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Der Mensch ist ein Wesen des Gesetzes. Er atmet Regeln, er baut Staaten auf Paragraphen, er schließt Verträge, er erlässt Verbote. Vom Morgen bis zum Abend ist sein Leben ein Geflecht aus Normen, Pflichten und Sanktionen. Er richtet Gerichte ein, schreibt Verfassungen, bestraft Verstöße – und empfindet das alles als selbstverständlich, ja als notwendig. Und dann tritt Gott mit seinem Gesetz auf den Plan – und plötzlich ist dieser selbe Mensch empört. Er nennt es kontrollierend. Er nennt es ungerecht. Er nennt es übergriffig. Das ist kein kleiner Widerspruch. Das ist eine fundamentale Unehrlichkeit. Denn wer fragt: „Warum soll Gott mir Gesetze geben?" – und gleichzeitig selbst täglich Gesetze macht, erlässt, durchsetzt und von anderen einfordert –, der hat keine sachliche Frage gestellt. Der hat sich blößgestellt.
Man muss beim Fundament beginnen: Was ist ein Gesetz überhaupt? Ein Gesetz ist ein Maßstab. Es definiert eine Grenze zwischen dem, was gültig ist, und dem, was es nicht ist. Zwischen dem, was gerecht ist, und dem, was es verletzt. Zwischen dem Handelnden, der sich im Recht befindet, und dem, der dagegen verstoßen hat. Zwei Menschen schließen einen Vertrag. Alles steht geschrieben. Genau deshalb – und nur deshalb – ist in dem Moment, in dem einer von beiden gegen den Vertrag handelt, sofort klar: Wer das Unrecht begangen hat. Was das Unrecht ist. Und welche Konsequenz folgt. Das Gesetz macht den Übertreter sichtbar. Es nimmt ihm die Möglichkeit, sich herauszureden. Es erzeugt Klarheit dort, wo Willkür und Beliebigkeit sonst regieren würden. Genau das ist auch die Funktion des Gesetzes Gottes. Es zeigt dem Menschen, wer er ist. Es zeigt ihm, dass er ein Sünder ist – nicht als Beleidigung, sondern als Diagnose. Und der Lohn dieser Sünde, wie die Schrift klar sagt, ist der Tod. Nicht als Rache. Als Konsequenz. Der Mensch soll erkennen: Er steht schuldig. Er kann sich nicht selbst freisprechen. Er kann sich nicht selbst heilen. Er braucht Gnade – Gnade, die er sich nicht verdienen und nicht erkaufen kann. Gott, in seiner unendlichen Liebe, hat diese Gnade in Freiheit angeboten. Das ist die Botschaft. Der Mensch antwortet mit Ignoranz. Mit Arroganz. Mit Frevel.
Hier liegt eine weitere Unvernunft, die durch reine Logik entlarvt wird. Jedes menschliche Gesetz ist abgeleitet. Es entsteht nicht aus dem Nichts. Es setzt voraus, dass es so etwas wie Recht und Unrecht, Würde und Verletzung, Ordnung und Chaos überhaupt gibt – als real existierende Größen, nicht bloß als gesellschaftliche Vereinbarungen. Woher kommt diese Grundlage? Der Mensch selbst hat sie nicht erfunden. Er hat sie vorgefunden. Er reagiert auf sie – mal besser, mal schlechter, mal gar nicht. Das bedeutet: Das menschliche Gesetz ist das Niedrigere. Es ist ein Abbild, eine Ableitung, ein – oft fehlerhafter – Versuch, das Höhere in menschliche Sprache zu fassen. Das Höhere ist das Gesetz Gottes. Wer also menschliche Gesetze ernst nimmt, wer auf ihnen besteht, wer ihr System verteidigt – und gleichzeitig behauptet, das Gesetz Gottes sei irrelevant –, der sägt an dem Ast, auf dem er sitzt. Er benutzt das Licht, das aus einer Quelle kommt, die er leugnet. Das ist keine philosophische Feinheit. Das ist ein handfester Denkfehler. Die Frage ist nicht, ob es ein höheres Gesetz gibt. Die Frage ist nur, ob der Mensch bereit ist, ihn anzuerkennen – oder ob sein Stolz ihn daran hindert, dorthin zu schauen.
