III, q. 75 a. 3
Ob die Substanz des Brotes oder Weines nach der Konsekration dieses Sakraments vernichtet oder in ihre Urmaterie aufgelöst wird?
Quaestio 75 · Von der Wandlung des Brotes und des Weines in den Leib und das Blut Christi.
Einwand 1: Es scheint, dass die Substanz des Brotes nach der Konsekration dieses Sakraments vernichtet oder in ihre Urmaterie aufgelöst wird. Denn alles Körperliche muss irgendwo sein. Aber die Substanz des Brotes, die etwas Körperliches ist, bleibt in diesem Sakrament nicht, wie oben dargelegt (Artikel [2]); noch können wir irgendeinen Ort angeben, wo sie sein könnte. Folglich ist sie nach der Konsekration nichts. Daher ist sie entweder vernichtet oder in ihre Urmaterie aufgelöst.
Einwand 2: Ferner existiert das, was der Terminus „woraus“ (terminus a quo) in jeder Veränderung ist, nicht mehr, außer in der Potenz der Materie; z.B. wenn Luft in Feuer verwandelt wird, bleibt die Form der Luft nur in der Potenz der Materie; und ebenso, wenn das Weiße schwarz wird. Aber in diesem Sakrament ist die Substanz des Brotes oder des Weines der Terminus „woraus“, während der Leib oder das Blut Christi der Terminus „wohin“ (terminus ad quem) ist: denn Ambrosius sagt in De Officiis (De Myster. ix): „Vor dem Segen wird es eine andere Art genannt, nach dem Segen wird der Leib Christi bezeichnet.“ Daher bleibt, wenn die Konsekration stattfindet, die Substanz des Brotes oder Weines nicht mehr, es sei denn vielleicht aufgelöst in ihre (Ur-)Materie.
Einwand 3: Ferner muss eines von zwei Widersprüchlichen wahr sein. Aber dieser Satz ist falsch: „Nach der Konsekration ist die Substanz des Brotes oder Weines etwas.“ Folglich ist dieser wahr: „Die Substanz des Brotes oder Weines ist nichts.“
Dagegen spricht, was Augustinus sagt (Question [83]): „Gott ist nicht die Ursache dafür, dass etwas ins Nichts tendiert.“ Aber dieses Sakrament wird durch göttliche Macht gewirkt. Daher wird in diesem Sakrament die Substanz des Brotes oder Weines nicht vernichtet.
Ich antworte darauf, dass, weil die Substanz von Brot und Wein in diesem Sakrament nicht verbleibt, einige, die es für unmöglich hielten, dass die Substanz von Brot und Wein in Christi Fleisch und Blut verwandelt werde, behauptet haben, dass durch die Konsekration die Substanz von Brot und Wein entweder in die Urmaterie aufgelöst oder vernichtet werde.
Nun sind die Urmaterie, in die gemischte Körper aufgelöst werden können, die vier Elemente. Denn eine Auflösung kann nicht in die erste Materie (materia prima) erfolgen, so dass ein Subjekt ohne Form existieren könnte, da Materie nicht ohne Form existieren kann. Da aber nach der Konsekration nichts unter den sakramentalen Gestalten verbleibt außer dem Leib und dem Blut Christi, müsste man sagen, dass die Elemente, in welche die Substanz von Brot und Wein aufgelöst wird, von dort durch Ortsbewegung weichen, was von den Sinnen wahrgenommen würde. Ebenso bleibt auch die Substanz des Brotes oder Weines bis zum letzten Augenblick der Konsekration; aber im letzten Augenblick der Konsekration ist bereits die Substanz des Leibes oder Blutes Christi dort gegenwärtig, so wie die Form bereits im letzten Augenblick der Zeugung gegenwärtig ist. Daher kann kein Augenblick angegeben werden, in dem die Urmaterie dort sein könnte. Denn es kann nicht gesagt werden, dass die Substanz des Brotes oder Weines allmählich in die Urmaterie aufgelöst wird oder dass sie sukzessive die Gestalten verlässt, denn wenn dies im letzten Augenblick ihrer Konsekration zu geschehen begänne, dann wäre zur gleichen Zeit unter einem Teil der Hostie der Leib Christi zusammen mit der Substanz des Brotes, was dem widerspricht, was oben gesagt wurde (Artikel [2]). Wenn dies aber vor der Konsekration zu geschehen begänne, dann gäbe es eine Zeit, in der unter einem Teil der Hostie weder die Substanz des Brotes noch der Leib Christi wäre, was nicht angemessen ist. Sie scheinen dies in der Tat sorgfältig bedacht zu haben, weshalb sie ihren Satz mit einer Alternative formulierten, nämlich dass (die Substanz) vernichtet werden könnte. Aber auch dies kann nicht bestehen, weil kein Weg angegeben werden kann, wie Christi wahrer Leib in diesem Sakrament zu sein beginnen kann, außer durch die Verwandlung der Substanz des Brotes in ihn, welche Verwandlung ausgeschlossen ist, sobald wir entweder die Vernichtung der Substanz des Brotes oder die Auflösung in die Urmaterie zulassen. Ebenso kann keine Ursache für eine solche Auflösung oder Vernichtung angegeben werden, da die Wirkung des Sakraments durch die Form bezeichnet wird: „Das ist mein Leib.“ Daher ist klar, dass die genannte Meinung falsch ist.
Antwort auf Einwand 1: Die Substanz des Brotes oder Weines bleibt nach der Konsekration weder unter den sakramentalen Gestalten noch anderswo; dennoch folgt daraus nicht, dass sie vernichtet ist; denn sie ist in den Leib Christi verwandelt; so wie wenn die Luft, aus der Feuer erzeugt wird, nicht dort oder anderswo ist, daraus nicht folgt, dass sie vernichtet ist.
Antwort auf Einwand 2: Die Form, die der Terminus „woraus“ ist, wird nicht in eine andere Form verwandelt; sondern eine Form folgt der anderen im Subjekt nach; und deshalb bleibt die erste Form nur in der Potenz der Materie. Aber hier wird die Substanz des Brotes in den Leib Christi verwandelt, wie oben dargelegt. Daher folgt der Schluss nicht.
Antwort auf Einwand 3: Obwohl nach der Konsekration dieser Satz falsch ist: „Die Substanz des Brotes ist etwas“, ist dennoch das, worin die Substanz des Brotes verwandelt ist, etwas, und folglich ist die Substanz des Brotes nicht vernichtet.