I, q. 45 a. 3
: Ob die Schöpfung etwas im Geschöpf ist?
Quaestio 45 · Die Art des Hervorgangs der Dinge vom ersten Prinzip
Einwand 1: Es scheint, dass die Schöpfung nichts im Geschöpf ist. Denn wie die Schöpfung im passiven Sinne dem Geschöpf zugeschrieben wird, so wird die Schöpfung im aktiven Sinne dem Schöpfer zugeschrieben. Aber die aktiv genommene Schöpfung ist nichts im Schöpfer, weil sonst folgen würde, dass in Gott etwas Zeitliches wäre. Daher ist die passiv genommene Schöpfung nichts im Geschöpf.
Einwand 2: Ferner gibt es kein Medium zwischen dem Schöpfer und dem Geschöpf. Aber die Schöpfung wird als das Medium zwischen beiden bezeichnet: da sie nicht der Schöpfer ist, da sie nicht ewig ist; noch ist sie das Geschöpf, weil es in diesem Fall aus demselben Grund notwendig wäre, eine weitere Schöpfung anzunehmen, um sie zu erschaffen, und so weiter bis ins Unendliche. Daher ist die Schöpfung nichts im Geschöpf.
Einwand 3: Ferner, wenn die Schöpfung etwas neben der geschaffenen Substanz ist, muss sie ein Akzidens sein, das zu ihr gehört. Aber jedes Akzidens ist in einem Subjekt. Daher wäre ein geschaffenes Ding das Subjekt der Schöpfung, und so wäre dasselbe Ding das Subjekt und auch der Endpunkt der Schöpfung. Dies ist unmöglich, weil das Subjekt vor dem Akzidens ist und das Akzidens bewahrt; während der Endpunkt nach der Aktion und Passion ist, deren Endpunkt er ist, und sobald er existiert, hören Aktion und Passion auf. Daher ist die Schöpfung selbst kein Ding.
Dagegen spricht, dass es größer ist für ein Ding, seiner ganzen Substanz nach gemacht zu werden, als gemäß seiner substantiellen oder akzidentellen Form gemacht zu werden. Aber die Zeugung schlechthin oder relativ genommen, wodurch etwas gemäß der substantiellen oder der akzidentellen Form gemacht wird, ist etwas in dem gezeugten Ding. Daher ist umso mehr die Schöpfung, wodurch ein Ding gemäß seiner ganzen Substanz gemacht wird, etwas in dem geschaffenen Ding.
Ich antworte darauf, dass die Schöpfung etwas in dem geschaffenen Ding setzt, jedoch nur gemäß der Relation; weil das, was erschaffen wird, nicht durch Bewegung oder durch Veränderung gemacht wird. Denn was durch Bewegung oder durch Veränderung gemacht wird, wird aus etwas Vorher-Existierendem gemacht. Und dies geschieht zwar bei den besonderen Hervorbringungen einiger Seienden, kann aber nicht geschehen bei der Hervorbringung allen Seins durch die universale Ursache aller Seienden, welche Gott ist. Daher bringt Gott durch die Schöpfung Dinge ohne Bewegung hervor. Wenn nun die Bewegung von Aktion und Passion weggenommen wird, bleibt nur die Relation, wie oben gesagt wurde (Artikel [2], ad 2). Daher ist die Schöpfung im Geschöpf nur eine gewisse Beziehung zum Schöpfer als zum Prinzip seines Seins; so wie in der Passion, welche Bewegung impliziert, eine Beziehung zum Prinzip der Bewegung impliziert ist.
Antwort auf Einwand 1: Die aktiv bezeichnete Schöpfung bedeutet das göttliche Handeln, welches Gottes Wesen ist, mit einer Beziehung zum Geschöpf. Aber in Gott ist die Beziehung zum Geschöpf keine reale Beziehung, sondern nur eine Beziehung der Vernunft; wohingegen die Beziehung des Geschöpfes zu Gott eine reale Beziehung ist, wie oben gesagt wurde (Quaestio [13], Artikel [7]) bei der Behandlung der göttlichen Namen.
Antwort auf Einwand 2: Weil die Schöpfung als eine Veränderung bezeichnet wird, wie oben gesagt wurde (Artikel [2], ad 2), und Veränderung eine Art Medium zwischen dem Beweger und dem Bewegten ist, deshalb wird auch die Schöpfung als ein Medium zwischen dem Schöpfer und dem Geschöpf bezeichnet. Dennoch ist die passive Schöpfung im Geschöpf und ist ein Geschöpf. Auch bedarf es keiner weiteren Schöpfung bei ihrer Erschaffung; weil Relationen, oder ihre ganze Natur, auf etwas bezogen zu sein, nicht durch irgendwelche anderen Relationen bezogen werden, sondern durch sich selbst; wie auch oben gezeigt wurde (Quaestio [42], Artikel [1], ad 4) bei der Behandlung der Gleichheit der Personen.
Antwort auf Einwand 3: Das Geschöpf ist der Endpunkt der Schöpfung, insofern sie eine Veränderung bezeichnet, aber es ist das Subjekt der Schöpfung, genommen als eine reale Relation, und ist ihr im Sein früher, wie das Subjekt dem Akzidens. Dennoch hat die Schöpfung einen gewissen Aspekt der Priorität auf Seiten des Objekts, auf das sie gerichtet ist, welches der Anfang des Geschöpfes ist. Auch ist es nicht notwendig, dass das Geschöpf, solange es ist, erschaffen wird; weil Schöpfung eine Beziehung des Geschöpfes zum Schöpfer mit einer gewissen Neuheit oder einem Anfang impliziert.