf seine Lust sich richtet. Die Lust der Tiere aber bezieht sich stets auf das, was den Körper erhält. Denn sie finden keine Lust an Tönen, Gerüchen und Anblicken, es sei denn, daß diese auf Nahrung und Geschlechtsverkehr hinweisen, um welche Dinge sich all ihre Lust dreht. All ihre Tätigkeit ist also auf die Erhaltung des körperlichen Seins als auf ihr Ziel hingeordnet.
Also haben sie kein Sein ohne Körper. Mit dieser Ansicht stimmt die Lehre des katholischen Glaubens überein. Es heißt nämlich Lev 1 7, 1 4 (vgl. Gen 9, 4 f.) von der Seele des Tieres: "Seine Seele ist im Blut" , als wolle man sagen : von der Fortdauer des Blutes hängt sein Sein ab; und in dem Buch Ober die kirchlichen Glaubenssätze heißt es : wir sagen "allein vom Menschen, daß er eine substanzhafte Seele hat" d. h. eine durch sich lebensfähige - und daß die Seelen der Tiere mit ihrem Körper zugrunde gehen. Auch Aristoteies sagt im 2 . Buch Ober die Seele, der geistige Teil der Seele sei von den anderen Teilen getrennt "wie das Unvergängliche vom Vergänglichen" .
Dadurch aber wird die These Platons ausgeschlossen, der annahm, auch die Seelen der Tiere seien unsterblich. Dennoch läßt sich anscheinend nachweisen, daß die Seelen der Tiere unsterblich sind. Was nämlich getrennt [von anderen] für sich eine Tätigkeit hat, das ist auch für sich selbständig. Die sinnliche Seele bei den Tieren aber hat eine Tätigkeit für sich, an der der Körper nicht teilnimmt, nämlich das Bewegen. Denn ein sich Bewegendes ist aus zweien zusammengesetzt, von denen das eine bewegend und das andere bewegt ist.
Da nun der Körper ein Bewegtes ist, ergibt sich also, daß allein die Seele das Bewegende ist. Also ist sie für sich selbständig. Sie kann also nicht mitfolgend beim Zugrundegehen des Körpers zugrunde gehen : denn nur das geht mitfolgend zugrunde, was nicht ein Sein für sich hat. Sie kann aber auch nicht von sich aus zugrunde gehen, weil sie weder einen Gegensatz hat noch aus Gegensätzen zusammengesetzt ist. Es ergibt sich also, daß sie überhaupt unvergänglich ist. Hierauf lief anscheinend auch das Argument Platons hinaus, mit dem er nachzuweisen versuchte, jede Seele sei unsterblich, weil ja die Seele ein sich selbst Bewegendes sei, alles sich selbst Bewegende unsterblich sein müsse. Der Körper sterbe nämlich erst dann, wenn sich das von ihm trennt, von dem er bewegt wurde. Etwas kann sich aber nicht von sich selbst trennen.
Deswegen folgt nach Platon, daß ein sich selbst Bewegendes nicht sterben kann. Und so ergab sich [für ihn] , daß jede bewegende Seele unsterblich sei, auch die der Tiere. - Deshalb sagten wir, dieses Argument laufe auf dasselbe hinaus, wie das Vorhergehende : denn da nach Platons These etwas nur dann bewegt, wenn es bewegt ist, so ist ein sich selbst Bewegendes etwas, was sein Bewegtsein von sich selbst her hervorbringt und somit eine Tätigkeit für sich [und damit ein Sein für sich] hat. Platon nahm an, daß nicht allein im Bewegen, sondern auch im Wahrnehmen die sinnliche Seele eine ihr eigene Tätigkeit habe. Er sagte nämlich, das Wahrnehmen sei ein Sich bewegen der wahrnehmenden Seele und sie selbst, auf diese Weise in Bewegung, bewege den Körper zum Wahrnehmen.
Deshalb sagte Platon, indem er die Wahrnehmung definierte, diese sei eine Bewegung der Seele mit Hilfe des Körpers. Das [im Sinne Platons ] Gesagte aber ist offenbar falsch. Denn das Wahrnehmen ist nicht ein Bewegen, sondern vielmehr ein Bewegtwerden. Aus einem potentiell Wahrnehmenden wird nämlich das Sinnenwesen zu einem aktuell Wahrnehmenden durch das Sinnenfällige, durch das die Sinne eine Veränderung erfahren. Man kann aber nicht behaupten, die Sinne würden vom Sinnenfälligen her in gleicher Weise beeinflußt, wie der Verstand vom Erkennbaren her beeinflußt wird, so daß das Wahrnehmen eine Tätigkeit der Seele ohne körperliches Werkzeug sein könne, wie es das Erkennen ist.
Denn der Verstand erfaßt die Dinge, insofern sie von der Materie und den materiellen Bedingtheiten, d. h. den Prinzipien der Individuation, abstrahiert sind. Das gilt aber nicht für die Sinne. Und das wird daraus ersichtlich, daß die Sinne auf das Einzelne gehen, der Verstand dagegen auf das Allgemeine. Daraus geht hervor, daß die Sinne von den Dingen beeinflußt werden, insofern diese in der Materie sind, nicht so aber der Verstand; sondern dieser [wird von den Dingen beeinflußt] , insofern sie abstrahiert sind. Also geschieht das Beeinflußtwerden des Verstandes ohne körperliche Materie, nicht aber das Beeinflußtwerden der Sinne. Zudem. Die verschiedenen Sinne nehmen verschieden Sinnenfälliges auf: z. B . der Gesichtssinn die Farben, der Gehörsinn die Laute. Diese Verschiedenheit aber kommt offensichtlich von der verschiedenen Verfaßtheit der Organe, denn das Organ des Gesichtssinnes muß in Potenz zu allen Farben sein, das Organ des Gehörsinnes zu allen Lauten. Wenn aber diese Aufnahme ohne körperliches Organ geschähe, so würde dieselbe Potenz alles Sinnen fällige aufnehmen können.
