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Im September 1889 fand in Rom eine Kundgebung für die Revolutionärin Luise Michel statt. Einer der Freimaurer hielt eine Lobrede auf Luzifer, den Bannerträger der modernen Ideen. Da rief eine Stimme aus dem Volke: Evviva Satana! Es lebe Satan! 5000 wiederholten: Gott ist tot. Es lebe der Teufel! In Genua trug man Jahre lang bei den Mazzinifesten eine nachtschwarze Fahne mit einem Bilde Luzifers. Der Präsident des antiklerikalen Zirkels, der hinter der Fahne herging, erklärte: Unser Ziel ist, das Banner Satans auf allen Kirchen und auf dem Vatikan aufzupflanzen. Es wird der Tag kommen, wo der Fürst dieser Welt, unser Herr, über Christus triumphiert und als wahrer Gott angebetet werden wird. Also Satanakratie – Teufelsherrschaft!
Wir verkünden heute die Theokratie, Christus- und Gottesherrschaft! Christus ist der Weg. Wir sagen der Weg, nicht ein Weg. Es gibt nur einen. Christus ist die Wahrheit. Wir wiederholen: Die Wahrheit, nicht eine Wahrheit. Christus ist das Leben. Das sind die drei Grundgesetze des Katholizismus.
Die Folgerungen daraus zieht Paulus in seinem Philipperbrief. Gott hat Christus einen Namen gegeben, der über allen Namen ist, daß im Namen Jesu sich alle Knie beugen, derer, die im Himmel, auf der Erde und unter der Erde. Also Weltherrschaft und Alleinherrschaft! Theokratie! Alle aufs Knie! Das erträgt der moderne Geist, der sich sonst tolerant nennt, nicht. Alle Sünden werden euch verziehen, vielleicht sogar, daß ihr euch katholisch nennt und am Sonntag in die Messe geht. Wenn ihr aber vor den Fabriken und Banken, den Schulen und Redaktionen, den Rathäusern und Parlamenten erscheint und die Forderung hineinruft: Heraus! Aufs Knie vor Christus! Dann wird man rasend über eure Theokratie fluchen.
Die an der Weihnacht proklamierte Theokratie, die allgemeine und unumschränkte Herrschaft des Gottessohnes in der ganzen Schöpfung und darum auch auf dem Stern Erde, ist das unmodernste und unliberalste, aber zugleich auch das notwendigste und katholischste, was wir auf den Kanzeln der Kirche und der Presse zu verkünden haben. Daß die Juden es nicht glauben, begreifen wir. Daß aber Katholiken darin eine Träumerei weltfremder Köpfe sehen, zeigt, wie sehr die Idee des Christentums bei den sogenannten Christen verblaßte.
Wir sind Theokraten und wir fügen sofort bei, was wir darunter verstehen. Theokratie ist uns Weltherrschaft und Alleinherrschaft des Gottmenschen. Die Weltherrschaft und Alleinherrschaft Christi ist nach allem, was wir an der Weihnacht gehört, Selbstverständlichkeit. Christus ist Gott. Alles ist durch ihn gemacht worden, alles besteht durch seinen Willen. So steht's in den heiligen Büchern. So lesen wir bei Johannes im ersten Kapitel. Christus ist der Erschaffer des Weltalls.
Für denkende Menschen muß alles weitere klar sein. Der Schöpfer aller Dinge ist der Eigentümer aller Dinge. Der Eigentümer aller Dinge ist der Herr aller Dinge. Der Herr aller Dinge ist der Weltherrscher und Alleinherrscher. Also Theokratie Jesu, des Sohnes Gottes! Alle aufs Knie!
