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Einwand 1: Es scheint, dass alle Dinge dem Schicksal unterworfen sind. Denn Boethius sagt (De Consol. 4): „Die Kette des Schicksals bewegt den Himmel und die Sterne, stimmt die Elemente aufeinander ab und formt sie durch eine wechselseitige Umwandlung. Durch das Schicksal werden alle Dinge, die in die Welt geboren werden und vergehen, in einem gleichförmigen Fortgang von Nachkommenschaft und Samen erneuert.“ Nichts scheint daher aus dem Bereich des Schicksals ausgeschlossen zu sein.
Einwand 2: Ferner sagt Augustinus (De Civ. Dei 5, 1), dass das Schicksal etwas Wirkliches ist, insofern es auf den göttlichen Willen und die Macht bezogen wird. Aber der göttliche Wille ist Ursache aller Dinge, die geschehen, wie Augustinus sagt (De Trin. 3, 1 ff.). Also sind alle Dinge dem Schicksal unterworfen.
Einwand 3: Ferner sagt Boethius (De Consol. 4), dass das Schicksal „eine den veränderlichen Dingen innewohnende Anordnung ist“. Aber alle Geschöpfe sind veränderlich, und Gott allein ist wahrhaft unveränderlich, wie oben gesagt wurde (Quaestio 9, Artikel 2). Also ist das Schicksal in allen Dingen.
Dagegen spricht, dass Boethius sagt (De Consol. 4), dass „einige Dinge, die der Vorsehung unterworfen sind, über der Anordnung des Schicksals stehen“.
Ich antworte darauf, dass, wie oben gesagt (Artikel 2), das Schicksal die Anordnung der Zweitursachen zu den von Gott vorhergesehenen Wirkungen ist. Was auch immer daher den Zweitursachen unterworfen ist, ist auch dem Schicksal unterworfen. Was aber unmittelbar von Gott getan wird, ist, da es nicht den Zweitursachen unterworfen ist, auch nicht dem Schicksal unterworfen; solcherart sind die Schöpfung, die Verherrlichung der geistigen Substanzen und dergleichen. Und dies ist es, was Boethius sagt (De Consol. 4): nämlich dass „jene Dinge, die Gott nahe sind, einen Zustand der Unbeweglichkeit haben und die veränderliche Ordnung des Schicksals übersteigen“. Daher ist es klar, dass „je weiter ein Ding vom Ersten Geist entfernt ist, desto mehr ist es in die Kette des Schicksals verwickelt“; da es umso mehr mit den Zweitursachen verbunden ist.
Antwort auf Einwand 1: Alle Dinge, die in dieser Passage erwähnt werden, werden von Gott mittels der Zweitursachen getan; aus diesem Grund sind sie in der Ordnung des Schicksals enthalten. Aber es verhält sich nicht ebenso mit allem anderen, wie oben gesagt.
Antwort auf Einwand 2: Das Schicksal ist auf den göttlichen Willen und die Macht zu beziehen, als auf sein erstes Prinzip. Folglich folgt nicht, dass alles, was dem göttlichen Willen oder der Macht unterworfen ist, auch dem Schicksal unterworfen ist, wie bereits gesagt wurde.
Obwohl alle Geschöpfe in gewisser Weise veränderlich sind, gehen doch einige von ihnen nicht aus veränderlichen geschaffenen Ursachen hervor. Und diese sind daher nicht dem Schicksal unterworfen, wie oben gesagt.
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