Denn eine immaterielle Kraft verhält sich, soweit es an ihr liegt, in gleicher Weise zu allen derartigen Qualitäten. Deshalb erfaßt auch der Verstand, der ja kein körperliches Organ gebraucht, alles Sinnenfällige. Das Wahrnehmen geschieht also nicht ohne ein körperliches Organ. Außerdem. Die Sinne werden durch ein übermaß des Sinnenfälligen verdorben, nicht aber der Verstand, denn wer "das Höhere von den erkennbaren Dingen geistig erkennt, kann auch das andere nicht weniger, sondern mehr im Denken erfahren" . Das Beeinflußtwerden der Sinne vom Sinnenfälligen ist also von anderer Art als das des Verstandes vom geistig Erkennbaren. Das Beeinflußtwerden des Verstandes geschieht ja ohne ein körperliches Organ, das Beeinflußtwerden der Sinne jedoch mit Hilfe eines körperlichen Organs, dessen gute Verfassung durch ein übermaß des Sinnenfälligen zerstört wird. Die Aussage Platons aber, die Seele bewege sich selbst, scheint sich mit Gewißheit aus dem zu ergeben, was im Bereich der Körper ersichtlich ist. Kein Körper scheint nämlich zu bewegen, wenn er nicht selber bewegt wird.
Daher behauptete Platon, alles Bewegende werde bewegt. Da es nun kein Fortschreiten ins Unendliche gibt, so daß jedes Bewegte von einem anderen bewegt würde, behauptete er, das Erstbewegende in einer jeden Ordnung bewege sich selbst. Daraus folgte für ihn, die Seele, das Erstbewegende bei den Bewegungen der Sinnenwesen, sei ein sich selbst Bewegendes. Dies ist aber offenbar falsch, und zwar aus zwei Gründen. Erstens, weil nachgewiesen wurde, daß alles, was für sich bewegt ist, Körper ist (1 1 3) .
Da nun die Seele kein Körper ist, kann sie unmöglich bewegt sein, es sei denn mitfolgend. Zweitens : Da das Bewegende als solches im Akt, das Bewegte als solches aber in Potenz ist - nichts kann aber in derselben Hinsicht sowohl im Akt als auch in Potenz sein -, ist es unmöglich, daß dasselbe in derselben Hinsicht zugleich bewegend und bewegt ist. Vielmehr muß, wenn man etwas sich selbst bewegend nennt, der eine Teil von ihm bewegend, der andere aber bewegt sein. Auf diese Weise heißt es vom Sinnenwesen, es bewege sich selbst, denn die Seele ist das Bewegende, der Körper aber das Bewegte. Da aber Platon nicht behauptet hat, die Seele sei Körper - wenn er auch [hinsichtlich der Seele] das Wort Bewegung verwendet, das eigentlich den Körpern zukommt -, so hat er es doch nicht von dieser Bewegung im eigentlichen Sinne verstanden, sondern faßte Bewegung allgemeiner als jedwede Tätigkeit; wie ja auch Aristoteles im 3 . Buch Ober die Seele sagt, Wahrnehmen und Erkennen seien gewisse Arten von Bewegungen. In diesem Sinne aber ist Bewegung nicht der Akt eines in Potenz Seienden, sondern eines Vollkommenen.
Wenn Platon nun sagt, die Seele bewege sich selbst, dann wollte er damit sagen, sie selbst sei tätig ohne Hilfe des Körpers im Gegensatz zu dem, was für die anderen Formen zutrifft, die nicht ohne Materie tätig sind. Denn nicht die Wärme für sich macht warm, sondern das Warme. Daraus wollte Platon schließen, daß jede bewegende Seele unsterblich sei: denn was durch sich Tätigkeit hat, kann auch durch sich Existenz haben. Es wurde aber bereits dargelegt, daß die Tätigkeit der Tierseele, d. h. die Wahrnehmung, nicht ohne den Körper sein kann.
Um so mehr wird das bei der Tätigkeit des Strebens ersichtlich. Denn alles, was zum Streben im sinnenhaften Bereich gehört, geschieht offensichtlich zusammen mit einer Veränderung des Körpers : Deshalb spricht man auch von 'Leidenschaften' der Seele.
Daraus folgt, daß auch das Bewegen keine ohne Organ mögliche Tätigkeit der sinnlichen Seele ist. Die Tierseele bewegt nämlich nur durch Wahrnehmung und Streben. Denn die Kraft, welche die die Bewegung ausführende genannt wird, läßt nämlich die Glieder dem Befehl des Strebens gehorsam sein. Daher handelt es sich hier eher um Kräfte, die den Körper dazu bringen, bewegt zu sein, als um solche Kräfte, die selber bewegen. So ergibt sich also, daß keine Tätigkeit der Tierseele ohne den Körper sein kann. Daraus kann man mit Notwendigkeit schließen, daß die Tierseele mit dem Körper zugrunde geht.
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