I, q. 43 a. 8
Ob eine göttliche Person nur von der Person gesandt wird, von der sie ewig ausgeht?
Quaestio 43 · Die Sendung der göttlichen Personen
Einwand 1: Es scheint, dass eine göttliche Person nur von derjenigen gesandt wird, von der sie ewig ausgeht. Denn wie Augustinus sagt (De Trin. iv): „Der Vater wird von niemandem gesandt, weil er von niemandem ist.“ Wenn also eine göttliche Person von einer anderen gesandt wird, muss sie von jener anderen sein.
Einwand 2: Ferner hat der Sender Autorität über den Gesandten. Aber es kann keine Autorität in Bezug auf eine göttliche Person geben außer durch Ursprung. Also muss die gesandte göttliche Person von dem Sendenden ausgehen.
Einwand 3: Ferner, wenn eine göttliche Person von einem gesandt werden kann, von dem sie nicht ausgeht, dann könnte der Heilige Geist von einem Menschen gegeben werden, obwohl er nicht von ihm ausgeht; was dem widerspricht, was Augustinus sagt (De Trin. xv). Also wird die göttliche Person nur von dem gesandt, von dem sie ausgeht.
Dagegen spricht, dass der Sohn vom Heiligen Geist gesandt wird, gemäß Jes 48,16: „Nun hat Gott der Herr mich gesandt und sein Geist.“ Aber der Sohn ist nicht vom Heiligen Geist. Also wird eine göttliche Person von einem gesandt, von dem sie nicht ausgeht.
Ich antworte darauf, dass es in diesem Punkt verschiedene Meinungen gibt. Einige sagen, dass die göttliche Person nur von dem gesandt wird, von dem sie ewig ausgeht; und so, wenn gesagt wird, dass der Sohn Gottes vom Heiligen Geist gesandt wird, ist dies in Bezug auf seine menschliche Natur zu erklären, aufgrund derer er gesandt wurde, um durch den Heiligen Geist zu predigen. Augustinus sagt jedoch (De Trin. ii, 5), dass der Sohn von sich selbst und vom Heiligen Geist gesandt wird; und der Heilige Geist wird von sich selbst und vom Sohn gesandt; so dass gesandt zu werden in Gott nicht auf jede Person zutrifft, sondern nur auf die Person, die von einer anderen ausgeht, wohingegen zu senden jeder Person zukommt.
In beiden dieser Meinungen liegt etwas Wahres; denn wenn eine Person als gesandt beschrieben wird, wird die Person selbst, die von einer anderen existiert, bezeichnet, mit der sichtbaren oder unsichtbaren Wirkung, die auf die Sendung der göttlichen Person anwendbar ist. Wenn also der Sender als das Prinzip der gesandten Person bezeichnet wird, sendet in diesem Sinne nicht jede Person, sondern nur jene Person, die das Prinzip jener Person ist, die gesandt wird; und so wird der Sohn nur vom Vater gesandt; und der Heilige Geist vom Vater und vom Sohn. Wenn jedoch die sendende Person als das Prinzip der Wirkung verstanden wird, die in der Sendung impliziert ist, sendet in diesem Sinne die ganze Dreifaltigkeit die gesandte Person. Dieser Grund beweist nicht, dass ein Mensch den Heiligen Geist senden kann, insofern der Mensch nicht die Wirkung der Gnade verursachen kann.
Die Antworten auf die Einwände ergeben sich aus dem Obigen.