III, q. 60 a. 7
Ob bestimmte Worte in den Sakramenten erforderlich sind?
Quaestio 60 · Was ist ein Sakrament?
Einwand 1: Es scheint, dass bestimmte Worte in den Sakramenten nicht erforderlich sind. Denn wie der Philosoph sagt (Peri Herm. i), „sind die Worte nicht für alle dieselben“. Aber das Heil, das durch die Sakramente gesucht wird, ist für alle dasselbe. Also sind bestimmte Worte in den Sakramenten nicht erforderlich.
Einwand 2: Ferner sind Worte in den Sakramenten erforderlich, insofern sie das hauptsächliche Mittel der Bezeichnung sind, wie oben gesagt (Artikel [6]). Aber es geschieht, dass verschiedene Worte dasselbe bedeuten. Also sind bestimmte Worte in den Sakramenten nicht erforderlich.
Einwand 3: Ferner verändert die Korruption von irgendetwas dessen Spezies. Aber einige korrumpieren die Aussprache von Worten, und doch ist es nicht glaubhaft, dass die sakramentale Wirkung dadurch gehindert wird; sonst würden ungebildete Menschen und Stotterer beim Spenden von Sakramenten dies häufig ungültig tun. Daher scheint es, dass bestimmte Worte in den Sakramenten nicht erforderlich sind.
Dagegen spricht, dass unser Herr bestimmte Worte bei der Konsekration des Sakraments der Eucharistie verwendete, als Er sagte (Mt 26,26): „Das ist mein Leib.“ Ebenso befahl Er Seinen Jüngern, unter einer Form bestimmter Worte zu taufen, indem Er sagte (Mt 28,19): „Geht hin und lehrt alle Völker und tauft sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“
Ich antworte darauf, dass, wie oben gesagt (Artikel [6], ad 2), in den Sakramenten die Worte wie die Form sind und die sinnfälligen Dinge wie die Materie. Nun ist in allen Dingen, die aus Materie und Form zusammengesetzt sind, das bestimmende Prinzip auf Seiten der Form, welche gleichsam das Ziel und der Endpunkt der Materie ist. Folglich ist für das Sein eines Dinges die Notwendigkeit einer bestimmten Form früher als die Notwendigkeit einer bestimmten Materie: denn bestimmte Materie ist notwendig, damit sie der bestimmten Form angepasst werden kann. Da also in den Sakramenten bestimmte sinnfällige Dinge erforderlich sind, die wie die sakramentale Materie sind, besteht in ihnen noch viel mehr die Notwendigkeit einer bestimmten Form von Worten.
Antwort auf Einwand 1: Wie Augustinus sagt (Tract. lxxx super Joan.), wirkt das Wort in den Sakramenten „nicht weil es gesprochen wird“, d.h. nicht durch den äußeren Klang der Stimme, „sondern weil geglaubt wird“ in Übereinstimmung mit dem Sinn der Worte, der durch den Glauben festgehalten wird. Und dieser Sinn ist in der Tat für alle derselbe, obwohl nicht dieselben Worte hinsichtlich ihres Klanges von allen verwendet werden. Folglich, egal in welcher Sprache dieser Sinn ausgedrückt wird, ist das Sakrament vollständig.
Antwort auf Einwand 2: Obwohl es in jeder Sprache vorkommt, dass verschiedene Worte dasselbe bezeichnen, ist doch eines jener Worte dasjenige, welches jene, die diese Sprache sprechen, hauptsächlich und üblicherweise verwenden, um jene bestimmte Sache zu bezeichnen: und dies ist das Wort, das für die sakramentale Bezeichnung verwendet werden sollte. So wird auch unter den sinnfälligen Dingen jenes für die sakramentale Bezeichnung verwendet, welches am üblichsten für die Handlung gebraucht wird, durch welche die sakramentale Wirkung bezeichnet wird: so wird Wasser am üblichsten von Menschen für die körperliche Reinigung verwendet, durch welche die geistige Reinigung bezeichnet wird: und daher wird Wasser als die Materie der Taufe verwendet.
Antwort auf Einwand 3: Wenn derjenige, der die Aussprache der sakramentalen Worte korrumpiert, dies mit Absicht tut, scheint er nicht zu beabsichtigen, das zu tun, was die Kirche beabsichtigt: und so scheint das Sakrament mangelhaft zu sein. Wenn er dies aber aus Irrtum oder einem Versprecher tut, und wenn er die Worte so weit falsch ausspricht, dass er sie ihres Sinnes beraubt, scheint das Sakrament mangelhaft zu sein. Dies wäre besonders der Fall, wenn die falsche Aussprache am Anfang eines Wortes liegt, zum Beispiel, wenn einer sagen würde „in nomine matris“ statt „in nomine Patris“. Wenn jedoch der Sinn der Worte durch diese falsche Aussprache nicht gänzlich verloren geht, ist das Sakrament vollständig. Dies wäre hauptsächlich der Fall, wenn das Ende eines Wortes falsch ausgesprochen wird; zum Beispiel, wenn einer sagen würde „patrias et filias“. Denn obwohl die so falsch ausgesprochenen Worte keine festgesetzte Bedeutung haben, gestehen wir ihnen doch eine angepasste Bedeutung zu, die den üblichen Redeformen entspricht. Und so bleibt, obwohl der sinnfällige Klang verändert ist, der Sinn doch derselbe.
Was über die verschiedenen falschen Aussprachen von Worten gesagt wurde, sei es am Anfang oder am Ende, gilt insofern, als bei uns eine Änderung am Anfang eines Wortes die Bedeutung ändert, wohingegen eine Änderung am Ende im Allgemeinen eine solche Änderung nicht bewirkt: wohingegen bei den Griechen der Sinn auch am Anfang der Wörter in der Konjugation der Verben geändert wird.
Dennoch ist der Hauptpunkt, der zu beachten ist, das Ausmaß der Korruption, die durch die falsche Aussprache verursacht wird: denn in beiden Fällen kann sie so gering sein, dass sie den Sinn der Worte nicht ändert; oder so groß, dass sie ihn zerstört. Aber es ist leichter, dass das eine auf Seiten des Anfangs der Worte geschieht, und das andere am Ende.