Der zweite Psalm schildert die christliche Theokratie. Der Herr hat zu mir gesagt: Du bist mein Sohn. Heute habe ich dich gezeugt. Begehre von mir und ich will dir geben die Nationen zu deinem Erbe und zu deinem Eigen die Enden der Erde. Du wirst sie regieren mit eisernem Szepter und wie Töpfergeschirr sie zerschmettern. Ihr Könige, versteht's. Laßt euch weisen, ihr Richter auf Erden. Dienet dem Herrn in Furcht. Frohlockt ihm mit Zittern. Huldigt ihm, daß nicht etwa der Herr zürnt und ihr untergeht.
Die Sätze sind deutlich. Wenn man mit einem Worte alle Beziehungen zwischen Religion und Politik zusammenfassen will, dann kann nur eines sein – Theokratie. Auch heute. Nicht Demokratie, sondern Theokratie. Nicht Volksherrschaft, sondern Gottesherrschaft. Das Gesetz Jesu, des Sohnes Gottes, das Gesetz aller Gesetze, der oberste Verfassungsgrundsatz aller Reiche, die Norm aller Regierungen, aller gesetzgebenden Körper seit dem Jahre 33! Christus der König aller Könige, der Kaiser aller Kaiser! Die Souveränität Jesu muß ohne Rückhalt ausgesprochen werden. Hier haben wir das dringendste aller religiösen, politischen und sozialen Postulate.
Wir erinnern an den Syllabus. Was ist der Syllabus? Der Syllabus ist das Verzeichnis moderner Irrtümer, das Pius IX. im Jahre 1864 herausgegeben hat. Er wendet sich besonders gegen die politischen Irrlehren des Liberalismus, z. B. die moderne Lehre von der Gewissensfreiheit, die Religionslosigkeit des Staates, die Souveränität des Volkswillens. Die alten Leute wissen uns noch zu erzählen, welche Stürme nach der Veröffentlichung des Syllabus durch die Welt gingen. Der Erdkreis horchte auf und erschauerte, als er hörte, daß er liberal sei.
Und doch ist die Sache furchtbar einfach. Pius IX. hat eigentlich nichts anderes gesagt als: Christus ist der Eckstein der menschlichen Gesellschaft. Christus hat göttliche Herrscherrechte auf das Menschengeschlecht. Diese Herrscherrechte sind unverjährbar. Gottesrechte gehen über Menschenrechte. Man kann sich nicht Christus gegenüber auf den Artikel so und so der Verfassung berufen. Die Freiheit des Gewissens, der Religion, des Kultus, des Wortes, der Versammlung und der Presse Gott gegenüber beanspruchen, ist vollendeter Wahnsinn. Gegen die Allmacht, die ewige Weisheit, Gerechtigkeit, Liebe, gibt es überhaupt keine Rechte, sondern nur Pflichten. Das begreift jeder, den der moderne Liberalismus nicht um den letzten Rest gesunden Verstandes gebracht hat.
Das Geschöpf hat die Freiheit der Revolution, der Empörung gegen Gott, der Sünde, aber daraus ein Recht auf die Sünde konstruieren, hieße den Menschen über Gott und Gott unter den Menschen setzen. Den Menschen aber über Gott und Gott unter den Menschen setzen, wäre die tatsächliche Absetzung des höchsten Wesens.
Wir wissen, daß die französische Revolution Gott ausdrücklich durch Parlamentsbeschluß entthronte. Wir wissen, daß es sich damals nicht so sehr um die Abschaffung der Monarchie eines Königs, sondern um die Absetzung der Monarchie Gottes gehandelt hat. Die Geschichte des 19. Jahrhunderts, welche im wesentlichen eine Geschichte des Liberalismus ist, war die Fortsetzung jenes Parlamentsbeschlusses und seine Ausdehnung auf die ganze Welt durch den Weg der Tatsachen.
Heute kennt man das Gotteskönigtum Christi nicht mehr. Nach einer geistvollen Bemerkung Pascals besteht die größte Verfolgung im Stillschweigen. Wenn man es fertigbringt, daß kein Mensch mehr von einer Persönlichkeit spricht, dann ist sie sicherer abgetan als durch die grausamste Verfolgung. Nach dieser Methode wurde das soziale Königtum Christi abgeschafft.
