I, q. 45 a. 5
: Ob es Gott allein zukommt zu erschaffen?
Quaestio 45 · Die Art des Hervorgangs der Dinge vom ersten Prinzip
Einwand 1: Es scheint, dass es nicht Gott allein zukommt zu erschaffen, weil nach dem Philosophen (De Anima ii, text 34) das, was vollkommen ist, sein eigenes Ebenbild machen kann. Aber immaterielle Geschöpfe sind vollkommener als materielle Geschöpfe, welche dennoch ihr eigenes Ebenbild machen können, denn Feuer zeugt Feuer, und der Mensch zeugt den Menschen. Daher kann eine immaterielle Substanz eine ihr gleiche Substanz machen. Aber eine immaterielle Substanz kann nur durch Schöpfung gemacht werden, da sie keine Materie hat, aus der sie gemacht werden könnte. Daher kann ein Geschöpf erschaffen.
Einwand 2: Ferner, je größer der Widerstand auf Seiten des gemachten Dinges ist, desto mehr Macht ist im Macher erforderlich. Aber ein „Gegenteil“ leistet mehr Widerstand als das „Nichts“. Daher erfordert es mehr Macht, (etwas) aus seinem Gegenteil zu machen, was ein Geschöpf dennoch tun kann, als ein Ding aus nichts zu machen. Viel mehr also kann ein Geschöpf dies tun.
Einwand 3: Ferner wird die Macht des Machers gemäß dem Maß dessen betrachtet, was gemacht wird. Aber das geschaffene Sein ist endlich, wie wir oben bewiesen haben, als wir von der Unendlichkeit Gottes handelten (Quaestio [7], Artikel [2], 3, 4). Daher ist nur eine endliche Macht nötig, um ein Geschöpf durch Schöpfung hervorzubringen. Aber eine endliche Macht zu haben, ist der Natur eines Geschöpfes nicht entgegengesetzt. Daher ist es für ein Geschöpf nicht unmöglich zu erschaffen.
Dagegen spricht, dass Augustinus sagt (De Trin. iii, 8), dass weder gute noch böse Engel irgendetwas erschaffen können. Viel weniger also können irgendwelche anderen Geschöpfe dies.
Ich antworte darauf, dass es auf den ersten Blick gemäß dem Vorhergehenden (Artikel [1]) hinreichend erscheint, dass Erschaffen die Handlung Gottes allein sein kann. Denn die universaleren Wirkungen müssen auf die universaleren und früheren Ursachen zurückgeführt werden. Nun ist unter allen Wirkungen das Sein selbst das universalste: und daher muss es die eigentliche Wirkung der ersten und universalsten Ursache sein, und das ist Gott. Daher heißt es auch (De Causis prop., iii), dass „weder eine Intelligenz noch die Seele uns das Sein gibt, außer insofern sie durch göttliche Wirkung arbeitet“. Nun gehört es zur Schöpfung, das Sein schlechthin hervorzubringen, nicht als dieses oder jenes Sein. Daher ist es offenkundig, dass die Schöpfung der eigentliche Akt Gottes allein ist.
Es geschieht jedoch, dass etwas an der eigentlichen Handlung eines anderen teilhat, nicht durch seine eigene Kraft, sondern instrumentell, insofern es durch die Kraft eines anderen handelt; wie Luft durch die Kraft des Feuers erhitzen und entzünden kann. Und so haben einige angenommen, dass, obwohl die Schöpfung der eigentliche Akt der universalen Ursache ist, dennoch irgendeine niedere Ursache, die durch die Kraft der ersten Ursache handelt, erschaffen kann. Und so behauptete Avicenna, dass die erste von Gott erschaffene getrennte Substanz eine andere nach sich erschuf, sowie die Substanz der Welt und ihre Seele; und dass die Substanz der Welt die Materie der niederen Körper erschafft. Und in derselben Weise sagt der Magister (Sent. iv, D, 5), dass Gott einem Geschöpf die Macht des Erschaffens mitteilen kann, so dass letzteres dienend [ministeriell] erschaffen kann, nicht aus eigener Kraft.
Aber so etwas kann nicht sein, weil die sekundäre instrumentelle Ursache nicht an der Handlung der übergeordneten Ursache teilhat, außer insofern sie durch etwas ihr Eigenes dispositiv auf die Wirkung des Hauptagens hinwirkt. Wenn sie daher nichts bewirkt gemäß dem, was ihr eigen ist, wird sie zwecklos verwendet; noch gäbe es irgendeinen Bedarf an bestimmten Instrumenten für bestimmte Handlungen. So sehen wir, dass eine Säge beim Schneiden von Holz, was sie durch die Eigenschaft ihrer eigenen Form tut, die Form einer Bank hervorbringt, welche die eigentliche Wirkung des Hauptagens ist. Nun ist die eigentliche Wirkung Gottes beim Erschaffen das, was allen anderen Wirkungen vorausgesetzt ist, und das ist das absolute Sein. Daher kann nichts anderes dispositiv und instrumentell auf diese Wirkung hinwirken, da die Schöpfung nicht aus irgendetwas Vorausgesetztem ist, das durch die Handlung des instrumentellen Agens disponiert werden könnte. So ist es also unmöglich, dass irgendein Geschöpf erschafft, weder durch seine eigene Kraft noch instrumentell – das heißt, dienend.
