III, q. 74 a. 6
Ob Wasser mit dem Wein vermischt werden muss?
Quaestio 74 · Von der Materie dieses Sakraments
Einwand 1: Es scheint, dass Wasser nicht mit dem Wein vermischt werden sollte, da das Opfer Christi durch das des Melchisedech vorausgeschattet wurde, von dem (Gen 14,18) berichtet wird, dass er nur Brot und Wein opferte. Folglich scheint es, dass Wasser in diesem Sakrament nicht hinzugefügt werden sollte.
Einwand 2: Ferner haben die verschiedenen Sakramente ihre jeweiligen Materien. Aber Wasser ist die Materie der Taufe. Deshalb sollte es nicht als Materie dieses Sakramentes verwendet werden.
Einwand 3: Ferner sind Brot und Wein die Materie dieses Sakramentes. Aber dem Brot wird nichts hinzugefügt. Deshalb sollte auch dem Wein nichts hinzugefügt werden.
Dagegen spricht, dass Papst Alexander I. schreibt (Ep. 1 ad omnes orth.): „In den sakramentalen Opfergaben, die in der Messe dem Herrn dargebracht werden, sollen nur Brot und mit Wasser vermischter Wein als Opfer dargebracht werden.“
Ich antworte darauf, dass Wasser mit dem Wein vermischt werden muss, der in diesem Sakrament geopfert wird. Erstens wegen seiner Einsetzung: denn es wird mit Wahrscheinlichkeit geglaubt, dass unser Herr dieses Sakrament in mit Wasser gemischtem Wein gemäß dem Brauch jenes Landes eingesetzt hat: daher steht geschrieben (Spr 9,5): „Trinkt den Wein, den ich für euch gemischt habe.“ Zweitens, weil es mit der Darstellung des Leidens unseres Herrn übereinstimmt: daher sagt Papst Alexander I. (Ep. 1 ad omnes orth.): „Im Kelch des Herrn soll weder Wein allein noch Wasser allein geopfert werden, sondern beides gemischt, weil wir lesen, dass beides bei seinem Leiden aus seiner Seite floss.“ Drittens, weil dies geeignet ist, die Wirkung dieses Sakramentes zu bezeichnen, da, wie Papst Julius sagt (Concil. Bracarens iii, Can. 1): „Wir sehen, dass das Volk durch das Wasser bezeichnet wird, aber das Blut Christi durch den Wein. Wenn daher Wasser mit dem Wein im Kelch vermischt wird, wird das Volk eins gemacht mit Christus.“ Viertens, weil dies der vierten Wirkung dieses Sakramentes angemessen ist, welche der Eintritt in das ewige Leben ist: daher sagt Ambrosius (De Sacram. v): „Das Wasser fließt in den Kelch und entspringt zum ewigen Leben.“
Antwort auf Einwand 1: Wie Ambrosius sagt (De Sacram. v), so wie das Opfer Christi durch die Opferung des Melchisedech bezeichnet wird, so wird es ebenfalls durch das Wasser bezeichnet, das aus dem Felsen in der Wüste floss, gemäß 1 Kor 10,4: „Sie tranken aber aus dem geistigen Felsen, der ihnen nachfolgte.“
Antwort auf Einwand 2: In der Taufe wird Wasser zum Zwecke der Waschung verwendet: aber in diesem Sakrament wird es als Erfrischung verwendet, gemäß Ps 22,2: „Er hat mich zum Wasser der Erfrischung geführt.“
Antwort auf Einwand 3: Brot wird aus Wasser und Mehl gemacht; und deshalb, da Wasser mit dem Wein vermischt wird, ist keines ohne Wasser.