III, q. 67 a. 5
Ob ein Nichtgetaufter das Sakrament der Taufe spenden kann?
Quaestio 67 · Von den Spendern, durch welche das Sakrament der Taufe gespendet wird.
1. Einwand: Es scheint, dass ein Nichtgetaufter das Sakrament der Taufe nicht spenden kann. Denn „niemand gibt, was er nicht hat.“ Aber eine nicht getaufte Person hat das Sakrament der Taufe nicht. Also kann sie es nicht geben.
2. Einwand: Ferner spendet ein Mensch das Sakrament der Taufe insofern, als er ein Diener der Kirche ist. Aber einer, der nicht getauft ist, gehört in keiner Weise zur Kirche, d. h. weder real noch sakramental. Also kann er das Sakrament der Taufe nicht spenden.
3. Einwand: Ferner ist es mehr, ein Sakrament zu spenden, als es zu empfangen. Aber einer, der nicht getauft ist, kann die anderen Sakramente nicht empfangen. Viel weniger also kann er irgendein Sakrament spenden.
Dagegen spricht, dass Isidor sagt: „Der Römische Pontifex betrachtet es nicht so, dass es der Mensch ist, der tauft, sondern dass der Heilige Geist die Gnade der Taufe spendet, auch wenn derjenige, der tauft, ein Heide ist.“ Aber wer getauft ist, wird nicht Heide genannt. Also kann derjenige, der nicht getauft ist, das Sakrament der Taufe spenden.
Ich antworte darauf, dass Augustinus diese Frage unentschieden ließ. Denn er sagt (Contra Ep. Parmen. ii): „Dies ist in der Tat eine andere Frage, ob sogar jene taufen können, die niemals Christen waren; noch sollte hierüber etwas voreilig behauptet werden ohne die Autorität eines heiligen Konzils, wie es für eine so große Sache ausreicht.“ Aber später wurde von der Kirche entschieden, dass die Ungetauften, seien es Juden oder Heiden, das Sakrament der Taufe spenden können, vorausgesetzt, sie taufen in der Form der Kirche. Weshalb Papst Nikolaus I. auf die von den Bulgaren vorgelegten Fragen antwortet: „Ihr sagt, dass viele in eurem Land von jemandem getauft wurden, ob Christ oder Heide, wisst ihr nicht. Wenn diese im Namen der Dreifaltigkeit getauft wurden, dürfen sie nicht wiedergetauft werden.“ Aber wenn die Form der Kirche nicht eingehalten wird, wird das Sakrament der Taufe nicht gespendet. Und so ist zu erklären, was Gregor II. [*Gregor III.] an Bischof Bonifatius schreibt: „Jene, von denen du behauptest, sie seien von Heiden getauft worden,“ nämlich mit einer Form, die von der Kirche nicht anerkannt wird, „befehlen wir dir, im Namen der Dreifaltigkeit wiederzutaufen.“ Und der Grund dafür ist, dass, so wie aufseiten der Materie, was das Wesentliche des Sakraments betrifft, jedes Wasser genügt, so ist aufseiten des Spenders jeder Mensch kompetent. Folglich kann eine ungetaufte Person in einem dringenden Fall taufen. So dass zwei ungetaufte Personen einander taufen können, indem einer den anderen tauft und danach von ihm getauft wird: und jeder würde nicht nur das Sakrament, sondern auch die Realität des Sakraments empfangen. Aber wenn dies außerhalb eines dringenden Falles geschähe, würde jeder schwer sündigen, sowohl der Taufende als auch der Getaufte, und so würde die Taufwirkung vereitelt, obwohl das Sakrament selbst nicht ungültig wäre.
Antwort auf den 1. Einwand: Der Mensch, der tauft, bietet nur seinen äußeren Dienst an; wohingegen Christus es ist, der innerlich tauft, der alle Menschen zu welchem Zweck auch immer Er will gebrauchen kann. Folglich können die Ungetauften taufen: weil, wie Papst Nikolaus I. sagt, „die Taufe nicht ihre ist“, d. h. der Taufenden, „sondern Seine“, d. h. Christi.
Antwort auf den 2. Einwand: Wer nicht getauft ist, gehört zwar weder in der Realität noch sakramental zur Kirche, kann ihr aber dennoch der Intention nach und durch Ähnlichkeit der Handlung angehören, nämlich insofern er beabsichtigt zu tun, was die Kirche tut, und beim Taufen die Form der Kirche einhält und so als Diener Christi handelt, der seine Macht nicht auf jene beschränkt hat, die getauft sind, wie Er sie auch nicht auf die Sakramente beschränkt hat.
Antwort auf den 3. Einwand: Die anderen Sakramente sind nicht so notwendig wie die Taufe. Und deshalb ist es eher zulässig, dass eine ungetaufte Person tauft, als dass sie andere Sakramente empfängt.