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Ob es Falschheit in den Dingen gibt?
Einwand 1: Es scheint, dass Falschheit nicht in den Dingen existiert. Denn Augustinus sagt (Soliloq. ii, 8): „Wenn das Wahre das ist, was ist, so wird gefolgert, dass das Falsche nirgendwo existiert; welcher Grund auch immer dagegen zu sprechen scheint.“
Einwand 2: Ferner leitet sich „falsch“ von „fallere“ [täuschen] ab. Die Dinge aber täuschen nicht; denn, wie Augustinus sagt (De Vera Relig. 33), zeigen sie nichts als ihre eigene Spezies. Daher findet sich das Falsche nicht in den Dingen.
Einwand 3: Ferner sagt man, das Wahre sei in den Dingen aufgrund der Übereinstimmung mit dem göttlichen Intellekt, wie oben dargelegt wurde (Quaestio [16]). Aber alles, insofern es ist, ahmt Gott nach. Daher ist alles wahr ohne Beimischung von Falschheit; und so ist nichts falsch.
Dagegen spricht, dass Augustinus sagt (De Vera Relig. 34): „Jeder Körper ist ein wahrer Körper und eine falsche Einheit: denn er ahmt die Einheit nach, ohne Einheit zu sein.“ Alles aber ahmt die göttliche Einheit nach, bleibt aber hinter ihr zurück. Daher gibt es in allen Dingen Falschheit.
Ich antworte darauf, dass, da Wahres und Falsches entgegengesetzt sind und da Gegensätze sich auf dasselbe beziehen, wir die Falschheit dort suchen müssen, wo wir primär die Wahrheit finden; das heißt im Intellekt. Nun existiert in den Dingen weder Wahrheit noch Falschheit, außer in Beziehung auf den Intellekt. Und da jedes Ding „schlechthin“ [simpliciter] nach dem benannt wird, was ihm „an sich“ [per se] zukommt, aber „relativ“ nach dem, was ihm akzidentell zukommt, kann ein Ding zwar schlechthin falsch genannt werden, wenn es mit dem Intellekt verglichen wird, von dem es abhängt und mit dem es „an sich“ verglichen wird; es kann aber relativ falsch genannt werden, wenn es auf einen anderen Intellekt ausgerichtet ist, mit dem es akzidentell verglichen wird. Nun hängen die natürlichen Dinge vom göttlichen Intellekt ab, wie die künstlichen Dinge vom menschlichen. Daher werden künstliche Dinge schlechthin und an sich falsch genannt, insofern sie hinter der Form der Kunst zurückbleiben; weshalb man sagt, ein Handwerker bringe ein falsches Werk hervor, wenn es hinter der eigentlichen Tätigkeit seiner Kunst zurückbleibt.
In Dingen, die von Gott abhängen, kann keine Falschheit gefunden werden, insofern sie mit dem göttlichen Intellekt verglichen werden; da alles, was in den Dingen geschieht, aus der Anordnung jenes Intellekts hervorgeht, außer vielleicht nur im Falle von freiwillig handelnden Wesen, die es in ihrer Macht haben, sich dem zu entziehen, was so angeordnet ist; worin das Übel der Sünde besteht. So werden die Sünden selbst in der Heiligen Schrift Unwahrheiten und Lügen genannt, gemäß den Worten des Textes: „Warum liebt ihr die Eitelkeit und sucht die Lüge?“ (Ps 4,3); wie andererseits tugendhafte Taten die „Wahrheit des Lebens“ genannt werden, da sie der Ordnung des göttlichen Intellekts gehorsam sind. So heißt es: „Wer die Wahrheit tut, kommt ans Licht“ (Joh 3,21).
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