III, q. 77 a. 3
Ob die in diesem Sakrament verbleibenden Gestalten äußere Dinge verändern können?
Quaestio 77 · Von den Akzidenzien, die in diesem Sakrament verbleiben.
Einwand 1: Es scheint, dass die Gestalten, die in diesem Sakrament verbleiben, äußere Objekte nicht affizieren können. Denn es wird in Phys. VII bewiesen, dass Formen, die in Materie sind, von Formen hervorgebracht werden, die in Materie sind, aber nicht von Formen, die ohne Materie sind, weil Gleiches Gleiches macht. Aber die sakramentalen Gestalten sind Formen ohne Materie, da sie ohne Subjekt verbleiben, wie aus dem oben Gesagten ersichtlich ist (Artikel [1]). Daher können sie andere Materie nicht affizieren, indem sie irgendeine Form in ihr hervorbringen.
Einwand 2: Ferner, wenn die Handlung des Hauptwirkenden aufhört, dann muss die Handlung des Instruments aufhören, wie wenn der Zimmermann ruht, der Hammer nicht mehr bewegt wird. Aber alle akzidentellen Formen wirken instrumentell kraft der substantiellen Form als dem Hauptwirkenden. Da also die substantielle Form des Brotes und Weines in diesem Sakrament nicht verbleibt, wie oben gezeigt wurde (Frage [75], Artikel [6]), scheint es, dass die akzidentellen Formen, die verbleiben, nicht so wirken können, dass sie äußere Materie verändern.
Einwand 3: Ferner wirkt nichts außerhalb seiner Spezies, weil eine Wirkung ihre Ursache nicht übertreffen kann. Aber alle sakramentalen Gestalten sind Akzidenzien. Daher können sie äußere Materie nicht verändern, zumindest was eine substantielle Form betrifft.
Dagegen spricht, dass, wenn sie äußere Körper nicht verändern könnten, sie nicht gefühlt werden könnten; denn ein Ding wird dadurch gefühlt, dass die Sinne von einem sinnlichen Ding verändert werden, wie in De Anima II gesagt wird.
Ich antworte darauf, dass, weil alles insofern wirkt, als es ein aktuelles Seiendes ist, die Konsequenz ist, dass alles in derselben Beziehung zum Wirken steht wie zum Sein. Weil es daher, gemäß dem oben Gesagten (Artikel [1]), eine Wirkung der göttlichen Macht ist, dass die sakramentalen Gestalten in dem Sein fortdauern, das sie hatten, als die Substanz des Brotes und Weines anwesend war, folgt daraus, dass sie in ihrem Wirken fortdauern. Folglich behalten sie jede Handlung bei, die sie hatten, während die Substanz des Brotes und Weines verblieb, nun da die Substanz des Brotes und Weines in den Leib und das Blut Christi übergegangen ist. Daher besteht kein Zweifel, dass sie äußere Körper verändern können.
Zu Einwand 1: Die sakramentalen Gestalten, obwohl sie Formen sind, die ohne Materie existieren, behalten dennoch dasselbe Sein bei, das sie zuvor in der Materie hatten, und daher sind sie hinsichtlich ihres Seins wie Formen, die in Materie sind.
Zu Einwand 2: Die Handlung einer akzidentellen Form hängt von der Handlung einer substantiellen Form in derselben Weise ab, wie das Sein des Akzidenz vom Sein der Substanz abhängt; und daher, wie es eine Wirkung göttlicher Macht ist, dass die sakramentalen Gestalten ohne Substanz existieren, so ist es eine Wirkung göttlicher Macht, dass sie ohne eine substantielle Form wirken können, weil jede Handlung einer substantiellen oder akzidentellen Form von Gott als dem ersten Wirkenden abhängt.
Zu Einwand 3: Die Veränderung, die in einer substantiellen Form endet, wird nicht direkt durch eine substantielle Form bewirkt, sondern mittels der aktiven und passiven Qualitäten, die kraft der substantiellen Form wirken. Aber durch göttliche Macht wird diese instrumentelle Energie in den sakramentalen Gestalten beibehalten, so wie sie zuvor war: und folglich kann ihre Handlung instrumentell auf eine substantielle Form gerichtet sein, genau in derselben Weise, wie etwas außerhalb seiner Spezies wirken kann, nicht wie durch seine eigene Kraft, sondern durch die Kraft des Hauptwirkenden.