Suppl., q. 40 a. 1
Ob jene, die geweiht werden, die Tonsur tragen sollen?
Quaestio 40 · Von dem, was mit dem Weihesakrament verbunden ist.
Einwand 1: Es scheint, dass jene, die geweiht werden, die Tonsur nicht in Form einer Krone tragen sollten. Denn der Herr drohte jenen, die auf diese Weise geschoren waren, Gefangenschaft und Zerstreuung an: „Über die Gefangenschaft des kahlen Hauptes der Feinde“ (Dtn 32,42) und: „In alle Winde werde ich jene zerstreuen, die sich das Haar rundherum abscheiden“ (Jer 49,32). Nun aber sollen die Diener Christi keine Gefangenen sein, sondern Freie. Daher ziemt ihnen das Scheren und die Tonsur in Form einer Krone nicht.
Einwand 2: Ferner muss die Wahrheit dem Abbild entsprechen. Nun wurde die Krone im Alten Gesetz durch die Tonsur der Nasiräer vorgebildet, wie im Text dargelegt wird (Sent. IV, D. 24). Da also die Nasiräer nicht zum göttlichen Dienst geweiht waren, scheint es, dass die Diener der Kirche nicht die Tonsur empfangen oder das Haupt in Form einer Krone scheren sollten. Dasselbe scheint daraus zu folgen, dass Laienbrüder, die keine Diener der Kirche sind, in den religiösen Orden eine Tonsur erhalten.
Einwand 3: Ferner bezeichnet das Haar den Überfluss, weil es aus dem wächst, was überflüssig ist. Die Diener der Kirche aber sollen allen Überfluss ablegen. Daher sollten sie das Haupt vollständig scheren und nicht in Form einer Krone.
Dagegen spricht, dass Gregor sagt: „Gott dienen heißt herrschen“ (Super Ps. 101,23). Nun ist eine Krone das Zeichen der königlichen Würde. Daher ziemt eine Krone jenen, die dem göttlichen Dienst geweiht sind.
Ferner ist uns gemäß 1 Kor 11,15 das Haar „als Hülle“ gegeben. Die Diener des Altars aber sollen einen unverhüllten Geist haben. Daher ziemt ihnen die Tonsur.
Ich antworte darauf, dass es für jene, die sich dem göttlichen Dienst widmen, geziemend ist, aufgrund der Form geschoren oder tonsuriert zu werden wie eine Krone. Denn eine Krone ist das Zeichen der königlichen Würde; und der Vollkommenheit, da sie kreisförmig ist; und jene, die zum göttlichen Dienst bestellt sind, erlangen eine königliche Würde und sollen vollkommen in der Tugend sein. Es ist ihnen auch deshalb angemessen, weil es beinhaltet, dass das Haar sowohl vom oberen Teil des Kopfes durch Scheren entfernt wird, damit ihr Geist nicht durch zeitliche Beschäftigungen an der Betrachtung der göttlichen Dinge gehindert werde, als auch vom unteren Teil durch Schneiden, damit ihre Sinne nicht in zeitliche Dinge verstrickt werden.
Antwort auf Einwand 1: Der Herr droht jenen, die dies zur Verehrung von Dämonen taten.
Antwort auf Einwand 2: Die Dinge, die im Alten Testament geschahen, stellen die Dinge des Neuen Testaments unvollkommen dar. Daher wurden Dinge, die die Diener des Neuen Testaments betreffen, nicht nur durch die Ämter der Leviten bezeichnet, sondern auch durch all jene Personen, die einen gewissen Grad an Vollkommenheit bekannten. Nun bekannten die Nasiräer eine gewisse Vollkommenheit, indem sie ihr Haar abschnitten, wodurch sie ihre Verachtung der zeitlichen Dinge bezeichneten, obwohl sie es nicht in Form einer Krone schnitten, sondern vollständig abschnitten, denn noch war nicht die Zeit des königlichen und vollkommenen Priestertums. In gleicher Weise lassen sich Laienbrüder das Haar schneiden, weil sie den zeitlichen Dingen entsagen; aber sie scheren das Haupt nicht, weil sie nicht im göttlichen Dienst beschäftigt sind, so dass sie die göttlichen Dinge mit dem Geiste betrachten müssten.
Antwort auf Einwand 3: Nicht nur der Verzicht auf zeitliche Dinge, sondern auch die königliche Würde muss durch die Form einer Krone bezeichnet werden; weshalb das Haar nicht gänzlich abgeschnitten werden sollte. Ein weiterer Grund ist, dass dies unziemlich wäre.