II-II, q. 17 a. 3
Ob jemand die ewige Glückseligkeit eines anderen erhoffen kann?
Quaestio 17 · Von der Hoffnung, in sich selbst betrachtet
Einwand 1: Es scheint, dass jemand die ewige Glückseligkeit eines anderen erhoffen kann. Denn der Apostel sagt (Phil 1,6): „Ich vertraue darauf, dass Er, der in euch ein gutes Werk begonnen hat, es vollenden wird bis zum Tag Jesu Christi.“ Nun wird die Vollendung jenes Tages die ewige Glückseligkeit sein. Deshalb kann ein Mensch die ewige Glückseligkeit eines anderen erhoffen.
Einwand 2: Ferner hoffen wir, alles, worum wir Gott bitten, von Ihm zu erlangen. Aber wir bitten Gott, andere zur ewigen Glückseligkeit zu führen, gemäß Jakobus 5,16: „Betet füreinander, damit ihr gerettet werdet.“ Deshalb können wir auf die ewige Glückseligkeit eines anderen hoffen.
Einwand 3: Ferner beziehen sich Hoffnung und Verzweiflung auf denselben Gegenstand. Nun ist es möglich, an der ewigen Glückseligkeit eines anderen zu verzweifeln, sonst hätte Augustinus keinen Grund zu sagen (De Verb. Dom., Serm. lxxi), dass wir an niemandem verzweifeln sollten, solange er lebt. Deshalb kann man auch auf das ewige Heil eines anderen hoffen.
Dagegen spricht, dass Augustinus sagt (Enchiridion viii), die „Hoffnung richtet sich nur auf solche Dinge, die zu dem gehören, von dem angenommen wird, dass er auf sie hofft“.
Ich antworte darauf, dass wir auf zweifache Weise auf etwas hoffen können: erstens absolut, und so ist der Gegenstand der Hoffnung immer etwas Mühsames, das zur hoffenden Person gehört. Zweitens können wir auf etwas hoffen, indem etwas anderes vorausgesetzt wird, und auf diese Weise kann ihr Gegenstand etwas sein, das zu jemand anderem gehört. Um dies zu erklären, müssen wir beachten, dass Liebe und Hoffnung sich darin unterscheiden, dass Liebe eine Vereinigung zwischen dem Liebenden und dem Geliebten bezeichnet, während Hoffnung eine Bewegung oder ein Ausstrecken des Begehrens nach einem mühsamen Gut bezeichnet. Nun gehört Vereinigung zu Dingen, die verschieden sind, weshalb die Liebe direkt den anderen betrachten kann, den ein Mensch durch Liebe mit sich vereint, indem er ihn als sein anderes Selbst ansieht: wohingegen Bewegung immer auf ihr eigenes Ziel gerichtet ist, das dem bewegten Subjekt angemessen ist. Deshalb betrachtet die Hoffnung direkt das eigene Gut und nicht das, was zu einem anderen gehört. Wenn wir jedoch die Vereinigung der Liebe mit einem anderen voraussetzen, kann ein Mensch etwas für einen anderen Menschen erhoffen und begehren wie für sich selbst; und dementsprechend kann er auf das ewige Leben eines anderen hoffen, insofern er durch Liebe mit ihm vereint ist, und so wie es dieselbe Tugend der Liebe ist, durch die ein Mensch Gott, sich selbst und seinen Nächsten liebt, so ist es auch dieselbe Tugend der Hoffnung, durch die ein Mensch für sich selbst und für einen anderen hofft.
Dies genügt für die Antworten auf die Einwände.