Suppl., q. 97 a. 3
Ob das Weinen der Verdammten körperlich sein wird?
Quaestio 97 · Von der Strafe der Verdammten
1. Einwand: Es scheint, dass das Weinen der Verdammten körperlich sein wird. Denn eine Glosse zu Lk 13,28, „Da wird Weinen sein“, sagt, dass „das Weinen, mit dem unser Herr den Bösen droht, ein Beweis für die Auferstehung des Leibes ist.“ Dies wäre aber nicht der Fall, wenn jenes Weinen bloß geistig wäre. Daher usw.
2. Einwand: Ferner entspricht der Schmerz der Strafe der Lust der Sünde, gemäß Offb 18,7: „So viel sie sich verherrlicht hat und in Üppigkeit lebte, so viel Qual und Trauer gebt ihr.“ Nun hatten die Sünder innere und äußere Lust an ihrer Sünde. Daher werden sie auch äußeres Weinen haben.
Dagegen spricht, dass körperliches Weinen aus der Auflösung in Tränen resultiert. Nun kann es aber keine fortwährende Auflösung von den Körpern der Verdammten geben, da ihnen durch Nahrung nichts zurückgegeben wird; denn alles Endliche wird verzehrt, wenn ihm fortwährend etwas entnommen wird. Daher wird das Weinen der Verdammten nicht körperlich sein.
Ich antworte darauf, dass beim körperlichen Weinen zwei Dinge zu beachten sind. Das eine ist der Fluss der Tränen: und was dies betrifft, kann körperliches Weinen nicht in den Verdammten sein, da nach dem Tag des Gerichts, wenn die Bewegung des ersten beweglichen Seins beendet ist, es weder Werden noch Vergehen noch körperliche Veränderung geben wird: und beim Fluss der Tränen muss jene Flüssigkeit erzeugt werden, die in Form von Tränen vergossen wird. Weshalb es in dieser Hinsicht unmöglich sein wird, dass körperliches Weinen in den Verdammten ist. Das andere, was beim körperlichen Weinen zu beachten ist, ist eine gewisse Erschütterung und Störung des Kopfes und der Augen, und in dieser Hinsicht wird Weinen bei den Verdammten nach der Auferstehung möglich sein: denn die Körper der Verdammten werden nicht nur von außen, sondern auch von innen gepeinigt werden, insofern der Körper auf Veranlassung der Leidenschaft der Seele zum Guten oder Bösen affiziert wird. In diesem Sinne ist das Weinen ein Beweis für die Auferstehung des Leibes und entspricht der Lust der Sünde, die sowohl von der Seele als auch vom Körper erfahren wurde.
Dies genügt für die Antworten auf die Einwände.