Suppl., q. 98 a. 8
Ob die Verdammten jemals an Gott denken werden?
Quaestio 98 · Vom Willen und Verstand der Verdammten
Einwand 1: Es scheint, dass die Verdammten manchmal an Gott denken werden. Denn man kann ein Ding nicht aktuell hassen, außer man denkt darüber nach. Nun werden die Verdammten Gott hassen, wie im Text des Sentent. iv, in der letzten Distinktion, gesagt wird. Daher werden sie manchmal an Gott denken.
Einwand 2: Ferner werden die Verdammten Gewissensbisse haben. Aber das Gewissen leidet Bisse wegen Taten, die gegen Gott getan wurden. Daher werden sie manchmal an Gott denken.
Dagegen spricht, dass die vollkommensten Gedanken des Menschen jene sind, die über Gott sind: wohingegen die Verdammten in einem Zustand der größten Unvollkommenheit sein werden. Daher werden sie nicht an Gott denken.
Ich antworte darauf, dass man auf zweifache Weise an Gott denken kann. Erstens, an Ihn in Sich selbst und gemäß dem, was Ihm eigen ist, nämlich dass Er der Quell aller Güte ist: und so ist es gänzlich unmöglich, an Ihn ohne Entzücken zu denken, so dass die Verdammten keineswegs auf diese Weise an Ihn denken werden. Zweitens, gemäß etwas Ihm gleichsam Akzidentellem in Seinen Wirkungen, wie Seine Strafen und so weiter, und in dieser Hinsicht kann der Gedanke an Gott Trauer bringen, so dass auf diese Weise die Verdammten an Gott denken werden.
Antwort auf Einwand 1: Die Verdammten hassen Gott nicht, außer weil Er bestraft und verbietet, was ihrem bösen Willen angenehm ist: und folglich werden sie an Ihn nur als bestrafend und verbietend denken. Dies genügt für die Antwort auf den zweiten Einwand, da das Gewissen keine Bisse für die Sünde haben wird, außer als durch das göttliche Gebot verboten.