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Wo sagt Jesus, dass es nur eine Kirche geben soll?

Veröffentlicht07. Januar 2026

Die Frage, wo Jesus ausdrücklich lehrt, dass es nur eine einzige Kirche geben soll, ist nur auf den ersten Blick einfach. Wer eine wörtliche Formulierung erwartet, verfehlt die Art und Weise, wie Christus lehrt. Jesus spricht wie ein göttlicher Lehrer, nicht wie ein Gesetzgeber eines modernen Kodex. Er sagt nicht in juristischer Sprache, dass es nur eine Kirche geben werde, so wie er auch nicht wörtlich sagt, dass er göttlich ist, obwohl er es inhaltlich eindeutig bezeugt. Ebenso verhält es sich mit der Kirche. Alles, was Jesus über seine Kirche, über die Gemeinschaft seiner Jünger, über die Wahrheit und über die Einheit sagt, lässt nur die Schlussfolgerung zu, dass er eine einzige, konkrete und durch die Geschichte hindurch bestehende Kirche wollte.

Der entscheidende Satz (Matthäus 16:18) Jesu lautet: „Du bist Petrus, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen.“ Hier spricht er nicht von vielen Kirchen, sondern von einer einzigen Kirche, die ihm gehört. Dieses Wort hat eine klare Richtung, da der Singular nicht zufällig ist. Christus baut nicht mehrere voneinander getrennte Gemeinschaften, sondern das eine Haus Gottes, das durch alle Zeiten hindurch bestehen soll. Er fügt hinzu, dass die Mächte der Unterwelt diese Kirche nicht überwältigen werden. Damit wird deutlich, dass es eine konkrete, geschichtlich erfahrbare Gemeinschaft ist, die ungebrochen weiterlebt und nicht eine Vielzahl widersprüchlicher Gruppen, die sich in Lehre, Sakramenten und Autorität widersprechen.

Eine zweite entscheidende Stelle findet sich im Wort (Matthäus 18:17) Jesu: „Sag es der Kirche.“ Dieses Wort setzt eine sichtbare Institution voraus, die autoritativ entscheidet. Eine Vielheit unabhängiger Gemeinschaften könnte diese Aufgabe nicht erfüllen, denn wem soll der Christ gehorchen, wenn verschiedene Kirchen unterschiedliche Urteile fällen, die einander widersprechen Auch hier ist die Einheit nicht nur geistig oder unsichtbar gedacht, sondern konkret und verbindlich.

Die Einheit der Kirche erscheint noch klarer im Bild vom Hirten und der Herde. Jesus erklärt, dass es eine Herde und einen Hirten geben wird. Da Christus selbst der Hirt ist, folgt notwendig, dass es nicht eine Vielfalt widersprechender Herden geben kann, die voneinander getrennt wandern. Es gibt nur eine Herde, weil es nur einen Hirtendienst Christi gibt, der sich in der Welt sichtbar fortsetzt.

Noch stärker ist die Aussage des Herrn im hohepriesterlichen Gebet: „Alle sollen eins sein.“ Dieses Gebet Jesu ist keine vage Bitte um freundliche Stimmung unter Christen, sondern eine ernsthafte Bitte um dieselbe Einheit, die zwischen Vater und Sohn herrscht. Eine solche Einheit ist nicht bloß eine innerliche Harmonie, sondern eine echte Einheit im Glauben und im Bekenntnis. Diese Einheit soll nach dem Willen Christi ein Zeichen für die Welt sein, damit sie erkennt, dass der Vater den Sohn gesandt hat. Spaltungen zerstören dieses Zeichen. Deshalb kann die Zersplitterung des Christentums nicht Ausdruck eines göttlichen Willens sein, sondern zeigt vielmehr die Verletzung dieser Einheit.

Die Apostel entfalten diesen Willen Christi in ihren Schriften. Paulus schreibt, dass es ein Leib und ein Geist, ein Herr, ein Glaube und eine Taufe gibt. Der eine Leib ist die Kirche Christi. Ein Leib kann nicht aus voneinander getrennten und widersprüchlichen Gemeinschaften bestehen, die unterschiedliche Lehren vertreten und verschiedene Sakramente kennen. Die Einheit der Kirche ist daher keine menschliche Konstruktion, sondern ein göttlicher Auftrag.

Diese Wahrheit wurde von den großen Kirchenlehrern immer so verstanden. Augustinus, der unermüdlich gegen die donatistische Spaltung kämpfte, betont, dass es nur eine Kirche gibt, die katholische und weltumspannende Gemeinschaft, die in der Einheit mit den rechtmäßigen Bischöfen lebt. Für ihn ist die Kirche die eine Braut Christi. Christus kann nicht viele Bräute haben, und darum kann es nicht viele voneinander getrennte christliche Gemeinschaften geben, die alle für sich behaupten, die wahre Braut zu sein. Hieronymus hält fest, dass dort, wo der rechtmäßige Bischof ist, die Kirche ist, und dass die Einheit mit dem Stuhl Petri das sichtbare Band der Einheit darstellt. Leo der Große sieht im Petrusdienst die Quelle der kirchlichen Einheit. Christus hat Petrus als Felsen eingesetzt, damit die Kirche ungeteilt bleibe. Gregor der Große beschreibt die Einheit der Kirche als Einheit der Hirten unter dem einen Hirten Christus und als Einheit der Ortskirchen unter dem Nachfolger Petri.

Auch die östlichen Kirchenlehrer lehren diese Wahrheit. Chrysostomus sieht in jeder Spaltung einen Angriff auf den Leib Christi. Cyrill von Alexandria lehrt, dass die Einheit in der Wahrheit und der apostolischen Überlieferung wesentlich zur Kirche gehört, da die Kirche der Leib des einen Christus ist. Der heilige Ignatius von Antiochien, der Schüler des Apostels Johannes, bezeichnet die Kirche ausdrücklich als die katholische Kirche und erklärt, dass dort Christus ist, wo der Bischof und die Eucharistie sind. Für ihn ist Einheit nicht eine Option, sondern ein göttliches Gebot.

Thomas von Aquin beschreibt die Einheit der Kirche als notwendige Folge der Tatsache, dass Christus ihr Haupt ist. Wie es nur einen Christus gibt, so gibt es nur einen mystischen Leib. Die Einheit dieses Leibes wird gewahrt durch den einen Glauben, die gemeinsamen Sakramente und die Einheit der Leitung. Der Papst ist für Thomas nicht ein äußerlicher Zusatz, sondern der sichtbare Garant der von Christus gewollten Einheit.

Die spätere Tradition bestätigt dies. Robert Bellarmin definiert die Kirche als sichtbare Gemeinschaft derer, die denselben Glauben bekennen und in der Einheit mit dem Papst stehen. Franz von Sales zeigt gegen die Reformatoren, dass die Kirche Christi sichtbar, erkennbar und ungeteilt ist.

Zusammengefasst ergibt sich aus der gesamten Schrift und der gesamten Tradition: Christus hat nicht viele Kirchen gewollt, sondern eine einzige Kirche, die von ihm gegründet, durch die Apostel geleitet und durch die Nachfolger Petri in der Einheit gehalten wird. Die eine Kirche ist der eine Leib Christi. Deshalb kann man mit voller Wahrheit sagen: Jesus wollte nicht eine Vielzahl von Kirchen, sondern eine einzige, heilige, katholische und apostolische Kirche, die in der Geschichte sichtbar bleibt und in der Einheit des Glaubens lebt.

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