Und vor allem ist es absurd anzunehmen, dass ein Körper erschaffen kann, denn kein Körper handelt außer durch Berühren oder Bewegen; und so erfordert er bei seiner Handlung irgendein präexistierendes Ding, das berührt oder bewegt werden kann, was der eigentlichen Idee der Schöpfung entgegengesetzt ist.
Antwort auf Einwand 1: Ein vollkommenes Ding, das an irgendeiner Natur teilhat, macht ein ihm ähnliches Abbild, nicht indem es jene Natur schlechthin hervorbringt, sondern indem es sie auf etwas anderes anwendet. Denn ein individueller Mensch kann nicht die Ursache der menschlichen Natur schlechthin sein, weil er dann die Ursache seiner selbst wäre; sondern er ist die Ursache dafür, dass die menschliche Natur in dem gezeugten Menschen ist; und so setzt er bei seiner Handlung eine bestimmte Materie voraus, wodurch er ein individueller Mensch ist. Aber wie ein individueller Mensch an der menschlichen Natur teilhat, so hat jedes geschaffene Wesen sozusagen an der Natur des Seins teil; denn Gott allein ist Sein eigenes Sein, wie wir oben gesagt haben (Quaestio [7], Artikel [1], 2). Daher kann kein geschaffenes Wesen ein Seiendes schlechthin hervorbringen, außer insofern es „Sein“ in „diesem“ verursacht: und so ist es notwendig, das vorauszusetzen, wodurch ein Ding dieses Ding ist, vor der Handlung, wodurch es sein eigenes Abbild macht. Aber bei einer immateriellen Substanz ist es nicht möglich, irgendetwas vorauszusetzen, wodurch sie dieses Ding ist; weil sie das ist, was sie ist, durch ihre Form, wodurch sie Sein hat, da sie eine subsistierende Form ist. Daher kann eine immaterielle Substanz keine andere immaterielle Substanz hervorbringen, die ihr hinsichtlich ihres Seins gleich ist, sondern nur hinsichtlich irgendeiner hinzugefügten Vollkommenheit; wie wir sagen können, dass ein höherer Engel einen niederen erleuchtet, wie Dionysius sagt (Coel. Hier. iv, x). Auf diese Weise gibt es sogar im Himmel Vaterschaft, wie der Apostel sagt (Eph 3,15): „Von dem alle Vaterschaft im Himmel und auf Erden benannt wird.“ Woraus offensichtlich hervorgeht, dass kein geschaffenes Wesen irgendetwas verursachen kann, wenn nicht etwas vorausgesetzt wird; was gegen die eigentliche Idee der Schöpfung ist.
Antwort auf Einwand 2: Ein Ding wird aus seinem Gegenteil indirekt gemacht (Phys. i, text 43), aber direkt aus dem Subjekt, welches in Potenz ist. Und so leistet das Gegenteil dem Agens Widerstand, insofern es die Potenz an dem Akt hindert, den das Agens herbeizuführen beabsichtigt, wie Feuer beabsichtigt, die Materie des Wassers in einen ihm ähnlichen Akt zu überführen, aber durch die Form und die gegenteiligen Dispositionen gehindert wird, wodurch die Potenz (des Wassers) davon abgehalten wird, in den Akt überführt zu werden; und je mehr die Potenz zurückgehalten wird, desto mehr Macht ist im Agens erforderlich, um die Materie in den Akt zu überführen. Daher ist eine viel größere Macht im Agens erforderlich, wenn keine Potenz präexistiert. So erscheint es also, dass es ein Akt viel größerer Macht ist, ein Ding aus nichts zu machen, als aus seinem Gegenteil.
Antwort auf Einwand 3: Die Macht des Machers wird nicht nur von der Substanz des gemachten Dinges her berechnet, sondern auch von der Weise seines Gemachtwerdens; denn eine größere Hitze erhitzt nicht nur mehr, sondern schneller. Daher zeigt es zwar keine unendliche Macht an, eine endliche Wirkung zu erschaffen, aber sie aus nichts zu erschaffen, zeigt eine unendliche Macht an: was aus dem hervorgeht, was gesagt wurde (ad 2). Denn wenn eine größere Macht im Agens im Verhältnis zur Distanz der Potenz vom Akt erforderlich ist, folgt daraus, dass die Macht dessen, der etwas aus keiner vorausgesetzten Potenz hervorbringt, unendlich ist, weil es keine Proportion zwischen „keiner Potenz“ und der durch die Macht eines natürlichen Agens vorausgesetzten Potenz gibt, wie es keine Proportion zwischen „Nicht-Sein“ und „Sein“ gibt. Und weil kein Geschöpf schlechthin eine unendliche Macht hat, ebenso wenig wie es ein unendliches Sein hat, wie oben bewiesen wurde (Quaestio [7], Artikel [2]), folgt daraus, dass kein Geschöpf erschaffen kann.