III, q. 31 a. 7
Ob das Fleisch Christi in den Patriarchen durch Sünde infiziert war?
Quaestio 31 · Von der Materie, aus der der Leib des Erlösers empfangen wurde.
Einwand 1: Es scheint, dass das Fleisch Christi in den Patriarchen nicht durch Sünde infiziert war. Denn es steht geschrieben (Weish 7,25), dass "nichts Beflecktes in" die göttliche Weisheit kommt. Aber Christus ist die Weisheit Gottes gemäß 1 Kor 1,24. Also wurde das Fleisch Christi niemals durch Sünde befleckt.
Einwand 2: Ferner sagt Damascenus (De Fide Orth. iii), dass Christus "die Erstlingsfrüchte unserer Natur annahm". Aber im ursprünglichen Zustand war das menschliche Fleisch nicht durch Sünde infiziert. Also war das Fleisch Christi weder in Adam noch in den anderen Patriarchen infiziert.
Einwand 3: Ferner sagt Augustinus (Gen. ad lit. x), dass "die menschliche Natur immer, zusammen mit der Wunde, den Balsam hatte, mit dem sie zu heilen war." Aber das, was infiziert ist, kann eine Wunde nicht heilen; vielmehr bedarf es selbst der Heilung. Also gab es in der menschlichen Natur immer etwas, das vor Infektion bewahrt blieb, woraus später der Leib Christi gebildet wurde.
Dagegen spricht, Der Leib Christi ist nicht mit Adam und den anderen Patriarchen verwandt, außer durch das Medium des Körpers der seligen Jungfrau, von der er Fleisch annahm. Aber der Körper der seligen Jungfrau war gänzlich in der Erbsünde empfangen, wie oben dargelegt (Quaestio 14, Artikel 3, ad 1), und so war er, insoweit er in den Patriarchen war, der Sünde unterworfen. Also war das Fleisch Christi, insoweit es in den Patriarchen war, der Sünde unterworfen.
Ich antworte darauf, Wenn wir sagen, dass Christus oder sein Fleisch in Adam und den anderen Patriarchen war, vergleichen wir ihn oder sein Fleisch mit Adam und den anderen Patriarchen. Nun ist es offensichtlich, dass der Zustand der Patriarchen sich von dem Christi unterschied: denn die Patriarchen waren der Sünde unterworfen, wohingegen Christus absolut frei von Sünde war. Folglich kann in diesem Punkt ein zweifacher Irrtum auftreten. Erstens, indem man Christus oder seinem Fleisch jenen Zustand zuschreibt, der in den Patriarchen war; indem man zum Beispiel sagt, dass Christus in Adam gesündigt habe, da er auf irgendeine Weise in ihm war. Aber dies ist falsch; weil Christus nicht so in Adam war, dass Adams Sünde zu Christus gehörte: insofern er nicht gemäß dem Gesetz der Begehrlichkeit oder gemäß der Samenkraft von ihm abstammt; wie oben dargelegt (Artikel 1, ad 3, Artikel 6, ad 1; Quaestio 15, Artikel 1, ad 2).
Zweitens kann ein Irrtum auftreten, indem man den Zustand Christi oder seines Fleisches dem zuschreibt, was tatsächlich in den Patriarchen war: indem man zum Beispiel sagt, dass, weil das Fleisch Christi, wie es in Christus existierte, nicht der Sünde unterworfen war, deshalb auch in Adam und in den Patriarchen irgendein Teil seines Körpers war, der nicht der Sünde unterworfen war, und aus dem später der Leib Christi gebildet wurde; wie einige tatsächlich meinten. Denn dies ist ganz unmöglich. Erstens, weil das Fleisch Christi nicht in Adam und in den anderen Patriarchen gemäß etwas Bezeichnetem war, unterscheidbar vom Rest seines Fleisches, als rein von unrein; wie bereits dargelegt (Artikel 6). Zweitens, weil, da das menschliche Fleisch durch Sünde infiziert ist, indem es in Lust empfangen wird, so wie das gesamte Fleisch eines Menschen durch Lust empfangen wird, so ist es auch gänzlich durch Sünde befleckt. Folglich müssen wir sagen, dass das gesamte Fleisch der Patriarchen der Sünde unterworfen war, noch gab es irgendetwas in ihnen, das frei von Sünde war, und woraus später der Leib Christi gebildet werden konnte.
Antwort auf Einwand 1: Christus nahm nicht das der Sünde unterworfene Fleisch des Menschengeschlechts an, sondern das von aller Ansteckung der Sünde gereinigte. So kommt es, dass "nichts Beflecktes in die Weisheit Gottes kommt".
Antwort auf Einwand 2: Es wird gesagt, Christus habe die Erstlingsfrüchte unserer Natur angenommen, hinsichtlich der Ähnlichkeit des Zustands; insofern er Fleisch annahm, das nicht durch Sünde infiziert war, gleich dem Fleisch des Menschen vor der Sünde. Aber dies ist nicht so zu verstehen, als impliziere es eine Fortdauer jener ursprünglichen Reinheit, als ob das Fleisch des unschuldigen Menschen in seiner Freiheit von Sünde bis zur Bildung des Leibes Christi bewahrt worden wäre.
Antwort auf Einwand 3: Vor Christus war in der menschlichen Natur tatsächlich eine Wunde, d.h. die Infektion der Erbsünde. Aber der Balsam, um die Wunde zu heilen, war nicht tatsächlich dort, sondern nur durch eine gewisse Kraft des Ursprungs, insofern aus jenen Patriarchen das Fleisch Christi fortgepflanzt werden sollte.