III, q. 77 a. 4
Ob die sakramentalen Gestalten korrumpiert werden können?
Quaestio 77 · Von den Akzidenzien, die in diesem Sakrament verbleiben.
Einwand 1: Es scheint, dass die sakramentalen Gestalten nicht korrumpiert werden können, weil Korruption aus der Trennung der Form von der Materie entsteht. Aber die Materie des Brotes verbleibt nicht in diesem Sakrament, wie aus dem oben Gesagten klar ist (Frage [75], Artikel [2]). Daher können diese Gestalten nicht korrumpiert werden.
Einwand 2: Ferner wird keine Form korrumpiert außer akzidentell, das heißt, wenn ihr Subjekt korrumpiert wird; daher sind aus sich selbst bestehende Formen unvergänglich, wie bei geistigen Substanzen zu sehen ist. Aber die sakramentalen Gestalten sind Formen ohne Subjekt. Daher können sie nicht korrumpiert werden.
Einwand 3: Ferner, wenn sie korrumpiert werden, geschieht dies entweder auf natürliche Weise oder wunderbarerweise. Aber sie können nicht auf natürliche Weise korrumpiert werden, weil kein Subjekt der Korruption angegeben werden kann, das nach stattgefundener Korruption verbleibt. Weder können sie wunderbarerweise korrumpiert werden, weil die Wunder, die in diesem Sakrament geschehen, kraft der Konsekration stattfinden, wodurch die sakramentalen Gestalten bewahrt werden: und dasselbe Ding ist nicht die Ursache der Bewahrung und der Korruption. Daher können die sakramentalen Gestalten in keiner Weise korrumpiert werden.
Dagegen spricht, dass wir durch unsere Sinne wahrnehmen, dass die konsekrierten Hostien verfaulen und korrumpiert werden.
Ich antworte darauf, dass Korruption „Bewegung vom Sein zum Nichtsein“ ist (Aristoteles, Phys. V). Nun wurde festgestellt (Artikel [3]), dass die sakramentalen Gestalten dasselbe Sein beibehalten, das sie zuvor hatten, als die Substanz des Brotes anwesend war. Folglich, wie das Sein jener Akzidenzien korrumpiert werden konnte, während die Substanz des Brotes und Weines anwesend war, so können sie ebenfalls korrumpiert werden, nun da die Substanz vergangen ist.
Aber solche Akzidenzien konnten zuvor auf zwei Weisen korrumpiert werden: auf eine Weise aus sich selbst; auf eine andere Weise akzidentell. Sie konnten aus sich selbst korrumpiert werden, wie durch Veränderung der Qualitäten und Zunahme oder Abnahme der Quantität, nicht in der Weise, in der Zunahme oder Abnahme nur in beseelten Körpern gefunden wird, was die Substanzen von Brot und Wein nicht sind, sondern durch Hinzufügung oder Teilung; denn, wie in Metaph. III gesagt wird, wird eine Dimension durch Teilung aufgelöst, und zwei Dimensionen resultieren; während im Gegenteil durch Hinzufügung zwei Dimensionen zu einer werden. Und auf diese Weise können solche Akzidenzien nach der Konsekration offensichtlich korrumpiert werden, weil die dimensive Quantität, die verbleibt, Teilung und Hinzufügung empfangen kann; und da sie das Subjekt sinnlicher Qualitäten ist, wie oben dargelegt (Artikel [1]), kann sie ebenfalls das Subjekt ihrer Veränderung sein, zum Beispiel, wenn die Farbe oder der Geschmack des Brotes oder Weines verändert wird.
Ein Akzidenz kann auf eine andere Weise korrumpiert werden, durch die Korruption seines Subjekts, und auf diese Weise können sie auch nach der Konsekration korrumpiert werden; denn obwohl das Subjekt nicht verbleibt, verbleibt doch das Sein, das sie im Subjekt hatten, welches Sein eigentlich und dem Subjekt angemessen ist. Und daher kann solches Sein durch ein gegenteiliges Agens korrumpiert werden, wie die Substanz des Brotes oder Weines der Korruption unterworfen war und überdies nicht korrumpiert wurde außer durch eine vorausgehende Veränderung bezüglich der Akzidenzien.
Dennoch muss eine Unterscheidung zwischen jeder der genannten Korruptionen getroffen werden; denn wenn der Leib und das Blut Christi in diesem Sakrament der Substanz des Brotes und Weines nachfolgen, hören der Leib und das Blut Christi, wenn es eine solche Veränderung auf Seiten der Akzidenzien gibt, die für die Korruption von Brot und Wein nicht ausgereicht hätte, nicht auf, unter diesem Sakrament zu sein aufgrund einer solchen Veränderung, sei die Veränderung auf Seiten der Qualität, wie zum Beispiel, wenn die Farbe oder der Geschmack des Brotes oder Weines leicht modifiziert wird; oder auf Seiten der Quantität, wie wenn das Brot oder der Wein in solche Teile geteilt wird, dass in ihnen die Natur von Brot oder Wein erhalten bleibt. Aber wenn die Veränderung so groß ist, dass die Substanz des Brotes oder Weines korrumpiert worden wäre, dann verbleiben Christi Leib und Blut nicht unter diesem Sakrament; und dies entweder auf Seiten der Qualitäten, wie wenn die Farbe, der Geschmack und andere Qualitäten des Brotes und Weines so verändert werden, dass sie mit der Natur von Brot oder Wein unvereinbar sind; oder aber auf Seiten der Quantität, wie zum Beispiel, wenn das Brot zu feinen Partikeln zerrieben oder der Wein in so winzige Tropfen geteilt wird, dass die Gestalt von Brot oder Wein nicht mehr verbleibt.
Zu Einwand 1: Da es wesentlich zur Korruption gehört, das Sein eines Dinges wegzunehmen, insofern das Sein irgendeiner Form in Materie ist, ergibt sich, dass durch Korruption die Form von der Materie getrennt wird. Aber wenn solches Sein nicht in Materie wäre, aber wie solches Sein, das in Materie ist, könnte es durch Korruption weggenommen werden, selbst wo keine Materie ist; wie es in diesem Sakrament geschieht, wie aus dem oben Gesagten ersichtlich ist.
Zu Einwand 2: Obwohl die sakramentalen Gestalten Formen nicht in Materie sind, haben sie doch das Sein, das sie in Materie hatten.
Zu Einwand 3: Diese Korruption der Gestalten ist nicht wunderbar, sondern natürlich; dennoch setzt sie das Wunder voraus, das in der Konsekration gewirkt wird, nämlich dass jene sakramentalen Gestalten ohne Subjekt dasselbe Sein beibehalten, das sie in einem Subjekt hatten; so wie ein Blinder, dem das Augenlicht wunderbarerweise gegeben wird, natürlich sieht.