III, q. 79 a. 3
Ob die Vergebung der Todsünde eine Wirkung dieses Sakramentes ist?
Quaestio 79 · Von den Wirkungen dieses Sakraments
Einwand 1: Es scheint, dass die Vergebung der Todsünde eine Wirkung dieses Sakramentes ist. Denn es heißt in einer der Orationen (Postcommunio, Pro vivis et defunctis): „Möge dieses Sakrament eine Reinigung von Verbrechen sein.“ Todsünden aber werden Verbrechen genannt. Also werden Todsünden durch dieses Sakrament getilgt.
Einwand 2: Ferner wirkt dieses Sakrament, wie die Taufe, durch die Kraft des Leidens Christi. Todsünden werden aber durch die Taufe vergeben, wie oben gesagt wurde (Quaestio [69], Artikel [1]). Also werden sie gleichermaßen durch dieses Sakrament vergeben, zumal in der Form dieses Sakramentes gesagt wird: „Das für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden.“
Einwand 3: Ferner wird durch dieses Sakrament Gnade verliehen, wie oben gesagt wurde (Artikel [1]). Durch die Gnade aber wird der Mensch von Todsünden gerechtfertigt, gemäß Röm 3,24: „Gerechtfertigt umsonst durch seine Gnade.“ Also werden Todsünden durch dieses Sakrament vergeben.
Dagegen spricht, dass geschrieben steht (1 Kor 11,29): „Wer unwürdig isst und trinkt, der isst und trinkt sich das Gericht“: und eine Glosse zu derselben Stelle gibt folgenden Kommentar: „Der isst und trinkt unwürdig, der im Stand der Sünde ist oder der (das Sakrament) ehrfurchtslos behandelt; und ein solcher isst und trinkt sich das Gericht, d.h. die Verdammnis.“ Wer also in Todsünde ist, häuft durch den Empfang des Sakramentes eher Sünde auf Sünde, als dass er Vergebung seiner Sünde erlangt.
Ich antworte darauf, Die Kraft dieses Sakramentes kann auf zwei Arten betrachtet werden. Erstens in sich selbst: und so hat dieses Sakrament aus dem Leiden Christi die Kraft, alle Sünden zu vergeben, da das Leiden die Quelle und Ursache der Sündenvergebung ist.
Zweitens kann sie im Vergleich zum Empfänger des Sakramentes betrachtet werden, insofern sich in ihm ein Hindernis für den Empfang der Frucht dieses Sakramentes findet oder nicht. Wer sich nun einer Todsünde bewusst ist, hat in sich ein Hindernis für den Empfang der Wirkung dieses Sakramentes; denn er ist kein geeigneter Empfänger dieses Sakramentes, sowohl weil er geistig nicht lebendig ist und daher die geistige Nahrung nicht essen sollte, da Nahrung auf die Lebenden beschränkt ist; als auch weil er nicht mit Christus vereinigt werden kann, was die Wirkung dieses Sakramentes ist, solange er eine Anhänglichkeit an die Todsünde behält. Folglich, wie im Buch De Eccles. Dogm. gesagt wird: „Wenn die Seele zur Sünde neigt, wird sie durch die Teilnahme an der Eucharistie eher belastet als gereinigt.“ Daher bewirkt dieses Sakrament in dem, der sich einer Todsünde bewusst ist, nicht die Vergebung der Sünde.
Dennoch kann dieses Sakrament die Vergebung der Sünde auf zwei Arten bewirken. Erstens, indem es nicht aktuell, sondern im Verlangen empfangen wird; wie wenn ein Mensch zuerst von der Sünde gerechtfertigt wird. Zweitens, wenn es von jemandem in Todsünde empfangen wird, derer er sich nicht bewusst ist und an der er keine Anhänglichkeit hat; da er möglicherweise zuerst nicht hinreichend zerknirscht war, aber indem er sich diesem Sakrament andächtig und ehrfürchtig nähert, erlangt er die Gnade der Liebe, die seine Reue vervollkommnen und die Vergebung der Sünde bringen wird.
Antwort auf Einwand 1: Wir bitten darum, dass dieses Sakrament die „Reinigung von Verbrechen“ sei, oder von jenen Sünden, derer wir uns nicht bewusst sind, gemäß Ps 18,13: „Herr, reinige mich von meinen verborgenen Sünden“; oder dass unsere Reue zur Vergebung unserer Sünden vervollkommnet werde; oder dass uns Kraft verliehen werde, die Sünde zu meiden.
Antwort auf Einwand 2: Die Taufe ist eine geistige Zeugung, die ein Übergang vom geistigen Nichtsein zum geistigen Sein ist und durch Art einer Waschung gegeben wird. Folglich nähert sich derjenige, der sich einer Todsünde bewusst ist, in beiderlei Hinsicht der Taufe nicht ungebührlich. Aber in diesem Sakrament empfängt der Mensch Christus in sich nach Art einer geistigen Nahrung, was für einen, der tot in seinen Sünden liegt, unziemlich ist. Daher gilt der Vergleich nicht.
Antwort auf Einwand 3: Die Gnade ist die hinreichende Ursache für die Vergebung der Todsünde; doch vergibt sie die Sünde nicht, außer wenn sie dem Sünder zuerst verliehen wird. Aber sie wird in diesem Sakrament nicht so gegeben. Daher beweist das Argument nichts.