I-II, q. 1 a. 8
Ob andere Geschöpfe in jenem letzten Ziel übereinstimmen?
Quaestio 1 · Vom letzten Ziel des Menschen
Einwand 1: Es scheint, dass alle anderen Geschöpfe im letzten Ziel des Menschen übereinstimmen. Denn der Zweck entspricht dem Anfang. Aber der Anfang des Menschen – d. h. Gott – ist auch der Anfang von allem anderen. Also stimmen alle anderen Dinge im letzten Ziel des Menschen überein.
Einwand 2: Ferner sagt Dionysius (Div. Nom. iv), dass „Gott alle Dinge zu Sich als zu ihrem letzten Ziel wendet.“ Aber Er ist auch das letzte Ziel des Menschen; weil Er allein vom Menschen genossen werden soll, wie Augustinus sagt (De Doctr. Christ. i, 5,22). Also stimmen auch andere Dinge im letzten Ziel des Menschen überein.
Einwand 3: Ferner ist das letzte Ziel des Menschen das Objekt des Willens. Aber das Objekt des Willens ist das universale Gute, welches der Zweck von allem ist. Also stimmen auch andere Dinge im letzten Ziel des Menschen überein.
Dagegen spricht: Das letzte Ziel des Menschen ist die Glückseligkeit; welche alle Menschen begehren, wie Augustinus sagt (De Trin. xiii, 3,4). Aber „Glückseligkeit ist für Tiere, die der Vernunft beraubt sind, nicht möglich“, wie Augustinus sagt (Quaest. 83, qu. 5). Also stimmen andere Dinge nicht im letzten Ziel des Menschen überein.
Ich antworte darauf: Wie der Philosoph sagt (Phys. ii, 2), ist der Zweck zweifach – der Zweck „um dessentwillen“ (finis cuius) und der Zweck „durch den“ (finis quo); nämlich das Ding selbst, in dem der Aspekt des Guten gefunden wird, und der Gebrauch oder Erwerb dieses Dinges. So sagen wir, dass der Zweck der Bewegung eines schweren Körpers entweder ein niedrigerer Ort als „Ding“ ist, oder an einem niedrigeren Ort zu sein, als „Gebrauch“; und der Zweck des Geizhalses ist Geld als „Ding“, oder der Besitz von Geld als „Gebrauch“.
Wenn wir daher vom letzten Ziel des Menschen als von dem Ding sprechen, das der Zweck ist, so stimmen alle anderen Dinge im letzten Ziel des Menschen überein, da Gott das letzte Ziel des Menschen und aller anderen Dinge ist. Wenn wir jedoch vom letzten Ziel des Menschen als vom Erwerb des Zweckes sprechen, dann stimmen vernunftlose Geschöpfe nicht mit dem Menschen in diesem Zweck überein. Denn der Mensch und andere vernunftbegabte Geschöpfe erreichen ihr letztes Ziel durch das Erkennen und Lieben Gottes: dies ist anderen Geschöpfen nicht möglich, welche ihr letztes Ziel erwerben, insofern sie an der göttlichen Ähnlichkeit teilhaben, insoweit sie sind, oder leben, oder sogar erkennen.
Daher ist es offensichtlich, wie die Einwände gelöst werden: da Glückseligkeit den Erwerb des letzten Zieles bedeutet.