III, q. 83 a. 3
Ob dieses Sakrament in einem Haus und mit heiligen Gefäßen gefeiert werden soll?
Quaestio 83 · Vom Ritus dieses Sakramentes
Einwand 1: Es scheint, dass dieses Sakrament nicht in einem Haus und mit heiligen Gefäßen gefeiert werden soll. Denn dieses Sakrament ist eine Repräsentation des Leidens unseres Herrn. Christus aber litt nicht in einem Haus, sondern außerhalb des Stadttors, gemäß Hebr 13,12: „Jesus, damit er das Volk durch sein eigenes Blut heilige, hat außerhalb des Tores gelitten.“ Daher scheint es, dass dieses Sakrament nicht in einem Haus, sondern eher unter freiem Himmel gefeiert werden sollte.
Einwand 2: Ferner sollte die Kirche bei der Feier dieses Sakramentes den Brauch Christi und der Apostel nachahmen. Das Haus aber, in dem Christus dieses Sakrament zuerst wirkte, war nicht geweiht, sondern lediglich ein gewöhnlicher Speisesaal, der vom Hausherrn vorbereitet worden war, wie in Lk 22,11.12 berichtet wird. Zudem lesen wir (Apg 2,46), dass „die Apostel täglich einmütig im Tempel verharrten; und indem sie das Brot von Haus zu Haus brachen, nahmen sie ihre Speise mit Fröhlichkeit.“ Folglich besteht keine Notwendigkeit, dass Häuser, in denen dieses Sakrament gefeiert wird, geweiht sind.
Einwand 3: Ferner sollte in der Kirche, die vom Heiligen Geist geleitet wird, nichts getan werden, was zwecklos ist. Es scheint aber nutzlos, eine Kirche oder einen Altar oder dergleichen unbelebte Dinge zu weihen, da sie nicht fähig sind, Gnade oder geistliche Kraft zu empfangen. Daher ist es unziemlich, dass solche Weihen in der Kirche vollzogen werden.
Einwand 4: Ferner sollten nur göttliche Werke mit Feierlichkeit ins Gedächtnis gerufen werden, gemäß Ps 91,5: „Ich werde jubeln über die Werke deiner Hände.“ Nun ist die Weihe einer Kirche oder eines Altars das Werk eines Menschen; ebenso wie die Weihe des Kelches und der Diener und anderer solcher Dinge. Aber diese letzteren Weihen werden in der Kirche nicht gefeiert. Daher sollte auch die Weihe einer Kirche oder eines Altars nicht mit Feierlichkeit begangen werden.
Einwand 5: Ferner sollte die Wahrheit mit dem Vorbild übereinstimmen. Im Alten Testament aber, das ein Vorbild des Neuen war, war der Altar nicht aus behauenen Steinen gemacht: denn es steht geschrieben (Ex 20,24): „Einen Altar aus Erde sollst du mir machen ... und wenn du mir einen Altar aus Steinen machst, sollst du ihn nicht aus behauenen Steinen bauen.“ Wiederum wird befohlen, den Altar aus „Akazienholz“ zu machen, überzogen „mit Erz“ (Ex 27,1.2) oder „mit Gold“ (Ex 25). Folglich scheint es unpassend für die Kirche, ausschließlich Altäre aus Stein zu verwenden.
Einwand 6: Ferner repräsentiert der Kelch mit der Patene das Grab Christi, das „in einen Felsen gehauen“ war, wie in den Evangelien erzählt wird. Folglich sollte der Kelch aus Stein sein und nicht aus Gold oder Silber oder Zinn.
Einwand 7: Ferner, so wie Gold das kostbarste unter den Materialien der Altargefäße ist, so sind Tücher aus Seide die kostbarsten unter anderen Tüchern. Folglich, da der Kelch aus Gold ist, sollten die Altartücher aus Seide und nicht aus Leinen gemacht sein.
Einwand 8: Ferner gehören die Spendung und Ordnung der Sakramente den Dienern der Kirche, so wie die Ordnung der weltlichen Angelegenheiten der Herrschaft der weltlichen Fürsten unterliegt; daher sagt der Apostel (1 Kor 4,1): „Dafür halte uns jedermann: für Diener Christi und Verwalter der Geheimnisse Gottes.“ Wenn aber etwas gegen die Anordnungen der Fürsten getan wird, gilt es als nichtig. Wenn also die verschiedenen oben genannten Dinge von den Prälaten der Kirche angemessenerweise befohlen werden, scheint es zu folgen, dass der Leib Christi nicht konsekriert werden könnte, wenn sie nicht beachtet würden; und so scheint daraus zu folgen, dass die Worte Christi für sich allein nicht ausreichen, um dieses Sakrament zu konsekrieren: was der Tatsache widerspricht. Folglich scheint es nicht passend, dass solche Anordnungen bezüglich der Feier dieses Sakramentes getroffen werden.
