II-II, q. 81 a. 7
Ob die Religion einen äußeren Akt hat?
Quaestio 81 · Von der Religion
Einwand 1: Es scheint, dass die Religion keinen äußeren Akt hat. Es steht geschrieben (Joh 4,24): „Gott ist Geist, und die Ihn anbeten, müssen Ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten.“ Nun gehören äußere Akte nicht zum Geist, sondern zum Körper. Also hat die Religion, zu der die Anbetung gehört, Akte, die nicht äußerlich, sondern innerlich sind.
Einwand 2: Ferner ist das Ziel der Religion, Gott Ehrfurcht und Ehre zu erweisen. Nun würde es nach Respektlosigkeit gegenüber einem Höhergestellten schmecken, wenn man ihm das anböte, was eigentlich seinem Untergebenen gehört. Da also alles, was der Mensch durch körperliche Handlungen darbringt, eigentlich auf die Linderung menschlicher Nöte oder auf die Ehrfurcht vor niedrigeren Geschöpfen gerichtet zu sein scheint, erschiene es unziemlich, sie zu verwenden, um Gott Ehrfurcht zu erweisen.
Einwand 3: Ferner lobt Augustinus (De Civ. Dei vi, 10) Seneca dafür, dass er jene tadelte, die den Götzen jene Dinge darbrachten, die man gewohnt ist, Menschen darzubringen, weil nämlich das, was Sterblichen ziemt, für Unsterbliche unziemlich ist. Aber solche Dinge sind noch viel weniger dem wahren Gott ziemend, Der „erhaben ist über alle Götter“ [Ps 94,3]. Daher scheint es falsch zu sein, Gott mit körperlichen Handlungen zu verehren. Also hat die Religion keine körperlichen Handlungen.
Dagegen spricht, was geschrieben steht (Ps 83,3): „Mein Herz und mein Fleisch haben frohlockt im lebendigen Gott.“ Nun gehören, so wie innere Handlungen zum Herzen gehören, äußere Handlungen zu den Gliedern des Fleisches. Daher scheint es, dass Gott nicht nur durch innere, sondern auch durch äußere Handlungen verehrt werden soll.
Ich antworte darauf, dass wir Gott Ehre und Ehrfurcht erweisen, nicht um Seinetwillen (weil Er aus Sich selbst voll der Herrlichkeit ist, der kein Geschöpf etwas hinzufügen kann), sondern um unsertwillen, weil durch die Tatsache, dass wir Gott verehren und ehren, unser Geist Ihm unterworfen wird; worin seine Vollkommenheit besteht, da ein Ding dadurch vervollkommnet wird, dass es seinem Höheren unterworfen wird, zum Beispiel wird der Körper dadurch vervollkommnet, dass er von der Seele belebt wird, und die Luft dadurch, dass sie von der Sonne erleuchtet wird. Nun muss der menschliche Geist, um mit Gott vereint zu werden, durch die sinnliche Welt geleitet werden, da „das Unsichtbare ... an den Werken der Schöpfung wahrgenommen wird“, wie der Apostel sagt (Röm 1,20). Weshalb es im göttlichen Kult notwendig ist, sich körperlicher Dinge zu bedienen, damit der Geist des Menschen dadurch, wie durch Zeichen, zu den geistigen Akten angeregt werde, mittels derer er mit Gott vereint wird. Daher haben die inneren Akte der Religion den Vorrang vor den anderen und gehören dem Wesen nach zur Religion, während ihre äußeren Akte sekundär sind und den inneren Akten untergeordnet.
Antwort auf Einwand 1: Unser Herr spricht von dem, was am wichtigsten und direkt beabsichtigt ist bei der Verehrung Gottes.
Antwort auf Einwand 2: Diese äußeren Dinge werden Gott dargebracht, nicht als ob Er ihrer bedürfte, gemäß Ps 49,13: „Soll ich das Fleisch von Stieren essen? oder soll ich das Blut von Böcken trinken?“, sondern als Zeichen der inneren und geistigen Werke, die an sich Gott wohlgefällig sind. Daher sagt Augustinus (De Civ. Dei x, 5): „Das sichtbare Opfer ist das Sakrament oder heilige Zeichen des unsichtbaren Opfers.“
Antwort auf Einwand 3: Die Götzendiener werden verspottet, weil sie Götzen Dinge darbringen, die Menschen betreffen, nicht als Zeichen, die sie zu bestimmten geistigen Dingen anregen, sondern als ob sie den Götzen an sich wohlgefällig wären; und noch mehr, weil sie töricht und böse waren.