III, q. 79 a. 7
Ob dieses Sakrament anderen außer den Empfängern nützt?
Quaestio 79 · Von den Wirkungen dieses Sakraments
Einwand 1: Es scheint, dass dieses Sakrament nur den Empfängern nützt. Denn dieses Sakrament ist von derselben Gattung wie die anderen Sakramente, da es eines von jenen ist, in die jene Gattung unterteilt wird. Aber die anderen Sakramente nützen nur den Empfängern; so empfängt allein die getaufte Person die Wirkung der Taufe. Daher nützt auch dieses Sakrament keinen anderen als den Empfängern.
Einwand 2: Ferner sind die Wirkungen dieses Sakramentes die Erlangung von Gnade und Herrlichkeit und die Vergebung der Sünde, zumindest der lässlichen Sünde. Wenn daher dieses Sakrament seine Wirkungen in anderen außer den Empfängern hervorbrächte, könnte es geschehen, dass ein Mensch Gnade und Herrlichkeit und Vergebung der Sünde erlangt, ohne selbst etwas zu tun oder zu empfangen, dadurch dass ein anderer dieses Sakrament empfängt oder darbringt.
Einwand 3: Ferner, wenn die Ursache vervielfältigt wird, wird auch die Wirkung vervielfältigt. Wenn also dieses Sakrament anderen außer den Empfängern nützte, würde folgen, dass es einem Menschen mehr nützt, wenn er dieses Sakrament durch viele Hostien empfängt, die in einer Messe konsekriert werden, wohingegen dies nicht der Brauch der Kirche ist: zum Beispiel, dass viele die Kommunion zum Heil eines einzelnen Individuums empfangen. Folglich scheint es nicht, dass dieses Sakrament irgendjemandem außer dem Empfänger nützt.
Dagegen spricht, dass während der Feier dieses Sakramentes für viele andere gebetet wird; was keinen Zweck hätte, wenn das Sakrament nicht für andere nützlich wäre. Daher ist dieses Sakrament nicht bloß für jene nützlich, die es empfangen.
Ich antworte darauf, Wie oben gesagt wurde (Artikel [3]), ist dieses Sakrament nicht nur ein Sakrament, sondern auch ein Opfer. Denn es hat die Natur eines Opfers, insofern in diesem Sakrament das Leiden Christi dargestellt wird, wodurch Christus „sich selbst als Opfergabe für Gott darbrachte“ (Eph 5,2), und es hat die Natur eines Sakramentes, insofern unsichtbare Gnade in diesem Sakrament unter einer sichtbaren Gestalt verliehen wird. So nützt also dieses Sakrament den Empfängern sowohl nach Art eines Sakramentes als auch nach Art eines Opfers, weil es für alle dargebracht wird, die daran teilhaben. Denn es heißt im Messkanon: „Damit wir alle, die wir durch die Teilnahme an diesem Altar den heiligsten Leib und das Blut deines Sohnes empfangen werden, mit allem himmlischen Segen und aller Gnade erfüllt werden.“
Aber anderen, die es nicht empfangen, ist es nach Art eines Opfers nützlich, insofern es für ihr Heil dargebracht wird. Daher heißt es im Messkanon: „Gedenke, o Herr, deiner Diener und Dienerinnen ... für die wir dir dieses Opfer des Lobes darbringen, oder die es dir darbringen für sich und alle die Ihren, für die Erlösung ihrer Seelen, für die Hoffnung auf ihr Heil und ihre Unversehrtheit.“ Und unser Herr drückte beide Wege aus, indem er sagte (Mt 26,28, mit Lk 22,20): „Das für euch“, d.h. die es empfangen, „und für viele“, d.h. andere, „vergossen wird zur Vergebung der Sünden.“
Antwort auf Einwand 1: Dieses Sakrament hat dies zusätzlich zu den anderen, dass es ein Opfer ist: und deshalb versagt der Vergleich.
Antwort auf Einwand 2: Wie das Leiden Christi allen nützt, zur Vergebung der Sünde und zur Erlangung von Gnade und Herrlichkeit, wohingegen es keine Wirkung hervorbringt außer in jenen, die mit dem Leiden Christi durch Glaube und Liebe vereinigt sind, so hat gleichermaßen dieses Opfer, welches das Gedächtnis des Leidens unseres Herrn ist, keine Wirkung außer in jenen, die mit diesem Sakrament durch Glaube und Liebe vereinigt sind. Daher sagt Augustinus zu Renatus (De Anima et ejus origine i): „Wer darf den Leib Christi darbringen außer für jene, die Glieder Christi sind?“ Daher wird im Messkanon kein Gebet für jene verrichtet, die außerhalb des Bereichs der Kirche sind. Aber es nützt jenen, die Glieder sind, mehr oder weniger, gemäß dem Maß ihrer Andacht.
Antwort auf Einwand 3: Das Empfangen gehört zur eigentlichen Natur des Sakramentes, aber das Darbringen gehört zur Natur des Opfers: folglich, wenn einer oder sogar mehrere den Leib Christi empfangen, erwächst anderen keine Hilfe. In gleicher Weise wird, selbst wenn der Priester mehrere Hostien in einer Messe konsekriert, die Wirkung dieses Sakramentes nicht vermehrt, da es nur ein Opfer gibt; weil in mehreren Hostien nicht mehr Kraft ist als in einer, da nur ein Christus unter allen Hostien und unter einer gegenwärtig ist. Daher wird auch niemand eine größere Wirkung aus dem Sakrament empfangen, indem er viele konsekrierte Hostien in einer Messe nimmt. Aber die Darbringung des Opfers wird in mehreren Messen vervielfältigt, und deshalb wird die Wirkung des Opfers und des Sakramentes vervielfältigt.