I, q. 76 a. 7
Ob die Seele mittels eines Körpers mit dem tierischen Körper vereint ist?
Quaestio 76 · Von der Verbindung von Leib und Seele
Einwand 1: Es scheint, dass die Seele mittels eines Körpers mit dem tierischen Körper vereint ist. Denn Augustinus sagt (Gen. ad lit. vii, 19), dass „die Seele den Körper durch Licht verwaltet“, das heißt durch Feuer, „und durch Luft, die einem Geist am meisten verwandt ist“. Aber Feuer und Luft sind Körper. Daher ist die Seele mittels eines Körpers mit dem menschlichen Körper vereint.
Einwand 2: Ferner scheint ein Bindeglied zwischen zwei Dingen jenes Ding zu sein, dessen Entfernung das Aufhören ihrer Vereinigung beinhaltet. Aber wenn das Atmen aufhört, wird die Seele vom Körper getrennt. Daher ist der Atem, der ein feiner Körper ist, das Mittel der Vereinigung zwischen Seele und Körper.
Einwand 3: Ferner werden Dinge, die sehr weit voneinander entfernt sind, nicht vereint außer durch etwas zwischen ihnen. Aber die intellektive Seele ist sehr weit vom Körper entfernt, sowohl weil sie unkörperlich ist, als auch weil sie unvergänglich ist. Daher scheint sie mit dem Körper mittels eines unvergänglichen Körpers vereint zu sein, und ein solcher wäre irgendein himmlisches Licht, das die Elemente harmonisieren und sie miteinander vereinen würde.
Dagegen spricht, dass der Philosoph sagt (De Anima ii, 1): „Wir brauchen nicht zu fragen, ob Seele und Körper eins sind, wie wir auch nicht fragen, ob Wachs und seine Gestalt eins sind.“ Aber die Gestalt ist mit dem Wachs ohne einen dazwischenliegenden Körper vereint. Daher ist auch die Seele so mit dem Körper vereint.
Ich antworte darauf, dass, wenn die Seele gemäß den Platonikern mit dem Körper bloß als ein Beweger vereint wäre, es richtig wäre zu sagen, dass einige andere Körper zwischen der Seele und dem Körper des Menschen oder irgendeines Tieres vermitteln müssten; denn ein Beweger bewegt natürlicherweise das, was von ihm entfernt ist, mittels etwas Näherem.
Wenn jedoch die Seele mit dem Körper als dessen Form vereint ist, wie wir gesagt haben (Artikel [1]), ist es unmöglich, dass sie mittels eines anderen Körpers vereint ist. Der Grund dafür ist, dass ein Ding eins ist, insofern es ein Seiendes ist. Nun macht die Form durch sich selbst ein Ding aktuell, da sie selbst wesenhaft ein Akt ist; noch gibt sie Existenz mittels etwas anderem. Weshalb die Einheit eines aus Materie und Form zusammengesetzten Dinges kraft der Form selbst besteht, die aufgrund ihrer eigenen Natur mit der Materie als deren Akt vereint ist. Auch gibt es keine andere Ursache der Vereinigung außer dem Agens, das die Materie dazu bringt, im Akt zu sein, wie der Philosoph sagt, Metaph. viii (Did. vii, 6).
Daraus ist klar, wie falsch die Meinungen derer sind, die die Existenz irgendwelcher vermittelnder Körper zwischen der Seele und dem Körper des Menschen behaupteten. Von diesen sagten gewisse Platoniker, dass die intellektive Seele einen unvergänglichen Körper hat, der ihr von Natur aus vereint ist, von dem sie niemals getrennt wird und mittels dessen sie mit dem vergänglichen Körper des Menschen vereint ist. Andere sagten, dass die Seele mit dem Körper mittels eines körperlichen Geistes vereint ist. Andere sagten, sie sei mit dem Körper mittels Licht vereint, welches, wie sie sagen, ein Körper ist und von der Natur der fünften Essenz; so dass die vegetative Seele mit dem Körper mittels des Lichts des Sternenhimmels vereint wäre; die sensible Seele mittels des Lichts des kristallinen Himmels; und die intellektive Seele mittels des Lichts des empyreischen Himmels. Nun ist all dies fiktiv und lächerlich: denn Licht ist kein Körper; und die fünfte Essenz geht nicht materiell in die Zusammensetzung eines gemischten Körpers ein (da sie unveränderlich ist), sondern nur virtuell: und schließlich, weil die Seele unmittelbar mit dem Körper vereint ist wie die Form mit der Materie.
Antwort auf Einwand 1: Augustinus spricht dort von der Seele, wie sie den Körper bewegt; weshalb er das Wort „Verwaltung“ gebraucht. Es ist wahr, dass sie die gröberen Teile des Körpers durch die feineren Teile bewegt. Und das erste Werkzeug der bewegenden Kraft ist eine Art Geist, wie der Philosoph in De causa motus animalium (De mot. animal. x) sagt.
Antwort auf Einwand 2: Die Vereinigung von Seele und Körper hört beim Aufhören des Atmens auf, nicht weil dies das Mittel der Vereinigung ist, sondern wegen der Entfernung jener Disposition, durch die der Körper für eine solche Vereinigung disponiert ist. Dennoch ist der Atem ein Mittel der Bewegung, als das erste Werkzeug der Bewegung.
Antwort auf Einwand 3: Die Seele ist in der Tat sehr weit vom Körper entfernt, wenn wir den Zustand eines jeden getrennt betrachten: so dass, wenn jedes eine getrennte Existenz hätte, viele Verbindungsmittel dazwischen treten müssten. Aber insofern die Seele die Form des Körpers ist, hat sie keine Existenz getrennt von der Existenz des Körpers, sondern ist durch ihre eigene Existenz unmittelbar mit dem Körper vereint. Dies ist der Fall bei jeder Form, die, wenn sie als ein Akt betrachtet wird, sehr weit von der Materie entfernt ist, die ein Seiendes nur in Potenz ist.