I, q. 45 a. 6
: Ob das Erschaffen einer Person eigentümlich ist?
Quaestio 45 · Die Art des Hervorgangs der Dinge vom ersten Prinzip
Einwand 1: Es scheint, dass das Erschaffen einer Person eigentümlich ist. Denn was zuerst kommt, ist die Ursache dessen, was danach ist; und was vollkommen ist, ist die Ursache dessen, was unvollkommen ist. Aber der Hervorgang der göttlichen Person ist früher als der Hervorgang des Geschöpfes: und er ist vollkommener, weil die göttliche Person in vollkommener Ähnlichkeit ihres Prinzips hervorgeht; wohingegen das Geschöpf in unvollkommener Ähnlichkeit hervorgeht. Daher sind die Hervorgänge der göttlichen Personen die Ursache der Hervorgänge der Dinge, und so kommt das Erschaffen einer Person zu.
Einwand 2: Ferner werden die göttlichen Personen voneinander nur durch ihre Hervorgänge und Relationen unterschieden. Daher gehört jeder Unterschied, der den göttlichen Personen zugeschrieben wird, ihnen gemäß den Hervorgängen und Relationen der Personen zu. Aber die Verursachung der Geschöpfe wird den göttlichen Personen verschieden zugeschrieben; denn im Glaubensbekenntnis wird dem Vater zugeschrieben, dass „Er der Schöpfer aller sichtbaren und unsichtbaren Dinge ist“; dem Sohn wird zugeschrieben, dass durch Ihn „alles gemacht ist“; und dem Heiligen Geist wird zugeschrieben, dass Er „Herr und Lebensspender“ ist. Daher gehört die Verursachung der Geschöpfe den Personen gemäß Hervorgängen und Relationen zu.
Einwand 3: Ferner, wenn gesagt wird, dass die Verursachung des Geschöpfes aus irgendeinem wesentlichen Attribut fließt, das einer Person appropriiert wird, scheint dies nicht ausreichend zu sein; weil jede göttliche Wirkung durch jedes wesentliche Attribut verursacht wird – nämlich durch Macht, Güte und Weisheit – und somit nicht einer mehr als einer anderen zugehört. Daher sollte keine bestimmte Weise der Verursachung einer Person mehr als einer anderen zugeschrieben werden, es sei denn, sie werden im Erschaffen gemäß Relationen und Hervorgängen unterschieden.
Dagegen spricht, dass Dionysius sagt (Div. Nom. ii), dass alle verursachten Dinge das gemeinsame Werk der ganzen Gottheit sind.
Ich antworte darauf, dass Erschaffen eigentlich gesprochen bedeutet, das Sein der Dinge zu verursachen oder hervorzubringen. Und da jedes Agens sein Ähnliches hervorbringt, kann das Prinzip des Handelns von der Wirkung der Handlung her betrachtet werden; denn es muss Feuer sein, das Feuer zeugt. Und daher kommt das Erschaffen Gott gemäß Seinem Sein zu, das heißt, Seinem Wesen, welches den drei Personen gemeinsam ist. Daher ist das Erschaffen keiner Person eigentümlich, sondern der ganzen Dreifaltigkeit gemeinsam.
Dennoch haben die göttlichen Personen gemäß der Natur ihres Hervorgangs eine Kausalität hinsichtlich der Erschaffung der Dinge. Denn wie oben gesagt wurde (Quaestio [14], Artikel [8]; Quaestio [19], Artikel [4]), als von der Erkenntnis und dem Willen Gottes gehandelt wurde, ist Gott die Ursache der Dinge durch Seinen Intellekt und Willen, so wie der Handwerker Ursache der durch seine Kunst gemachten Dinge ist. Nun arbeitet der Handwerker durch das in seinem Geist empfangene Wort und durch die Liebe seines Willens bezüglich irgendeines Objekts. Daher hat auch Gott der Vater das Geschöpf durch Sein Wort gemacht, welches Sein Sohn ist; und durch Seine Liebe, welche der Heilige Geist ist. Und so sind die Hervorgänge der Personen der Typus der Hervorbringungen der Geschöpfe, insofern sie die wesentlichen Attribute, Erkenntnis und Wille, einschließen.
Antwort auf Einwand 1: Die Hervorgänge der göttlichen Personen sind die Ursache der Schöpfung, wie oben erklärt.
Antwort auf Einwand 2: Wie die göttliche Natur, obwohl sie den drei Personen gemeinsam ist, ihnen dennoch in einer Art Ordnung zukommt, insofern der Sohn die göttliche Natur vom Vater empfängt und der Heilige Geist von beiden: so kommt auch gleichermaßen die Macht der Schöpfung, während sie den drei Personen gemeinsam ist, ihnen in einer Art Ordnung zu. Denn der Sohn empfängt sie vom Vater und der Heilige Geist von beiden. Daher wird dem Vater zugeschrieben, der Schöpfer zu sein, als Demjenigen, Der die Macht der Schöpfung nicht von einem anderen empfängt. Und vom Sohn wird gesagt (Joh 1,3): „Durch Ihn ist alles gemacht“, insofern Er dieselbe Macht hat, aber von einem anderen; denn diese Präposition „durch“ bezeichnet gewöhnlich eine mittlere Ursache oder „ein Prinzip von einem Prinzip“. Dem Heiligen Geist aber, Der dieselbe Macht von beiden hat, wird zugeschrieben, dass Er durch Seine Herrschaft das regiert und belebt, was vom Vater durch den Sohn erschaffen ist. Wiederum kann der Grund für diese besondere Appropriation aus dem allgemeinen Begriff der Appropriation der wesentlichen Attribute genommen werden. Denn wie oben festgestellt (Quaestio [39], Artikel [8], ad 3), wird dem Vater Macht appropriiert, die sich hauptsächlich in der Schöpfung zeigt, und daher wird Ihm zugeschrieben, der Schöpfer zu sein. Dem Sohn wird Weisheit appropriiert, durch welche das intellektuelle Agens handelt; und daher wird gesagt: „Durch Den alles gemacht ist.“ Und dem Heiligen Geist wird Güte appropriiert, zu der sowohl die Regierung gehört, die die Dinge zu ihrem eigenen Ziel bringt, als auch das Geben von Leben – denn Leben besteht in einer gewissen inneren Bewegung; und der erste Beweger ist das Ziel und die Güte.
Antwort auf Einwand 3: Obwohl jede Wirkung Gottes aus jedem Attribut hervorgeht, wird jede Wirkung auf jenes Attribut zurückgeführt, mit dem sie natürlich verbunden ist; so wird die Ordnung der Dinge auf die „Weisheit“ zurückgeführt und die Rechtfertigung des Sünders auf die „Barmherzigkeit“ und „Güte“, die überreich ausgegossen wird. Aber die Schöpfung, welche die Hervorbringung der Substanz eines Dinges selbst ist, wird auf die „Macht“ zurückgeführt.