I, q. 45 a. 8
: Ob sich die Schöpfung mit den Werken der Natur und der Kunst vermischt?
Quaestio 45 · Die Art des Hervorgangs der Dinge vom ersten Prinzip
Einwand 1: Es scheint, dass die Schöpfung in den Werken der Natur und der Kunst vermischt ist. Denn in jeder Operation der Natur und der Kunst wird irgendeine Form hervorgebracht. Aber sie wird nicht aus irgendetwas hervorgebracht, da die Materie keinen Anteil an ihr hat. Daher wird sie aus nichts hervorgebracht; und so gibt es in jeder Operation der Natur und der Kunst Schöpfung.
Einwand 2: Ferner ist die Wirkung nicht mächtiger als ihre Ursache. Aber in natürlichen Dingen ist das einzige Agens die akzidentelle Form, welche eine aktive oder eine passive Form ist. Daher wird die substantielle Form nicht durch die Operation der Natur hervorgebracht; und daher muss sie durch Schöpfung hervorgebracht werden.
Einwand 3: Ferner zeugt in der Natur Gleiches Gleiches. Aber einige Dinge werden in der Natur als von einem ihnen unähnlichen Ding gezeugt gefunden; wie bei Tieren offensichtlich ist, die durch Fäulnis gezeugt werden. Daher ist die Form dieser nicht aus der Natur, sondern durch Schöpfung; und derselbe Grund gilt für andere Dinge.
Einwand 4: Ferner, was nicht erschaffen ist, ist kein Geschöpf. Wenn es daher in den Hervorbringungen der Natur keine Schöpfung gäbe, würde folgen, dass die Hervorbringungen der Natur keine Geschöpfe sind; was häretisch ist.
Dagegen spricht, dass Augustinus (Super Gen. v, 6, 14, 15) das Werk der Fortpflanzung, welches ein Werk der Natur ist, vom Werk der Schöpfung unterscheidet.
Ich antworte darauf, dass der Zweifel über diesen Gegenstand aus den Formen entsteht, von denen einige sagten, sie kämen nicht durch die Handlung der Natur zur Existenz, sondern existierten vorher in der Materie; denn sie behaupteten, dass Formen latent seien. Dies entstand aus Unwissenheit bezüglich der Materie und daraus, dass man nicht wusste, wie man zwischen Potenz und Akt unterscheiden soll. Denn weil Formen in der Materie „in Potenz“ präexistieren, behaupteten sie, dass sie „schlechthin“ präexistieren. Andere jedoch sagten, dass die Formen von einem getrennten Agens im Wege der Schöpfung gegeben oder verursacht würden; und dementsprechend, dass mit jeder Operation der Natur Schöpfung verbunden sei. Aber diese Meinung entstand aus Unwissenheit bezüglich der Form. Denn sie versäumten zu bedenken, dass die Form des natürlichen Körpers nicht subsistierend ist, sondern das ist, wodurch ein Ding ist. Und da gemacht zu werden und erschaffen zu werden eigentlich nur einem subsistierenden Ding zukommt, wie oben gezeigt (Artikel [4]), kommt es Formen nicht zu, gemacht oder erschaffen zu werden, sondern „mitgeschaffen“ zu werden. Was in der Tat eigentlich durch das natürliche Agens gemacht wird, ist das „Zusammengesetzte“, welches aus Materie gemacht wird.
Daher tritt in den Werken der Natur die Schöpfung nicht ein, sondern wird für das Werk der Natur vorausgesetzt.
Antwort auf Einwand 1: Formen beginnen aktuell zu sein, wenn die zusammengesetzten Dinge gemacht werden, nicht als ob sie „direkt“ gemacht würden, sondern nur „indirekt“.
Antwort auf Einwand 2: Die aktiven Qualitäten in der Natur handeln kraft der substantiellen Formen: und daher bringt das natürliche Agens sein Ähnliches nicht nur gemäß der Qualität hervor, sondern gemäß der Spezies.
Antwort auf Einwand 3: Für die Zeugung unvollkommener Tiere genügt ein universales Agens, und dieses ist in der himmlischen Kraft zu finden, der sie angeglichen werden, nicht in der Spezies, sondern gemäß einer Art Analogie. Auch ist es nicht notwendig zu sagen, dass ihre Formen von einem getrennten Agens erschaffen werden. Jedoch ist für die Zeugung vollkommener Tiere das universale Agens nicht ausreichend, sondern ein eigenes Agens ist erforderlich, in Gestalt eines univoken Erzeugers.
Antwort auf Einwand 4: Die Operation der Natur findet nur unter der Voraussetzung geschaffener Prinzipien statt; und so werden die Produkte der Natur Geschöpfe genannt.