III, q. 74 a. 8
Ob Wasser in großer Menge hinzugefügt werden sollte?
Quaestio 74 · Von der Materie dieses Sakraments
Einwand 1: Es scheint, dass Wasser in großer Menge hinzugefügt werden sollte, weil wie Blut sinnlich wahrnehmbar aus Christi Seite floss, so auch Wasser: daher steht geschrieben (Joh 19,35): „Der es gesehen hat, hat Zeugnis gegeben.“ Aber Wasser könnte in diesem Sakrament nicht sinnlich wahrnehmbar vorhanden sein, außer es würde in großer Menge verwendet. Folglich scheint es, dass Wasser in großer Menge hinzugefügt werden sollte.
Einwand 2: Ferner wird ein wenig Wasser, das mit viel Wein vermischt wird, verdorben (korrumpiert). Aber was verdorben ist, existiert nicht mehr. Deshalb ist es dasselbe, ein wenig Wasser in diesem Sakrament hinzuzufügen, wie keines hinzuzufügen. Aber es ist nicht erlaubt, keines hinzuzufügen. Deshalb ist es auch nicht erlaubt, ein wenig hinzuzufügen.
Einwand 3: Ferner, wenn es genügte, ein wenig hinzuzufügen, dann würde es folglich genügen, einen Tropfen Wasser in ein ganzes Fass zu werfen. Aber dies scheint lächerlich. Deshalb genügt es nicht, dass eine kleine Menge hinzugefügt wird.
Dagegen spricht, dass in den Dekretalen (Extra, De Celeb. Miss.) gesagt wird: „Der verderbliche Missbrauch hat in eurem Land überhandgenommen, Wasser in größerer Menge als den Wein im Opfer hinzuzufügen, wo gemäß dem vernünftigen Brauch der ganzen Kirche mehr Wein als Wasser verwendet werden sollte.“
Ich antworte darauf, dass es eine dreifache Meinung bezüglich des dem Wein hinzugefügten Wassers gibt, wie Papst Innozenz III. in einer gewissen Dekretale sagt. Denn einige sagen, dass das Wasser für sich bleibt, wenn der Wein in Blut verwandelt wird: aber eine solche Meinung kann nicht bestehen, weil im Sakrament des Altars nach der Konsekration nichts anderes ist als der Leib und das Blut Christi. Denn wie Ambrosius in De Officiis (De Mysteriis ix) sagt: „Vor dem Segen wird eine andere Gestalt genannt, nach dem Segen wird der Leib bezeichnet; sonst würde er nicht mit der Anbetung der Latria angebetet.“ Und deshalb haben andere gesagt, dass wie der Wein in Blut verwandelt wird, so das Wasser in das Wasser verwandelt wird, das aus Christi Seite floss. Aber dies kann nicht vernünftigerweise aufrechterhalten werden, weil demnach das Wasser getrennt vom Wein konsekriert würde, wie der Wein vom Brot.
Und deshalb ist, wie er (Innozenz III., Dekretalen, Extra, De Celeb. Miss.) sagt, die wahrscheinlichere Meinung diejenige, welche hält, dass das Wasser in Wein verwandelt wird und der Wein in Blut. Nun könnte dies nicht geschehen, wenn nicht so wenig Wasser verwendet würde, dass es in Wein verwandelt würde. Folglich ist es immer sicherer, wenig Wasser hinzuzufügen, besonders wenn der Wein schwach ist, weil das Sakrament nicht gefeiert werden könnte, wenn eine solche Hinzufügung von Wasser stattfände, dass die Art des Weines zerstört würde. Daher tadelt Papst Julius I. einige, die „das ganze Jahr über ein in Most getränktes Leinentuch aufbewahren und zur Zeit des Opfers einen Teil davon mit Wasser waschen und so das Opfer darbringen.“
Antwort auf Einwand 1: Für die Bezeichnung dieses Sakramentes genügt es, dass das Wasser sinnlich wahrnehmbar ist, wenn es mit dem Wein vermischt wird: aber es ist nicht notwendig, dass es nach der Vermischung wahrnehmbar ist.
Antwort auf Einwand 2: Wenn kein Wasser hinzugefügt würde, wäre die Bezeichnung völlig ausgeschlossen: aber wenn das Wasser in Wein verwandelt wird, wird bezeichnet, dass das Volk Christus einverleibt wird.
Antwort auf Einwand 3: Wenn Wasser einem Fass hinzugefügt würde, würde es nicht für die Bezeichnung dieses Sakramentes genügen, sondern das Wasser muss dem Wein bei der tatsächlichen Feier des Sakramentes hinzugefügt werden.