III, q. 74 a. 7
Ob die Vermischung mit Wasser zur Wesenheit dieses Sakramentes gehört?
Quaestio 74 · Von der Materie dieses Sakraments
Einwand 1: Es scheint, dass die Vermischung mit Wasser zur Wesenheit dieses Sakramentes gehört. Denn Cyprian sagt zu Caecilius (Ep. lxiii): „So ist der Kelch des Herrn nicht Wasser allein und Wein allein, sondern beides muss vermischt werden: auf die gleiche Weise wie auch der Leib des Herrn nicht aus Mehl allein sein kann, außer beides“, d.h. das Mehl und das Wasser, „sei zu einem vereint.“ Aber die Beimischung von Wasser zum Mehl ist für dieses Sakrament notwendig. Folglich ist aus dem gleichen Grund auch die Vermischung von Wasser mit dem Wein notwendig.
Einwand 2: Ferner floss beim Leiden unseres Herrn, dessen Gedächtnis dies ist, Wasser ebenso wie Blut aus Seiner Seite. Aber Wein, welcher das Sakrament des Blutes ist, ist für dieses Sakrament notwendig. Aus demselben Grund also auch das Wasser.
Einwand 3: Ferner, wenn Wasser nicht wesentlich für dieses Sakrament wäre, würde es nicht im Geringsten darauf ankommen, welche Art von Wasser verwendet würde; und so könnte aus Rosen destilliertes Wasser oder jede andere Art verwendet werden; was dem Brauch der Kirche widerspricht. Folglich ist Wasser wesentlich für dieses Sakrament.
Dagegen spricht, dass Cyprian sagt (Ep. lxiii): „Wenn einer unserer Vorgänger aus Unwissenheit oder Einfalt diesen Brauch nicht gehalten hat“, d.h. Wasser mit dem Wein zu mischen, „mag man seiner Einfalt verzeihen“; was nicht der Fall wäre, wenn Wasser wesentlich für das Sakrament wäre, wie der Wein oder das Brot. Deshalb ist die Vermischung von Wasser mit dem Wein nicht wesentlich für das Sakrament.
Ich antworte darauf, dass das Urteil über ein Zeichen aus dem Bezeichneten zu ziehen ist. Nun geschieht das Hinzufügen von Wasser zum Wein zum Zwecke der Bezeichnung der Teilhabe der Gläubigen an diesem Sakrament, insofern durch die Vermischung des Wassers mit dem Wein die Vereinigung des Volkes mit Christus bezeichnet wird, wie gesagt (Artikel [6]). Überdies bezieht sich das Fließen von Wasser aus der Seite des am Kreuz hängenden Christus auf dasselbe, weil durch das Wasser die Reinigung von Sünden bezeichnet wird, welche die Wirkung des Leidens Christi war. Nun wurde oben bemerkt (Quaestio [73], Artikel [1], ad 3), dass dieses Sakrament in der Konsekration der Materie vollendet wird: während der Gebrauch der Gläubigen nicht wesentlich für das Sakrament ist, sondern nur eine Folge davon. Folglich also ist das Hinzufügen von Wasser nicht wesentlich für das Sakrament.
Antwort auf Einwand 1: Cyprians Ausdruck ist in demselben Sinne zu verstehen, in dem wir sagen, dass ein Ding nicht sein kann, was nicht auf angemessene Weise sein kann. Und so bezieht sich der Vergleich auf das, was getan werden soll, nicht auf das, was wesentlich getan werden muss; da Wasser zum Wesen des Brotes gehört, aber nicht zum Wesen des Weines.
Antwort auf Einwand 2: Das Vergießen des Blutes gehörte direkt zum Leiden Christi: denn es ist natürlich, dass Blut aus einem verwundeten menschlichen Körper fließt. Aber das Fließen des Wassers war nicht notwendig für das Leiden; sondern bloß um seine Wirkung zu zeigen, welche ist, Sünden abzuwaschen und uns von der Hitze der Begierde zu erfrischen. Und deshalb wird das Wasser in diesem Sakrament nicht getrennt vom Wein geopfert, wie der Wein getrennt vom Brot geopfert wird; sondern das Wasser wird mit dem Wein vermischt geopfert, um zu zeigen, dass der Wein aus sich selbst zu diesem Sakrament gehört, als von seinem eigentlichen Wesen; das Wasser aber als etwas dem Wein Hinzugefügtes.
Antwort auf Einwand 3: Da die Vermischung von Wasser mit dem Wein nicht notwendig für das Sakrament ist, spielt es hinsichtlich der Wesenheit des Sakramentes keine Rolle, welche Art von Wasser dem Wein hinzugefügt wird, ob natürliches Wasser oder künstliches, wie Rosenwasser, obwohl hinsichtlich der Angemessenheit des Sakramentes derjenige sündigen würde, der anderes als natürliches und wahres Wasser beimischt, weil wahres Wasser aus der Seite des am Kreuz hängenden Christus floss, und nicht Schleim, wie einige gesagt haben, um zu zeigen, dass Christi Leib wahrhaft aus den vier Elementen zusammengesetzt war; wie durch das fließende Blut gezeigt wurde, dass er aus den vier Säften zusammengesetzt war, wie Papst Innozenz III. in einem gewissen Dekret sagt. Aber weil die Vermischung von Wasser mit Mehl wesentlich für dieses Sakrament ist, da sie die Zusammensetzung von Brot ausmacht, wäre das Sakrament nicht gültig, wenn Rosenwasser oder irgendeine andere Flüssigkeit außer wahrem Wasser mit dem Mehl vermischt würde, weil es kein wahres Brot wäre.