Suppl., q. 39 a. 1
Ob das weibliche Geschlecht ein Hindernis für den Empfang der Weihe ist?
Quaestio 39 · Von den Hindernissen dieses Sakraments
Einwand 1: Es scheint, dass das weibliche Geschlecht kein Hindernis für den Empfang der Weihe ist. Denn das Amt des Propheten ist größer als das Amt des Priesters, da ein Prophet in der Mitte zwischen Gott und den Priestern steht, so wie der Priester zwischen Gott und dem Volk steht. Nun wurde das Amt des Propheten bisweilen Frauen gewährt, wie aus 4 Kön 22,14 entnommen werden kann. Daher kann ihnen auch das Amt des Priesters zukommen.
Einwand 2: Ferner, so wie die Weihe zu einer Art von Vorrang gehört, so tun dies auch eine Position der Autorität sowie das Martyrium und der Ordensstand. Nun ist Frauen im Neuen Testament Autorität anvertraut, wie im Falle von Äbtissinnen, und im Alten Testament, wie im Falle von Debora, die Israel richtete (Richter 2). Zudem geziemen ihnen auch das Martyrium und das Ordensleben. Daher sind ihnen auch die Weihen der Kirche zugänglich.
Einwand 3: Ferner ist die Vollmacht der Weihe in der Seele begründet. Das Geschlecht aber ist nicht in der Seele. Daher macht der Unterschied im Geschlecht keinen Unterschied für den Empfang der Weihe.
Dagegen spricht, dass es heißt (1 Tim 2,12): „Ich gestatte einer Frau nicht zu lehren (in der Kirche),* noch Autorität über den Mann auszuüben.“ [*Die Worte in Klammern stammen aus 1 Kor 14,34: „Die Frauen sollen in den Kirchen schweigen.“]
Ferner ist die Krone [Tonsur] vor dem Empfang der Weihe erforderlich, wenn auch nicht für die Gültigkeit des Sakraments. Aber die Krone oder Tonsur geziemt Frauen nicht gemäß 1 Kor 11. Daher auch nicht der Empfang der Weihe.
Ich antworte darauf, dass bestimmte Dinge beim Empfänger eines Sakraments als notwendig für die Gültigkeit des Sakraments gefordert sind; fehlen solche Dinge, so kann man weder das Sakrament noch die Realität des Sakraments empfangen. Andere Dinge jedoch sind nicht für die Gültigkeit des Sakraments erforderlich, sondern für dessen Erlaubtheit, da sie dem Sakrament angemessen sind; und ohne diese empfängt man zwar das Sakrament, aber nicht die Realität des Sakraments [d.h. die Gnade]. Dementsprechend müssen wir sagen, dass das männliche Geschlecht für den Empfang der Weihe nicht nur auf die zweite, sondern auch auf die erste Weise erforderlich ist. Weshalb selbst dann, wenn an einer Frau alles vollzogen würde, was bei der Spendung der Weihe geschieht, sie die Weihe nicht empfangen würde; denn da ein Sakrament ein Zeichen ist, wird bei allen sakramentalen Handlungen nicht nur die Sache, sondern auch die Bezeichnung der Sache gefordert; so wurde oben (Quaestio [32], Artikel [2]) festgestellt, dass es bei der Letzten Ölung notwendig ist, einen kranken Menschen zu haben, um die Notwendigkeit der Heilung zu bezeichnen. Da es nun beim weiblichen Geschlecht nicht möglich ist, einen Vorrang des Grades zu bezeichnen, denn eine Frau befindet sich im Stand der Unterwerfung, folgt daraus, dass sie das Sakrament der Weihe nicht empfangen kann. Einige haben jedoch behauptet, dass das männliche Geschlecht für die Erlaubtheit und nicht für die Gültigkeit des Sakraments notwendig sei, weil selbst in den Dekretalen (cap. Mulieres dist. 32; cap. Diaconissam, 27, qu. i) von Diakonissen und Priesterinnen die Rede ist. Aber Diakonisse bezeichnet dort eine Frau, die an einer Handlung eines Diakons teilhat, nämlich die die Homilien in der Kirche liest; und Priesterin [presbytera] meint eine Witwe, denn das Wort „Presbyter“ bedeutet Ältester.
Antwort auf Einwand 1: Prophetie ist kein Sakrament, sondern eine Gabe Gottes. Weshalb dort nicht die Bezeichnung, sondern nur die Sache notwendig ist. Und da sich die Frau in Angelegenheiten, die die Seele betreffen, der Sache nach nicht vom Mann unterscheidet (denn bisweilen findet man eine Frau, die in Bezug auf die Seele besser ist als viele Männer), folgt daraus, dass sie die Gabe der Prophetie und dergleichen empfangen kann, nicht aber das Sakrament der Weihe.
Und hieraus ergibt sich die Antwort auf den zweiten und dritten Einwand. Was jedoch die Äbtissinnen betrifft, so sagt man, dass sie keine ordentliche Autorität haben, sondern gleichsam eine delegierte, wegen der Gefahr des Zusammenlebens von Männern und Frauen. Debora aber übte Autorität in zeitlichen, nicht in priesterlichen Angelegenheiten aus, so wie auch jetzt eine Frau zeitliche Macht haben kann.