Suppl., q. 97 a. 1
Ob die Verdammten in der Hölle allein durch die Strafe des Feuers gepeinigt werden?
Quaestio 97 · Von der Strafe der Verdammten
1. Einwand: Es scheint, dass die Verdammten in der Hölle allein durch die Strafe des Feuers gepeinigt werden; denn bei Mt 25,41, wo ihre Verurteilung verkündet wird, ist nur vom Feuer die Rede, mit den Worten: „Geht weg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer.“
2. Einwand: Ferner, wie die Strafe des Fegefeuers der lässlichen Sünde gebührt, so gebührt die Strafe der Hölle der Todsünde. Nun wird aber im Fegefeuer keine andere Strafe als die des Feuers genannt, wie aus den Worten von 1 Kor 3,13 hervorgeht: „Das Feuer wird das Werk eines jeden prüfen, von welcher Art es ist.“ Daher wird es auch in der Hölle keine andere Strafe geben als die des Feuers.
3. Einwand: Ferner gewährt eine Abwechslung der Strafe eine Linderung, wie wenn jemand von Hitze zu Kälte übergeht. Bei den Verdammten können wir aber keine Linderung zulassen. Daher wird es nicht verschiedene Strafen geben, sondern allein die des Feuers.
Dagegen spricht, dass geschrieben steht (Ps 10,7): „Feuer und Schwefel und Sturmwind sind der Teil ihres Bechers.“
Ferner steht geschrieben (Ijob 24,19): „Lass ihn vom Schneewasser zu übermäßiger Hitze übergehen.“
Ich antworte darauf, dass gemäß Basilius (Homilia vi in Hexaemeron und Hom. i in Ps. 38) bei der endgültigen Reinigung der Welt eine Trennung der Elemente stattfinden wird, wobei alles Reine und Edle oben zur Herrlichkeit der Seligen verbleibt und alles Unedle und Schmutzige zur Bestrafung der Verdammten hinabgeworfen wird: sodass, wie jedes Geschöpf den Seligen zur Freude gereichen wird, so alle Elemente zur Folter der Verdammten beitragen werden, gemäß Weish 5,21: „Der ganze Erdkreis wird mit ihm kämpfen gegen die Unweisen.“ Dies ziemt auch der göttlichen Gerechtigkeit, dass sie, da sie sich durch die Sünde von dem Einen abwandten und ihr Ziel in die materiellen Dinge setzten, die viele und verschiedenartig sind, auch auf viele Arten und durch viele Quellen gepeinigt werden sollen.
Antwort auf den 2. Einwand: Weil das Feuer aufgrund seiner Fülle an aktiver Kraft am schmerzhaftesten ist, wird der Name des Feuers jeder Qual gegeben, wenn sie intensiv ist.
Zudem ist die Strafe des Fegefeuers nicht hauptsächlich dazu bestimmt zu peinigen, sondern zu reinigen: weshalb sie allein durch Feuer zugefügt werden sollte, das vor allem Reinigungskraft besitzt. Die Strafe der Verdammten aber ist nicht auf ihre Reinigung ausgerichtet. Folglich hinkt der Vergleich.
Antwort auf den 3. Einwand: Die Verdammten werden von der intensivsten Hitze zur intensivsten Kälte übergehen, ohne dass ihnen dies irgendeine Linderung verschafft: denn sie werden durch äußere Einwirkungen leiden, nicht durch die Umwandlung ihres Körpers aus seiner ursprünglichen natürlichen Beschaffenheit, wobei das gegenteilige Erleiden eine Linderung durch die Wiederherstellung einer ausgeglichenen oder gemäßigten Temperatur gewähren würde, wie es jetzt geschieht, sondern durch eine geistige Einwirkung, in derselben Weise, wie sinnlich wahrnehmbare Objekte auf die Sinne wirken, indem sie wahrgenommen werden und dem Organ ihre Formen gemäß ihrem geistigen und nicht ihrem materiellen Sein einprägen.