I, q. 39 a. 1
Ob in Gott das Wesen dasselbe ist wie die Person?
Quaestio 39 · Von den Personen im Verhältnis zum Wesen
Einwand 1: Es scheint, dass in Gott das Wesen nicht dasselbe ist wie die Person. Denn wann immer Wesen und Person oder „Suppositum“ dasselbe sind, kann es nur ein „Suppositum“ einer Natur geben, wie es bei allen getrennten Substanzen klar ist. Denn bei Dingen, die wirklich ein und dasselbe sind, kann das eine nicht ohne das andere vervielfältigt werden. In Gott aber gibt es ein Wesen und drei Personen, wie aus dem oben Dargelegten hervorgeht (Frage [28], Artikel [3]; Frage [30], Artikel [2]). Also ist das Wesen nicht dasselbe wie die Person.
Einwand 2: Ferner können gleichzeitige Bejahung und Verneinung derselben Dinge in derselben Hinsicht nicht wahr sein. Aber Bejahung und Verneinung sind wahr in Bezug auf das Wesen und die Person. Denn die Person ist unterschieden, das Wesen hingegen nicht. Also sind Person und Wesen nicht dasselbe.
Einwand 3: Ferner kann nichts Subjekt seiner selbst sein. Die Person aber ist Subjekt des Wesens; daher wird sie „Suppositum“ oder „Hypostase“ genannt. Also ist die Person nicht dasselbe wie das Wesen.
Dagegen spricht, dass Augustinus sagt (De Trin. vi, 7): „Wenn wir die Person des Vaters sagen, meinen wir nichts anderes als die Substanz des Vaters.“
Ich antworte darauf, dass die Wahrheit dieser Frage ganz klar ist, wenn wir die göttliche Einfachheit betrachten. Denn es wurde oben gezeigt (Frage [3], Artikel [3]), dass die göttliche Einfachheit erfordert, dass in Gott das Wesen dasselbe ist wie das „Suppositum“, was in intellektuellen Substanzen nichts anderes ist als die Person. Eine Schwierigkeit scheint jedoch daraus zu entstehen, dass, während die göttlichen Personen vervielfältigt sind, das Wesen dennoch seine Einheit bewahrt. Und weil, wie Boethius sagt (De Trin. i), „die Beziehung die Dreiheit der Personen vervielfältigt“, haben einige gedacht, dass in Gott Wesen und Person verschieden seien, insofern sie die Beziehungen als „hinzukommend“ ansahen; dabei betrachteten sie in den Beziehungen nur den Aspekt der „Hinordnung auf ein anderes“ und nicht die Beziehungen als Realitäten. Wie aber oben gezeigt wurde (Frage [28], Artikel [2]), sind Beziehungen in Geschöpfen akzidentell, während sie in Gott das göttliche Wesen selbst sind. Daraus folgt, dass in Gott das Wesen nicht real von der Person unterschieden ist; und dennoch sind die Personen real voneinander unterschieden. Denn die Person bezeichnet, wie oben dargelegt (Frage [29], Artikel [4]), die Beziehung als in der göttlichen Natur subsistierend. Die Beziehung aber unterscheidet sich, insofern sie auf das Wesen bezogen wird, nicht real von diesem, sondern nur in unserer Denkweise; insofern sie jedoch auf eine entgegengesetzte Beziehung bezogen wird, hat sie eine reale Unterscheidung kraft dieser Entgegensetzung. So gibt es ein Wesen und drei Personen.
Zu Einwand 1: Bei Geschöpfen kann es keine Unterscheidung des „Suppositums“ durch Beziehungen geben, sondern nur durch wesentliche Prinzipien; denn in Geschöpfen sind Beziehungen nicht subsistierend. In Gott aber sind die Beziehungen subsistierend, und so unterscheiden sie aufgrund der Entgegensetzung zwischen ihnen die „Supposita“; und doch wird das Wesen nicht unterschieden, weil die Beziehungen selbst nicht voneinander unterschieden sind, insofern sie mit dem Wesen identifiziert sind.
Zu Einwand 2: Da Wesen und Person in Gott in unserer Denkweise verschieden sind, folgt daraus, dass etwas von dem einen verneint und von dem anderen bejaht werden kann; und deshalb müssen wir, wenn wir das eine annehmen, nicht notwendigerweise das andere annehmen.
Zu Einwand 3: Göttliche Dinge werden von uns nach der Art der geschaffenen Dinge benannt, wie oben erklärt (Frage [13], Artikel [1],3). Und da geschaffene Naturen durch Materie individualisiert werden, die das Subjekt der spezifischen Natur ist, folgt daraus, dass Individuen „Subjekte“, „Supposita“ oder „Hypostasen“ genannt werden. So werden die göttlichen Personen „Supposita“ oder „Hypostasen“ genannt, aber nicht so, als ob dort wirklich irgendeine reale „Supposition“ (Unterlegung) oder „Subjektion“ (Unterwerfung) existierte.