III, q. 67 a. 3
Ob ein Laie taufen kann?
Quaestio 67 · Von den Spendern, durch welche das Sakrament der Taufe gespendet wird.
1. Einwand: Es scheint, dass ein Laie nicht taufen kann. Denn wie oben gesagt wurde (Artikel 2), gehört das Taufen eigentlich zum priesterlichen Stand. Aber jene Dinge, die zu einem Weihestand gehören, können nicht jemandem anvertraut werden, der nicht geweiht ist. Also scheint es, dass ein Laie, der keine Weihen hat, nicht taufen kann.
2. Einwand: Ferner ist es etwas Größeres zu taufen, als die anderen sakramentalen Riten der Taufe zu vollziehen, wie etwa zu katechisieren, zu exorzieren und das Taufwasser zu segnen. Aber diese Dinge können nicht von Laien getan werden, sondern nur von Priestern. Also scheint es, dass Laien noch viel weniger taufen können.
3. Einwand: Ferner, so wie die Taufe ein notwendiges Sakrament ist, so ist es auch die Buße. Aber ein Laie kann im Tribunal der Buße nicht absolvieren. Daher kann er auch nicht taufen.
Dagegen spricht, dass Papst Gelasius I. und Isidor sagen, dass „es christlichen Laien oft erlaubt ist zu taufen, in Fällen dringender Notwendigkeit.“
Ich antworte darauf, dass es der Barmherzigkeit dessen geschuldet ist, „der will, dass alle Menschen gerettet werden“ (1 Tim 2,4), dass der Mensch in jenen Dingen, die zum Heil notwendig sind, leicht das Heilmittel finden kann. Nun ist unter allen Sakramenten die Taufe das notwendigste, welche die Wiedergeburt des Menschen zum geistlichen Leben ist: da es für Kinder keinen Ersatz gibt, während Erwachsene nicht anders als durch die Taufe eine volle Vergebung sowohl der Schuld als auch ihrer Strafe empfangen können. Damit der Mensch also nicht ohne ein so notwendiges Heilmittel bleiben muss, wurde verordnet, dass sowohl die Materie der Taufe etwas Gemeinsames sein sollte, das für alle leicht erhältlich ist, d. h. Wasser; als auch, dass der Spender der Taufe jeder sein sollte, auch wenn er nicht geweiht ist, damit der Mensch nicht aus Mangel an der Taufe den Verlust seines Heils erleide.
Antwort auf den 1. Einwand: Zu taufen gehört zum priesterlichen Stand aufgrund einer gewissen Angemessenheit und Feierlichkeit; aber dies ist nicht wesentlich für das Sakrament. Folglich, wenn ein Laie sogar außerhalb eines Notfalls taufen würde, sündigte er zwar, doch würde er das Sakrament spenden; noch müsste die so getaufte Person erneut getauft werden.
Antwort auf den 2. Einwand: Diese sakramentalen Riten der Taufe gehören zur Feierlichkeit der Taufe und sind nicht wesentlich für sie. Und deshalb sollten und können sie weder von einem Laien vollzogen werden, sondern nur von einem Priester, dessen Amt es ist, feierlich zu taufen.
Antwort auf den 3. Einwand: Wie oben gesagt wurde (Quaestio 65, Artikel 3 und 4), ist die Buße nicht so notwendig wie die Taufe; da die Reue den Mangel der priesterlichen Absolution ersetzen kann, welche nicht von der ganzen Strafe befreit, noch wird sie Kindern gegeben. Daher hält der Vergleich mit der Taufe nicht stand, weil deren Wirkung durch nichts anderes ersetzt werden kann.