I, q. 43 a. 2
Ob die Sendung ewig oder nur zeitlich ist?
Quaestio 43 · Die Sendung der göttlichen Personen
Einwand 1: Es scheint, dass die Sendung ewig sein kann. Denn Gregor sagt (Hom. xxvi, in Ev.): „Der Sohn wird gesandt, wie er gezeugt wird.“ Aber die Zeugung des Sohnes ist ewig. Also ist die Sendung ewig.
Einwand 2: Ferner wird ein Ding verändert, wenn es zeitlich etwas wird. Aber eine göttliche Person wird nicht verändert. Also ist die Sendung einer göttlichen Person nicht zeitlich, sondern ewig.
Einwand 3: Ferner impliziert Sendung Hervorgang. Aber der Hervorgang der göttlichen Personen ist ewig. Also ist auch die Sendung ewig.
Dagegen spricht, was in Gal 4,4 gesagt wird: „Als die Fülle der Zeit gekommen war, sandte Gott seinen Sohn.“
Ich antworte darauf, dass bei allen Worten, die den Ursprung der göttlichen Personen ausdrücken, ein gewisser Unterschied zu beachten ist. Denn einige drücken nur die Beziehung zum Prinzip aus, wie „Hervorgang“ und „Ausgehen“. Andere drücken das Ziel des Hervorgangs zusammen mit der Beziehung zum Prinzip aus. Von diesen drücken einige das ewige Ziel aus, wie „Zeugung“ und „Hauchung“; denn die Zeugung ist der Hervorgang der göttlichen Person in die göttliche Natur, und die passive Hauchung ist der Hervorgang der subsistierenden Liebe. Andere drücken das zeitliche Ziel mit der Beziehung zum Prinzip aus, wie „Sendung“ und „Gabe“. Denn ein Ding wird gesandt, damit es in etwas anderem sei, und wird gegeben, damit es besessen werde; dass aber eine göttliche Person von einem Geschöpf besessen werde oder in ihm auf neue Weise existiere, ist zeitlich.
Daher haben „Sendung“ und „Gabe“ in Gott nur eine zeitliche Bedeutung; „Zeugung“ und „Hauchung“ aber sind ausschließlich ewig; wohingegen „Hervorgang“ und „Gabe“ (im Sinne von Geben) in Gott sowohl eine ewige als auch eine zeitliche Bedeutung haben: denn der Sohn kann ewig als Gott hervorgehen; aber zeitlich, indem er Mensch wird, gemäß seiner sichtbaren Sendung, oder ebenso indem er im Menschen wohnt gemäß seiner unsichtbaren Sendung.
Antwort auf Einwand 1: Gregor spricht von der zeitlichen Zeugung des Sohnes, nicht vom Vater, sondern von seiner Mutter; oder es kann so verstanden werden, dass er gesandt werden konnte, weil er ewig gezeugt ist.
Antwort auf Einwand 2: Dass eine göttliche Person auf neue Weise in jemandem existiert oder von jemandem in der Zeit besessen wird, kommt nicht von einer Veränderung der göttlichen Person, sondern von einer Veränderung im Geschöpf; so wie Gott selbst zeitlich „Herr“ genannt wird durch die Veränderung des Geschöpfes.
Antwort auf Einwand 3: Sendung bezeichnet nicht nur den Hervorgang vom Prinzip, sondern bestimmt auch das zeitliche Ziel des Hervorgangs. Daher ist die Sendung nur zeitlich. Oder wir können sagen, dass sie den ewigen Hervorgang einschließt, unter Hinzufügung einer zeitlichen Wirkung. Denn die Beziehung einer göttlichen Person zu ihrem Prinzip muss ewig sein. Daher kann der Hervorgang ein doppelter Hervorgang genannt werden, ewig und zeitlich, nicht dass es eine doppelte Beziehung zum Prinzip gäbe, sondern ein doppeltes Ziel, ein zeitliches und ein ewiges.