Suppl., q. 97 a. 2
Ob der Wurm der Verdammten körperlich ist?
Quaestio 97 · Von der Strafe der Verdammten
1. Einwand: Es scheint, dass der Wurm, von dem die Verdammten gepeinigt werden, körperlich ist. Denn Fleisch kann nicht von einem geistigen Wurm gepeinigt werden. Nun wird aber das Fleisch der Verdammten von einem Wurm gepeinigt werden: „Er wird Feuer und Würmer in ihr Fleisch geben“ (Judith 16,21), und: „Die Rache am Fleisch des Gottlosen ist Feuer und Würmer“ (Sir 7,19). Daher wird jener Wurm körperlich sein.
2. Einwand: Ferner sagt Augustinus (De Civ. Dei xxi, 9): ... „Beides, nämlich Feuer und Wurm, wird die Strafe des Leibes sein.“ Daher usw.
Dagegen spricht, dass Augustinus sagt (De Civ. Dei xx, 22): „Das unauslöschliche Feuer und der ruhelose Wurm in der Strafe der Verdammten werden von verschiedenen Personen auf verschiedene Weise erklärt. Einige beziehen beides auf den Körper, einige beides auf die Seele: andere beziehen das Feuer im wörtlichen Sinne auf den Körper, den Wurm metaphorisch auf die Seele: und dies scheint das Wahrscheinlichere zu sein.“
Ich antworte darauf, dass nach dem Tag des Gerichts kein Tier oder gemischter Körper in der erneuerten Welt verbleiben wird, außer allein dem Körper des Menschen, weil jene nicht auf die Unvergänglichkeit ausgerichtet sind [vgl. Frage 91, Artikel 5], noch wird es nach jener Zeit Werden oder Vergehen geben. Folglich muss der den Verdammten zugeschriebene Wurm nicht als von körperlicher, sondern von geistiger Natur verstanden werden: und dies ist der Gewissensbiss, der Wurm genannt wird, weil er aus der Fäulnis der Sünde entsteht und die Seele peinigt, wie ein aus Fäulnis geborener körperlicher Wurm durch Nagen peinigt.
Antwort auf den 1. Einwand: Die Seelen der Verdammten selbst werden ihr Fleisch genannt, insofern sie dem Fleisch unterworfen waren. Oder wir können antworten, dass das Fleisch durch den geistigen Wurm gepeinigt wird, insofern die Leiden der Seele auf den Körper überströmen, sowohl hier als auch im Jenseits.
Antwort auf den 2. Einwand: Augustinus spricht im Wege des Vergleichs. Denn er will nicht absolut behaupten, dass dieser Wurm materiell ist, sondern dass es besser ist zu sagen, dass beides materiell verstanden werden soll, als dass beides nur in einem geistigen Sinne verstanden werden sollte: denn dann würden die Verdammten keinen körperlichen Schmerz erleiden. Dies ist jedem klar, der den Kontext seiner Worte in dieser Passage prüft.