Dagegen spricht: Die Anordnungen der Kirche sind Christi eigene Anordnungen; da er sagte (Mt 18,20): „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“
Ich antworte darauf, Es gibt zwei Dinge, die bezüglich der Ausstattung dieses Sakramentes zu betrachten sind: eines davon gehört zur Repräsentation der Ereignisse, die mit dem Leiden unseres Herrn verbunden sind; während das andere mit der Ehrfurcht verbunden ist, die dem Sakrament gebührt, in dem Christus wahrhaftig und nicht nur im Bilde enthalten ist.
Daher weihen wir jene Dinge, die wir bei diesem Sakrament gebrauchen; sowohl um unsere Ehrfurcht vor dem Sakrament zu zeigen, als auch um die Heiligkeit zu repräsentieren, die die Wirkung des Leidens Christi ist, gemäß Hebr 13,12: „Jesus, damit er das Volk durch sein eigenes Blut heilige“, usw.
Antwort auf Einwand 1: Dieses Sakrament sollte in der Regel in einem Haus gefeiert werden, wodurch die Kirche bezeichnet wird, gemäß 1 Tim 3,15: „Damit du weißt, wie du dich verhalten sollst im Hause Gottes, welches ist die Kirche des lebendigen Gottes.“ Denn „außerhalb der Kirche gibt es keinen Ort für das wahre Opfer“, wie Augustinus sagt (Liber Sentent. Prosp. xv). Und weil die Kirche nicht auf die Gebiete des jüdischen Volkes beschränkt sein sollte, sondern auf der ganzen Welt errichtet werden sollte, wurde das Leiden Christi nicht innerhalb der Stadt der Juden gefeiert, sondern auf freiem Feld, damit so die ganze Welt als Haus für das Leiden Christi dienen möge. Dennoch, wie in De Consecr., dist. 1 gesagt wird, „wenn keine Kirche zur Hand ist, erlauben wir Reisenden, die Messe unter freiem Himmel oder in einem Zelt zu feiern, wenn ein geweihter Altartisch zur Hand ist und die anderen Erfordernisse, die zur heiligen Handlung gehören.“
Antwort auf Einwand 2: Das Haus, in dem dieses Sakrament gefeiert wird, bezeichnet die Kirche und wird Kirche genannt; und so wird es passenderweise geweiht, sowohl um die Heiligkeit zu repräsentieren, die die Kirche durch das Leiden erworben hat, als auch um die Heiligkeit zu bezeichnen, die von denen gefordert wird, die dieses Sakrament empfangen sollen. Durch den Altar wird Christus selbst bezeichnet, von dem der Apostel sagt (Hebr 13,15): „Durch Ihn bringen wir Gott ein Opfer des Lobes dar.“ Daher bezeichnet die Weihe des Altars die Heiligkeit Christi, von der gesagt wurde (Lk 1,35): „Das Heilige, das aus dir geboren wird, wird Sohn Gottes genannt werden.“ Daher lesen wir in De Consecr., dist. 1: „Es hat gefallen, dass die Altäre nicht nur mit der Salbung des Chrisams, sondern ebenso mit dem priesterlichen Segen geweiht werden.“
Und deshalb ist es in der Regel nicht erlaubt, dieses Sakrament außer in einem geweihten Haus zu feiern. Daher ist verordnet (De Consecr., dist. 1): „Kein Priester maße sich an, die Messe zu lesen, außer an Orten, die vom Bischof geweiht sind.“ Und ferner, weil Heiden und andere Ungläubige keine Glieder der Kirche sind, lesen wir (De Consecr., dist. 1): „Es ist nicht erlaubt, eine Kirche zu segnen, in der die Leichen von Ungläubigen begraben sind, aber wenn sie zur Weihe geeignet erscheint, dann soll sie, nachdem die Leichen entfernt und die Wände oder Balken abgerissen wurden, wiederaufgebaut werden. Wenn sie jedoch bereits geweiht wurde und Gläubige darin liegen, ist es erlaubt, darin die Messe zu feiern.“ Dennoch kann dieses Sakrament im Notfall in Häusern vollzogen werden, die nicht geweiht wurden oder die entweiht wurden; aber mit Zustimmung des Bischofs. Daher lesen wir in derselben Distinktion: „Wir halten dafür, dass Messen nicht überall gefeiert werden sollen, sondern an Orten, die vom Bischof geweiht sind, oder wo er die Erlaubnis gibt.