III, q. 60 a. 5
Ob bestimmte Dinge für ein Sakrament erforderlich sind?
Quaestio 60 · Was ist ein Sakrament?
Einwand 1: Es scheint, dass bestimmte Dinge für ein Sakrament nicht erforderlich sind. Denn sinnfällige Dinge sind in Sakramenten zum Zweck der Bezeichnung erforderlich, wie oben gesagt (Artikel [4]). Aber nichts hindert daran, dass dieselbe Sache durch verschiedene sinnfällige Dinge bezeichnet wird: so wird in der Heiligen Schrift Gott metaphorisch bezeichnet, manchmal durch einen Stein (2 Kön 22,2; Sach 3,9; 1 Kor 10,4; Offb 4,3); manchmal durch einen Löwen (Jes 31,4; Offb 5,5); manchmal durch die Sonne (Jes 60,19.20; Mal 4,2) oder durch etwas Ähnliches. Daher scheint es, dass verschiedene Dinge für dasselbe Sakrament geeignet sein können. Also sind bestimmte Dinge für die Sakramente nicht erforderlich.
Einwand 2: Ferner ist die Gesundheit der Seele notwendiger als die des Leibes. Aber bei körperlichen Medikamenten, die auf die Gesundheit des Leibes hingeordnet sind, kann eine Sache für eine andere substituiert werden, die zufällig fehlt. Daher kann viel mehr in den Sakramenten, die geistige Heilmittel sind, die auf die Gesundheit der Seele hingeordnet sind, eine Sache für eine andere substituiert werden, wenn diese zufällig fehlt.
Einwand 3: Ferner ist es nicht angemessen, dass das Heil der Menschen durch das göttliche Gesetz eingeschränkt wird: noch weniger durch das Gesetz Christi, der kam, um alle zu retten. Aber im Zustand des Naturgesetzes waren bestimmte Dinge in den Sakramenten nicht erforderlich, sondern wurden durch ein Gelübde zu diesem Gebrauch bestimmt, wie aus Gen 28 hervorgeht, wo Jakob gelobte, dass er Gott den Zehnten und Friedensopfer darbringen würde. Daher scheint es, dass der Mensch, besonders unter dem Neuen Gesetz, nicht auf den Gebrauch irgendeines bestimmten Dinges in den Sakramenten hätte beschränkt werden sollen.
Dagegen spricht, dass unser Herr sagte (Joh 3,5): „Wenn jemand nicht aus Wasser und Heiligem Geist wiedergeboren wird, kann er nicht in das Reich Gottes eingehen.“
Ich antworte darauf, dass beim Gebrauch der Sakramente zwei Dinge betrachtet werden können, nämlich der Kult Gottes und die Heiligung des Menschen: wovon ersteres den Menschen betrifft, wie er auf Gott bezogen ist, und letzteres Gott in Bezug auf den Menschen betrifft. Nun steht es niemandem zu, das zu bestimmen, was in der Macht eines anderen liegt, sondern nur das, was in seiner eigenen Macht liegt. Da also die Heiligung des Menschen in der Macht Gottes liegt, der heiligt, steht es nicht dem Menschen zu zu entscheiden, welche Dinge zu seiner Heiligung verwendet werden sollen, sondern dies sollte durch göttliche Einsetzung bestimmt werden. Daher müssen wir in den Sakramenten des Neuen Gesetzes, durch die der Mensch geheiligt wird gemäß 1 Kor 6,11: „Ihr seid abgewaschen, ihr seid geheiligt“, jene Dinge verwenden, die durch göttliche Einsetzung bestimmt sind.
Antwort auf Einwand 1: Obwohl dieselbe Sache durch verschiedene Zeichen bezeichnet werden kann, gehört es doch dem Bezeichnenden zu, zu bestimmen, welches Zeichen verwendet werden muss. Nun ist es Gott, der uns geistige Dinge mittels der sinnfälligen Dinge in den Sakramenten und der Gleichnisse in den Schriften bezeichnet. Und folglich, so wie der Heilige Geist entscheidet, durch welche Gleichnisse geistige Dinge in gewissen Stellen der Schrift bezeichnet werden sollen, so muss auch durch göttliche Einsetzung bestimmt werden, welche Dinge zum Zweck der Bezeichnung in diesem oder jenem Sakrament verwendet werden sollen.
Antwort auf Einwand 2: Sinnfällige Dinge sind mit natürlichen Kräften ausgestattet, die der Gesundheit des Leibes förderlich sind: und daher, wenn zwei von ihnen dieselbe Kraft haben, spielt es keine Rolle, welches wir verwenden. Doch sind sie zur Heiligung nicht durch irgendeine Kraft hingeordnet, die sie von Natur aus besitzen, sondern nur kraft der göttlichen Einsetzung. Und daher war es notwendig, dass Gott die sinnfälligen Dinge bestimmt, die in den Sakramenten verwendet werden sollen.
Antwort auf Einwand 3: Wie Augustinus sagt (Contra Faust. xix), passen verschiedene Sakramente zu verschiedenen Zeiten; so wie verschiedene Zeiten durch verschiedene Teile des Verbs bezeichnet werden, nämlich Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft. Folglich, so wie unter dem Zustand des Naturgesetzes der Mensch durch inneren Instinkt und ohne irgendein äußeres Gesetz bewegt wurde, Gott zu verehren, so wurden auch die sinnfälligen Dinge, die im Kult Gottes verwendet werden sollten, durch inneren Instinkt bestimmt. Aber später wurde es notwendig, dass (dem Menschen) ein Gesetz von außen gegeben wurde: sowohl weil das Naturgesetz durch die Sünden des Menschen verdunkelt worden war; als auch um ausdrücklicher die Gnade Christi zu bezeichnen, durch welche das Menschengeschlecht geheiligt wird. Und daher die Notwendigkeit, dass jene Dinge bestimmt sind, deren sich die Menschen in den Sakramenten bedienen müssen. Noch wird der Weg des Heils dadurch verengt: weil die Dinge, die in den Sakramenten verwendet werden müssen, entweder im Besitz eines jeden sind oder mit wenig Mühe beschafft werden können.