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Beweis, dass jener Zusatz „Und vom Sohne“ mit Recht gemacht worden sei.
Noch habe ich zu zeigen, dass die Lateiner durch die Hinzufügung jenes Teiles „Und vom Sohne“ das Symbol erklären konnten und mussten. Zuerst will ich nun zeigen, dass sie es tun mussten. Sodann, dass die Lateiner es ohne die Griechen konnten.
Dass das Symbol erklärt werden müsse, erhellt nun daraus, weil es notwendig ist zum Heile, nicht zu glauben, dass der heilige Geist bloß vom Vater ausgehe. Als sonach eine Ketzerei entstanden war, welche lehrte, dass der Geist bloß vom Vater ausgehe, so musste durch Erklärung ein Gegenmittel angewandt werden, weil es notwendig ist, die Gelegenheiten zum Irrtum aufzuheben.
Beweis des Vordersatzes. Athanasius sagt im Symbol, wo er gesetzt hatte „vom Vater und Sohne“ etc.: „Dies ist der katholische Glaube. Wer ihn nicht ganz und unverletzt bewahrt, wird auf ewig zugrunde gehen.“ Und im Brief an Serapion: „Nach dem Gebote des Apostels ‚Einen ketzerischen Menschen meide nach einer einmaligen oder zweimaligen Zurechtweisung‘ nimm die Ketzer, solltest du sie selbst mit Elias durch die Luft fliegen und mit Petrus und Moses trockenen Fußes übers Meer gehen sehen, nicht auf, so sie nicht bekennen, der heilige Geist sei Gott, welcher wesentlicherweise aus Gott dem Sohne Bestand habe, so wie der Sohn natürlicherweise aus Gott dem Vater Bestand habe, wie wir bekennen.“ Ähnliche Stellen von Cyrillus und Epiphanius bei dem hl. Thomas (Contra Graecos).
Überdies fließt ein Beweis aus dem Beschlusse des Conciliums von Florenz, wo wir lesen: „Wir bestimmen, dass diese Glaubenswahrheit von allen Christen geglaubt und angenommen werde, dass der heilige Geist vom Vater und vom Sohne ewigerweise ist.“
Endlich durch die Vernunft. Denn der Glaube, dass der Geist nicht vom Sohne sei, ist, wie wir gezeigt haben, ein der Schrift entgegenlaufender Irrtum, also notwendig zu vermeiden. Es muss jedoch an dieser Stelle bemerkt werden, dass es nicht immer notwendig gewesen, nicht zu glauben, dass der heilige Geist nicht vom Sohne sei. Denn ehe die Frage aufgeworfen und entschieden wurde, reichte der Glaube hin, dass der Geist vom Vater ausgehe, worin auch der Glaube lag, dass er vom Sohne ausginge, und es bedurfte keiner Frage, ob er vom Sohne ausginge, denn wir sind nicht gehalten, alles zu wissen, sondern bloß gehalten, niemals absichtlich Irrtümer auszusagen. Sonach war es, nach Anregung der Frage und nachdem viele zu irren anfingen, notwendig, ein Mittel anzuwenden. Und darauf beruht die Bestimmung des florentinischen Conciliums: „Wir bestimmen, dass die Erklärung jener Worte (Und vom Sohne) zur Aufstellung der Wahrheit, ob der damals überwiegenden Notwendigkeit, erlaubter, und begründeterweise dem Symbol beigesetzt worden sei.“
Nun wollen wir zum zweiten Teile übergehen und zeigen, dass die Lateiner diese Erklärung ohne Zustimmung der Griechen hatten machen können. Erstlich ist der römische Papst Hirt und Lehrer der ganzen Kirche, wie auf dem florentinischen Concilium selbst die Griechen eingestanden haben und aus jener Stelle (Joh 21, 16 f.) „Weide die Schafe“ erhellt. Also kann er auch ohne Concilium Glaubensdinge entscheiden. Denn weil er allgemeiner Hirt und Lehrer ist, so kann er nicht irren, wenn er als Hirt und Lehrer lehrt, sonst würde die ganze Kirche irren, welche ihm zu folgen gehalten ist. Glaubensdinge zu entscheiden kommt aber dem zu, welcher nicht irren kann.
Anschlussartikel
Vom Autor festgelegte Folgetexte in Lesereihenfolge — zum Weiterlesen und zur inhaltlichen Einordnung.

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