Wo spricht man heute unter den führenden Männern noch ernsthaft von einem sozialen Königtum Christi? Wo spricht man davon unter den Gelehrten, den Kaufleuten, den Politikern? Die größte und radikalste Christusverfolgung der Geschichte, satanischer als die des Karfreitags, ist die der modernen Konfessionslosigkeit auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens. In den maßgebenden Kreisen redet man nicht mehr von Jesus, weil man sich nicht dem Fluche der Lächerlichkeit aussetzen will, welcher unfehlbar jeder verfällt, der von einem redet, welcher in der Politik, in der Wissenschaft, im Arbeitsleben und bald auch in der Wohlfahrtspflege keine Rolle mehr spielt.
Wir verkünden die Theokratie Christi, das Königtum Jesu über alle Völker und alle Menschen nicht nur auf Grund seiner Gottheit, sondern auch auf Grund seiner Erlösung. Die Erlösung ist die zentrale Tatsache der Weltgeschichte. Ein Kreis ohne Mittelpunkt ist eher möglich als Weltgeschichte ohne Christus. Ein anderes Fundament kann niemand legen als das, das da gelegt ist.
Wir waren Kinder des Zornes. Wir waren Kinder desjenigen, dem wir dienten durch die Sünde. Christus hat uns aus der Hand des Bösen zurückgekauft. Um uns in die Hand der göttlichen Vaterliebe zurückzugeben. Ihr wißt, daß ihr nicht mit vergänglichem Gold und Silber, sondern mit dem kostbaren Blute Christi, des makellosen Lammes, erlöst seid. Ihr gehört somit dem, der euch zurückgekauft. Ihr gehört Christus, dem Herrn. Diese zwei Worte können und dürfen nicht getrennt werden. Sie gehören zusammen: Christus – der Herr. Heres universorum, sagt Paulus, der Erbe über alles. Nichts ist begründeter als diese Herrscherrechte des Gekreuzigten.
Wenn die Frage aufgeworfen wird, ob die Weltherrschaft der Gewalt des Tyrannen, der List des Politikers, dem Gelde des Milliardärs oder der Liebe des Lammes gehören soll, so werden wir uns ohne Zweifel für den Imperialismus der Liebe entscheiden.
Wenn aber der Thron der Weltherrschaft von rechtswegen demjenigen zukommt, der am meisten geliebt hat, so ist es keine Frage, daß er Jesus gehört. Wir proklamieren die Theokratie des Sünderfreundes, des Kinderfreundes, des Armen- und Krankenfreundes, des göttlichen Kindes von Bethlehem, des Schmerzensmannes von Golgatha. Wir wollen, daß dieser regiere.
Zur Stunde ist es eine ausgemachte Tatsache, daß an die Theokratie des Erlösers im Ernste nur noch ein paar stille Seelen im Lande glauben. Den meisten unter uns scheint ein solcher Gedanke unfaßbar und undurchführbar. Erlöserliebe wird weder in der Politik noch in der Wirtschaft der Völker als Großmacht anerkannt. Das Bild und noch mehr der Geist des Gekreuzigten verschwindet immer mehr aus den Ratshäusern, Schulen, Gerichtssälen, Werkstätten. Käme ein Wilder aus einem afrikanischen Urwald in eine unserer Großstädte und fragte nach dem Christentum, man hätte Mühe, es ihm außerhalb der Kirchen und Familienstuben zu zeigen. Der öffentliche Geist ist nicht mehr christlich. Jesus ist König ohne Szepter, Kaiser ohne Land.
Vor bald 20 Jahren wurde ein ehemaliges Bauernkind auf den Stuhl des hl. Petrus erhoben. Da ging er hin und schrieb: Omnia instaurare in Christo! Alles erneuern in Christus! Was war das? Proklamierung der Theokratie Christi! Alle menschliche Tätigkeit, heiße sie wie sie will, soll sich nach Christus und Kirche orientieren. Christus ist die Seele aller Dinge. Christus die Atmosphäre, die Luft, in der wir atmen. Christus Alles! Es ist kein anderer Name, in dem wir gerettet werden können.
