III, q. 79 a. 8
Ob die Wirkung dieses Sakramentes durch lässliche Sünde gehindert wird?
Quaestio 79 · Von den Wirkungen dieses Sakraments
Einwand 1: Es scheint, dass die Wirkung dieses Sakramentes nicht durch lässliche Sünde gehindert wird. Denn Augustinus (Tract. xxvi in Joan.) sagt im Kommentar zu Joh 6,52, „Wenn jemand von diesem Brot isst“ usw.: „Iss das himmlische Brot geistig; bringe Unschuld zum Altar; deine Sünden, auch wenn sie täglich sind, lass sie nicht tödlich sein.“ Daraus ist ersichtlich, dass lässliche Sünden, die tägliche Sünden genannt werden, das geistige Essen nicht verhindern. Aber jene, die geistig essen, empfangen die Wirkung dieses Sakramentes. Also hindern lässliche Sünden die Wirkung dieses Sakramentes nicht.
Einwand 2: Ferner ist dieses Sakrament nicht weniger mächtig als die Taufe. Aber wie oben gesagt wurde (Quaestio [69], Artikel [9],10), hemmt nur Verstellung die Wirkung der Taufe, und lässliche Sünden gehören nicht zur Verstellung; weil gemäß Weish 1,5: „der Heilige Geist der Zucht vor dem Falschheit fliehen wird“, doch wird er nicht durch lässliche Sünden in die Flucht geschlagen. Daher hindern auch lässliche Sünden die Wirkung dieses Sakramentes nicht.
Einwand 3: Ferner kann nichts, was durch die Handlung irgendeiner Ursache entfernt wird, die Wirkung einer solchen Ursache hindern. Aber lässliche Sünden werden durch dieses Sakrament weggenommen. Daher hindern sie seine Wirkung nicht.
Dagegen spricht, dass Damascener sagt (De Fide Orth. iv): „Das Feuer jenes Verlangens, das in uns ist, wird, entzündet durch die glühende Kohle“, d.h. dieses Sakrament, „unsere Sünden verzehren und unsere Herzen erleuchten, so dass wir entflammt und vergöttlicht werden.“ Aber das Feuer unseres Verlangens oder der Liebe wird durch lässliche Sünden gehindert, welche den Eifer der Liebe hindern, wie in der FS, Quaestio [81], Artikel [4]; SS, Quaestio [24], Artikel [10] gezeigt wurde. Daher hindern lässliche Sünden die Wirkung dieses Sakramentes.
Ich antworte darauf, Lässliche Sünden können auf zwei Arten aufgefasst werden: erstens als vergangen, zweitens als im Akt des Begangenwerdens. Lässliche Sünden, auf die erste Art aufgefasst, hindern die Wirkung dieses Sakramentes in keiner Weise. Denn es kann geschehen, dass ein Mensch nach vielen lässlichen Sünden andächtig zu diesem Sakrament hinzutritt und seine Wirkung voll sichert. Auf die zweite Art betrachtet, hindern lässliche Sünden die Wirkung dieses Sakramentes nicht gänzlich, sondern bloß teilweise. Denn es wurde oben gesagt (Artikel [1]), dass die Wirkung dieses Sakramentes nicht nur die Erlangung der habituellen Gnade oder Liebe ist, sondern auch eine gewisse aktuelle Erquickung geistiger Süßigkeit: welche in der Tat gehindert wird, wenn sich jemand diesem Sakrament mit einem durch lässliche Sünden zerstreuten Geist nähert; aber die Zunahme der habituellen Gnade oder der Liebe wird nicht weggenommen.
Antwort auf Einwand 1: Wer sich diesem Sakrament mit aktueller lässlicher Sünde nähert, isst zwar geistig, dem Habitus nach, aber nicht dem Akt nach: und deshalb hat er Anteil an der habituellen Wirkung des Sakramentes, aber nicht an seiner aktuellen Wirkung.
Antwort auf Einwand 2: Die Taufe ist nicht, wie dieses Sakrament, auf den Eifer der Liebe als ihre aktuelle Wirkung hingeordnet. Weil die Taufe geistige Wiedergeburt ist, durch welche die erste Vollkommenheit erworben wird, die ein Habitus oder eine Form ist; dieses Sakrament aber ist geistiges Essen, welches aktuelle Wonne hat.
Antwort auf Einwand 3: Dieses Argument handelt von vergangenen lässlichen Sünden, die durch dieses Sakrament weggenommen werden.