III, q. 31 a. 6
Ob der Leib Christi in Adam und den anderen Patriarchen als etwas Bezeichnetes war?
Quaestio 31 · Von der Materie, aus der der Leib des Erlösers empfangen wurde.
Einwand 1: Es scheint, dass der Leib Christi in Adam und den Patriarchen als etwas Bezeichnetes war. Denn Augustinus sagt (Gen. ad lit. x), dass das Fleisch Christi in Adam und Abraham "nach Art einer körperlichen Substanz" war. Aber körperliche Substanz ist etwas Bezeichnetes. Also war das Fleisch Christi in Adam, Abraham und den anderen Patriarchen gemäß etwas Bezeichnetem.
Einwand 2: Ferner wird gesagt (Röm 1,3), dass Christus "gemacht wurde ... aus dem Samen Davids nach dem Fleisch." Aber der Samen Davids war etwas Bezeichnetes in ihm. Also war Christus in David gemäß etwas Bezeichnetem, und aus demselben Grund in den anderen Patriarchen.
Einwand 3: Ferner ist das Menschengeschlecht mit Christus verwandt, insofern er Fleisch daraus annahm. Wenn aber jenes Fleisch nicht etwas Bezeichnetes in Adam wäre, schiene das Menschengeschlecht, das von Adam abstammt, keine Verwandtschaft mit Christus zu haben: sondern eher mit jenen anderen Dingen, aus denen die Materie seines Fleisches genommen wurde. Daher scheint es, dass das Fleisch Christi in Adam und den anderen Patriarchen gemäß etwas Bezeichnetem war.
Dagegen spricht, dass Augustinus sagt (Gen. ad lit. x), dass in welcher Weise auch immer Christus in Adam und Abraham war, auch andere Menschen dort waren; aber nicht umgekehrt. Aber andere Menschen waren nicht in Adam und Abraham nach Art einer bezeichneten Materie, sondern nur dem Ursprung nach, wie im ersten Teil dargelegt (Quaestio 119, Artikel 1, Artikel 2, ad 4). Also war auch Christus nicht in Adam und Abraham gemäß etwas Bezeichnetem; und aus demselben Grund war er auch nicht in den anderen Patriarchen.
Ich antworte darauf, Wie oben dargelegt (Artikel 5, ad 1), war die Materie des Leibes Christi nicht das Fleisch und die Knochen der seligen Jungfrau, noch irgendetwas, das tatsächlich ein Teil ihres Körpers war, sondern ihr Blut, welches ihr Fleisch der Potenz nach war. Nun war alles, was in der seligen Jungfrau war, wie sie es von ihren Eltern empfangen hatte, tatsächlich ein Teil ihres Körpers. Folglich war das, was die selige Jungfrau von ihren Eltern empfing, nicht die Materie des Leibes Christi. Deshalb müssen wir sagen, dass der Leib Christi nicht in Adam und den anderen Patriarchen als etwas Bezeichnetes war, in dem Sinne, dass irgendein Teil des Leibes Adams oder irgendeines anderen ausgesondert und als genau die Materie bezeichnet werden könnte, aus der der Leib Christi gebildet werden sollte: sondern er war dort dem Ursprung nach, so wie das Fleisch anderer Menschen. Denn der Leib Christi ist mit Adam und den anderen Patriarchen durch das Medium des Körpers seiner Mutter verwandt. Folglich war der Leib Christi in keiner anderen Weise in den Patriarchen als der Körper seiner Mutter, der nicht gemäß bezeichneter Materie in den Patriarchen war: wie auch nicht die Leiber anderer Menschen, wie im ersten Teil dargelegt (Quaestio 119, Artikel 1, Artikel 2, ad 4).
Antwort auf Einwand 1: Der Ausdruck "Christus war in Adam gemäß der körperlichen Substanz" bedeutet nicht, dass der Leib Christi eine körperliche Substanz in Adam war: sondern dass die körperliche Substanz des Leibes Christi, d.h. die Materie, die er von der Jungfrau nahm, in Adam wie in ihrem aktiven Prinzip war, aber nicht wie in ihrem materiellen Prinzip: mit anderen Worten, durch die generative Kraft Adams und seiner Nachkommen bis zur seligen Jungfrau wurde diese Materie für die Empfängnis Christi vorbereitet. Aber diese Materie wurde nicht durch die von Adam stammende Samenkraft zum Leib Christi geformt. Daher wird gesagt, Christus sei in Adam nach Art des Ursprungs gewesen, gemäß der körperlichen Substanz: aber nicht gemäß der Samenkraft.
Antwort auf Einwand 2: Obwohl der Leib Christi nicht gemäß der Samenkraft in Adam und den anderen Patriarchen war, so war doch der Körper der seligen Jungfrau so in ihnen, dadurch dass sie aus dem Samen eines Mannes empfangen wurde. Aus diesem Grund wird durch das Medium der seligen Jungfrau gesagt, Christus sei aus dem Samen Davids, nach dem Fleisch, nach Art des Ursprungs.
Antwort auf Einwand 3: Christus und das Menschengeschlecht sind verwandt durch die Gleichheit der Spezies. Nun resultiert die spezifische Gleichheit nicht aus der entfernten, sondern aus der nächsten Materie und aus dem aktiven Prinzip, das seinesgleichen in der Spezies zeugt. So ist also die Verwandtschaft Christi und des Menschengeschlechts hinreichend gewahrt dadurch, dass sein Leib aus dem Blut der Jungfrau gebildet wurde, das in seinem Ursprung von Adam und den anderen Patriarchen abstammte. Auch wird diese Verwandtschaft nicht durch die Materie beeinträchtigt, woher dieses Blut genommen ist, wie sie es auch bei der Zeugung anderer Menschen nicht wird, wie im ersten Teil dargelegt (Quaestio 119, Artikel 2, ad 3).