Und nun zum schärfsten Punkt. Zum Punkt, an dem der Mensch sich am vollständigsten widerspricht. An dem seine Unlogik nicht mehr übersehen werden kann. Der Mensch sagt: „Wie kann Gott einen Menschen ewig bestrafen? Das ist grausam. Das ist nicht mit Liebe vereinbar." Dieser Mensch sperrt andere Menschen lebenslang ins Gefängnis. Man halte inne. Man denke nach. Lebenslänglich bedeutet: Du wirst diese Zelle nie mehr verlassen. Bis zum letzten Atemzug deines Lebens bist du eingesperrt. Deine Freiheit, deine Bewegung, deine Zukunft – alles entzogen. Für immer. So lange du existierst. Und dieser selbe Mensch wagt es, die ewige Strafe Gottes als lieblos zu bezeichnen? Doch der Widerspruch geht noch tiefer. Denn ein großer Teil jener Menschen, die lebenslange Haftstrafen verhängen und befürworten, glaubt nicht an ein Leben nach dem Tod. Sie glauben nicht an Auferstehung. Für sie ist das Hier und Jetzt alles, was es gibt – das einzige Fenster der Existenz. Was bedeutet das? Es bedeutet, dass sie jemanden für die gesamte Dauer seiner Existenz einsperren. Nicht für einen Teil. Für alles. Es gibt kein Danach in ihrer Weltsicht, in dem der Mensch wieder frei sein wird. Es gibt nur das Gefängnis – bis er tot ist. Ist das nicht die vollständige Beraubung der Existenz? Ist das nicht – in ihrer eigenen Logik – eine Strafe, die der Ewigkeit verdammt nahe kommt? Und doch halten sie das für gerecht. Für notwendig. Für vertretbar. Wenn der Mensch selbst zu diesem Urteil kommt – dass es Verbrechen gibt, für die der vollständige Entzug der Freiheit für die gesamte Lebensdauer die gerechte Antwort ist –, dann hat er damit das Prinzip der Verhältnismäßigkeit zwischen Schuld und Strafe bereits anerkannt. Er hat zugegeben, dass schwere Schuld schwere Konsequenzen verlangt. Gottes Gericht funktioniert nach demselben Prinzip. Nur vollständiger. Nur ehrlicher. Nur ohne die Willkür, die menschlichen Urteilen immer anhaftet. Wer das angreift, greift sein eigenes Fundament an.
Man muss noch einen letzten Unterschied benennen – weil er alles zusammenfasst. Die Gesetze der Frevler, die Gesetze die aus Machtgier, Habsucht, Ideologie und Stolz entstehen, zerstören den Menschen. Sie erniedrigen. Sie unterjochen. Sie schaffen Ungleichheit, die systemisch ist. Sie nennen Unrecht Recht und Recht Unrecht. Das Gesetz Gottes dagegen fasst sich zusammen in Nächstenliebe. Es verlangt, den anderen wie sich selbst zu behandeln. Es verlangt Wahrheit. Es verlangt Gerechtigkeit. Es macht den Menschen vollständig – nicht weil es ihn einengt, sondern weil es ihn auf das ausrichtet, wozu er geschaffen wurde. Das ist der entscheidende Unterschied, den der stolze Mensch nicht sehen will oder nicht sehen kann. Er nimmt das Gesetz der Frevler an – das ihn klein hält, das ihn täuscht, das ihn spaltet. Er verweigert das Gesetz Gottes – das ihn heilen würde.
Es gibt ein Wort dafür, das präziser ist als alle philosophischen Formulierungen: Herzensblindheit. Der Mensch sieht. Aber er will nicht sehen. Er denkt. Aber er weicht dem Denken aus, sobald es zu weit führt. Er macht Gesetze, lebt von Gesetzen, stirbt für Gesetze – aber das Gesetz, das ihn richten und retten könnte, erklärt er für ungültig. Das ist keine intellektuelle Schwäche. Das ist eine Entscheidung des Herzens. Und in dieser Entscheidung zeigt der Mensch, was er ist: nicht unwissend, sondern widerspenstig. Nicht unwürdig, sondern stolz. Nicht blind – sondern einer, der die Augen schließt. Das ist die eigentliche Tragödie.
Der Widerspruch des Menschen ist kein Zufall. Er ist Symptom eines tiefer liegenden Problems – das kein Gesetz der Welt lösen kann. Nur Gnade.
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