III, q. 79 a. 2
Ob die Erlangung der Herrlichkeit eine Wirkung dieses Sakramentes ist?
Quaestio 79 · Von den Wirkungen dieses Sakraments
Einwand 1: Es scheint, dass die Erlangung der Herrlichkeit keine Wirkung dieses Sakramentes ist. Denn eine Wirkung ist ihrer Ursache angemessen. Dieses Sakrament aber gehört den „Pilgern“ [viatoribus], und daher wird es „Wegzehrung“ [Viaticum] genannt. Da also Pilger noch nicht der Herrlichkeit fähig sind, scheint es, dass dieses Sakrament nicht die Erlangung der Herrlichkeit bewirkt.
Einwand 2: Ferner folgt bei Vorliegen einer hinreichenden Ursache die Wirkung. Aber viele empfangen dieses Sakrament, die niemals zur Herrlichkeit gelangen werden, wie Augustinus erklärt (De Civ. Dei xxi). Folglich ist dieses Sakrament nicht die Ursache für die Erlangung der Herrlichkeit.
Einwand 3: Ferner wird das Größere nicht durch das Geringere bewirkt, denn nichts wirkt über seine Art hinaus. Es ist aber etwas Geringeres, Christus unter einer fremden Gestalt zu empfangen, was in diesem Sakrament geschieht, als ihn in seiner eigenen Gestalt zu genießen, was zur Herrlichkeit gehört. Daher bewirkt dieses Sakrament nicht die Erlangung der Herrlichkeit.
Dagegen spricht, dass geschrieben steht (Joh 6,52): „Wenn jemand von diesem Brot isst, wird er in Ewigkeit leben.“ Das ewige Leben aber ist das Leben der Herrlichkeit. Also ist die Erlangung der Herrlichkeit eine Wirkung dieses Sakramentes.
Ich antworte darauf, In diesem Sakrament können wir beides betrachten: das, woraus es seine Wirkung ableitet, nämlich den darin enthaltenen Christus sowie sein dadurch dargestelltes Leiden; und das, wodurch es seine Wirkung entfaltet, nämlich den Gebrauch des Sakramentes und seine Gestalten.
Nun gehört es diesem Sakrament hinsichtlich beider Aspekte zu, die Erlangung des ewigen Lebens zu bewirken. Denn durch sein Leiden hat Christus uns den Zugang zum ewigen Leben eröffnet, gemäß Hebr 9,15: „Er ist der Mittler des Neuen Bundes, damit durch seinen Tod ... die Berufenen die Verheißung des ewigen Erbes empfangen.“ Dementsprechend heißt es in der Form dieses Sakramentes: „Das ist der Kelch meines Blutes, des Neuen und Ewigen Bundes.“
In gleicher Weise sind die Erquickung durch geistige Speise und die Einheit, die durch die Gestalten von Brot und Wein bezeichnet werden, im gegenwärtigen Leben zwar unvollkommen zu haben, vollkommen aber im Stand der Herrlichkeit. Daher sagt Augustinus zu den Worten „Mein Fleisch ist wahrhaft eine Speise“ (Joh 6,56): „Da die Menschen bei Speise und Trank darauf abzielen, dass sie weder hungern noch dürsten, so gewährt dies wahrhaftig nichts anderes als diese Speise und dieser Trank, die jene, die davon nehmen, unsterblich und unverweslich machen in der Gemeinschaft der Heiligen, wo Friede und Einheit voll und vollkommen sein werden.“
Antwort auf Einwand 1: Wie das Leiden Christi, kraft dessen dieses Sakrament vollzogen wird, zwar die hinreichende Ursache der Herrlichkeit ist, jedoch nicht so, dass wir dadurch sofort zur Herrlichkeit zugelassen werden, sondern wir müssen zuerst „mit ihm leiden, damit wir auch“ hernach „mit ihm verherrlicht werden“ (Röm 8,17), so lässt uns dieses Sakrament nicht sogleich zur Herrlichkeit zu, sondern verleiht uns die Kraft, zur Herrlichkeit zu gelangen. Und deshalb wird es „Wegzehrung“ genannt, als deren Vorbild wir in 1 Kön 19,8 lesen: „Elias aß und trank und wanderte in der Kraft dieser Speise vierzig Tage und vierzig Nächte bis zum Gottesberg Horeb.“
Antwort auf Einwand 2: So wie das Leiden Christi seine Wirkung nicht in jenen hat, die nicht so darauf hingeordnet sind, wie sie sein sollten, so gelangen auch jene nicht durch dieses Sakrament zur Herrlichkeit, die es unwürdig empfangen. Daher bemerkt Augustinus (Tract. xxvi in Joan.) bei der Auslegung derselben Stelle: „Das Sakrament ist eine Sache, die Kraft des Sakramentes eine andere. Viele empfangen es vom Altar ... und durch das Empfangen“ ... sterben sie ... „Iss also geistig das himmlische Brot, bringe Unschuld zum Altar.“ Es ist also kein Wunder, wenn jene, die die Unschuld nicht bewahren, die Wirkung dieses Sakramentes nicht sichern.
Antwort auf Einwand 3: Dass Christus unter einer anderen Gestalt empfangen wird, gehört zur Natur eines Sakramentes, das werkzeuglich wirkt. Es steht aber nichts im Wege, dass eine werkzeugliche Ursache eine mächtigere Wirkung hervorbringt, wie aus dem ersichtlich ist, was oben gesagt wurde (Quaestio [77], Artikel [3], ad 3).