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Einwand 1: Es scheint, dass das Schicksal nicht in den geschaffenen Dingen ist. Denn Augustinus sagt (De Civ. Dei 5, 1), dass der „göttliche Wille oder die Macht Schicksal genannt wird“. Aber der göttliche Wille oder die Macht ist nicht in den Geschöpfen, sondern in Gott. Also ist das Schicksal nicht in den Geschöpfen, sondern in Gott.
Einwand 2: Ferner wird das Schicksal mit den Dingen, die durch Schicksal geschehen, als deren Ursache verglichen; wie der Gebrauch des Wortes selbst beweist. Aber die universale Ursache, die aus sich selbst heraus bewirkt, was hier unten akzidentell geschieht, ist Gott allein, wie oben gesagt wurde (Artikel 1). Also ist das Schicksal in Gott und nicht in den Geschöpfen.
Einwand 3: Ferner, wenn das Schicksal in den Geschöpfen ist, ist es entweder eine Substanz oder ein Akzidens: und was auch immer es ist, es muss entsprechend der Anzahl der Geschöpfe vervielfältigt werden. Da also das Schicksal nur eine einzige Sache zu sein scheint, scheint es, dass das Schicksal nicht in den Geschöpfen ist, sondern in Gott.
Dagegen spricht, dass Boethius sagt (De Consol. 4): „Das Schicksal ist eine den veränderlichen Dingen innewohnende Anordnung.“
Ich antworte darauf, dass, wie aus dem oben Gesagten klar ist (Quaestio 22, Artikel 3; Quaestio 103, Artikel 6), die göttliche Vorsehung Wirkungen durch Mittelursachen hervorbringt. Wir können daher die Anordnung der Wirkungen auf zwei Weisen betrachten. Erstens, als in Gott selbst seiend: und so wird die Anordnung der Wirkungen Vorsehung genannt. Wenn wir aber diese Anordnung betrachten, wie sie in den Mittelursachen ist, die von Gott zur Hervorbringung gewisser Wirkungen geordnet sind, so hat sie die Natur des Schicksals. Dies ist es, was Boethius sagt (De Consol. 4): „Das Schicksal wird gewirkt, wenn die göttliche Vorsehung durch gewisse Geister bedient wird; sei es durch die Seele oder durch die ganze Natur selbst, die Ihm gehorcht, sei es durch die himmlischen Bewegungen der Sterne, sei es durch die engelsgleiche Kraft oder durch die List der Dämonen, sei es durch einige von diesen oder durch alle, wird die Kette des Schicksals geschmiedet.“ Von jedem dieser Dinge haben wir oben gesprochen (Artikel 1; Quaestio 104, Artikel 2; Quaestio 110, Artikel 1; Quaestio 113; Quaestio 114). Es ist daher offenkundig, dass das Schicksal in den geschaffenen Ursachen selbst ist, wie sie von Gott zur Hervorbringung ihrer Wirkungen geordnet sind.
Antwort auf Einwand 1: Die Anordnung der Zweitursachen selbst, die Augustinus (De Civ. Dei 5, 8) die „Reihe der Ursachen“ nennt, hat nicht die Natur des Schicksals, außer als von Gott abhängig. Weshalb die göttliche Macht oder der Wille Schicksal genannt werden kann, als Ursache des Schicksals seiend. Aber wesenhaft ist das Schicksal eben jene Anordnung oder „Reihe“, d.h. Ordnung, der Zweitursachen.
Artikel, die auf diesen Text verweisen — für Kontext, vorangehende Schritte und verwandte Einwände.
Antwort auf Einwand 2: Das Schicksal hat die Natur einer Ursache, ebenso sehr wie die Zweitursachen selbst, deren Anordnung Schicksal genannt wird.
Antwort auf Einwand 3: Das Schicksal wird eine Anordnung (dispositio) genannt, nicht jene Disposition, die eine Spezies der Qualität ist, sondern in dem Sinne, in dem es Ordnung bedeutet, was keine Substanz ist, sondern eine Relation. Und wenn diese Ordnung in Beziehung zu ihrem Prinzip betrachtet wird, ist sie eins; und so ist das Schicksal eins. Wenn sie aber in Beziehung zu ihren Wirkungen oder zu den Mittelursachen betrachtet wird, ist dieses Schicksal vielfach. In diesem Sinne schrieb der Dichter: „Dein Schicksal zieht dich.“
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