Nicht als ob wir verlangten, daß die Päpste Weltkaiser, die Bischöfe Landesfürsten, die Pfarrer Bürgermeister würden. Aber das wollen wir: Ein Priester, Christus, muß an der Spitze der menschlichen Gesellschaft, auch der politischen und sozialen Ordnung, stehen. Das Evangelium die Grundlage auch des öffentlichen Lebens! Alles, was wir tun, sei getan im Geiste Christi. Alles aus dem Glauben heraus! Alles, weil wir katholisch sind!
Andere mögen deswegen, weil es modern ist, bei jeder Gelegenheit bekennen, daß sie Demokraten sind. Wir werden bei jeder Gelegenheit gestehen, das wir Theokraten sind. Es wäre kindisch, das Heil der Welt von der Demokratie, der Volksherrschaft, zu erwarten. Aber es ist vernünftig, alles Heil von der Theokratie, d. h. von der Herrschaft des Allmächtigen, zu erwarten. Wer es gut meint mit der Menschheit, der betet und arbeitet für das erhabenste aller Ideale, die Zerstörung der modernen Satanakratie und die Errichtung der katholischen Theokratie, des irdischen Gotteskönig- und Priesterkönigreiches.
Alle wahren Reformatoren sind nach dem Ausdruck eines Engländers Priester und streben nach der Theokratie. Ich füge hinzu: Alle wahren Christen haben ihrer Natur nach etwas Priesterliches und streben nach der Theokratie Christi. Das Wort im Philipperbrief muß doch einmal volle Wahrheit werden: Alle Knie sollen sich beugen, derer, die im Himmel sind, auf der Erde und unter der Erde. Oder was auf dasselbe herauskommt: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede den Menschen auf Erden, die eines guten Willens sind.
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Zum Schlusse der ganzen Erörterung wollen wir ein göttliches Gericht oder Zeugnis beifügen. Denn Gott zeigte, nach Entstehung der Spaltung, auf vielfache Art, ob die Griechen irrten oder die Lateiner. Bis zur Zeit der Spaltung hatte Griechenland eine solche Blüte von gelehrten und heiligen…
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Aber es ist notwendig, ihre Einwürfe zu widerlegen. Der erste lautet: die dritte allgemeine Synode verbot jede Änderung an dem Symbol, denn es steht am Ende des Conciliums: „Die hl. Synode setzte fest, dass es niemanden erlaubt sei, einen anderen Glauben vorzutragen oder schriftlich zu verfassen,…
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Noch habe ich zu zeigen, dass die Lateiner durch die Hinzufügung jenes Teiles „Und vom Sohne“ das Symbol erklären konnten und mussten. Zuerst will ich nun zeigen, dass sie es tun mussten. Sodann, dass die Lateiner es ohne die Griechen konnten. Dass das Symbol erklärt werden müsse, erhellt nun…
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Ein flammender Appell: Taufschein allein genügt nicht. Wie Hieronymus vor dem Richter müssen wir uns fragen: Sind wir wirklich Christen oder nur dem Namen nach? Mehr Ehrlichkeit! Wer katholisch heißt, lebe auch katholisch.
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Wie viel Klarheit uns der heilige Abbas Makarios schenkt. In einer verwirrten Zeit wirkt sie fast ungewohnt, und doch ist sie wahr. Der Büßer bekennt seine Schuld, der Seelsorger weist auf Gottes Erbarmen. Keine Ausreden, keine Verzweiflung, sondern
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Der Mensch lebt vom Gesetz, baut Staaten darauf, sperrt Menschen lebenslang ein – und empört sich über Gottes Gesetz. Dieser Widerspruch ist kein Versehen. Er ist Herzensblindheit. Eine Analyse, die anklagt.