“ Aber nicht ohne einen vom Bischof geweihten Tragaltar: daher lesen wir in derselben Distinktion: „Wir erlauben, dass, wenn die Kirchen verwüstet oder verbrannt sind, Messen in Kapellen mit einem geweihten Altar gefeiert werden dürfen.“ Denn weil die Heiligkeit Christi die Quelle aller Heiligkeit der Kirche ist, genügt im Notfall ein geweihter Altar zur Vollziehung dieses Sakramentes. Und aus diesem Grund wird eine Kirche niemals ohne die Weihe des Altars geweiht. Doch manchmal wird ein Altar getrennt von der Kirche geweiht, mit den Reliquien der Heiligen, „deren Leben mit Christus in Gott verborgen ist“ (Kol 3,3). Dementsprechend lesen wir unter derselben Distinktion: „Es ist unser Wille, dass Altäre, in denen keine Reliquien von Heiligen eingeschlossen gefunden werden, wenn möglich von den Bischöfen, die solchen Orten vorstehen, niedergerissen werden.“
Antwort auf Einwand 3: Die Kirche, der Altar und andere dergleichen unbelebte Dinge werden geweiht, nicht weil sie fähig sind, Gnade zu empfangen, sondern weil sie durch die Weihe eine besondere geistliche Kraft erlangen, wodurch sie für den göttlichen Gottesdienst geeignet gemacht werden, so dass der Mensch daraus Andacht schöpft, was ihn geeigneter für göttliche Handlungen macht, es sei denn, dies wird durch Mangel an Ehrfurcht gehindert. Daher steht geschrieben (2 Makk 3,38): „Es ist zweifellos an jenem Ort eine gewisse Kraft Gottes; denn Er, der seine Wohnung im Himmel hat, ist der Besucher und der Beschützer jenes Ortes.“
Daher kommt es, dass solche Orte gereinigt und exorziert werden, bevor sie geweiht werden, damit die Macht des Feindes vertrieben werde. Und aus demselben Grund werden Kirchen, die durch Blutvergießen oder Samenfluss befleckt sind, ausgesöhnt: weil irgendeine Machenschaft des Feindes aufgrund der dort begangenen Sünde offensichtlich ist. Und aus diesem Grund lesen wir in derselben Distinktion: „Wo immer ihr Kirchen der Arianer findet, weiht sie ohne Verzögerung als katholische Kirchen mittels frommer Gebete und Riten.“ Daher kommt es auch, dass einige mit Wahrscheinlichkeit sagen, dass man durch das Betreten einer geweihten Kirche Vergebung der lässlichen Sünden erlangt, so wie man es durch das Besprengen mit Weihwasser tut; unter Berufung auf die Worte von Ps 84,2.3: „Herr, du hast dein Land gesegnet ... Du hast vergeben die Missetat deines Volkes.“ Und deshalb wird infolge der durch die Weihe einer Kirche erworbenen Kraft die Weihe niemals wiederholt. Dementsprechend finden wir in derselben Distinktion die folgenden Worte aus dem Konzil von Nicäa zitiert: „Kirchen, die einmal geweiht wurden, dürfen nicht wieder geweiht werden, außer sie seien durch Feuer verwüstet oder durch Blutvergießen oder den Samen von irgendjemandem befleckt; denn so wie ein Kind, das einmal im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes getauft wurde, nicht wieder getauft werden soll, so soll auch ein Ort, der einmal Gott geweiht wurde, nicht wieder geweiht werden, außer aufgrund der oben genannten Ursachen; vorausgesetzt, dass die Weihenden den Glauben an die Heilige Dreifaltigkeit hielten“: tatsächlich können jene außerhalb der Kirche nicht weihen. Aber, wie wir in derselben Distinktion lesen: „Kirchen oder Altäre von zweifelhafter Weihe sind neu zu weihen.“
Und da sie durch ihre Weihe eine besondere geistliche Kraft erlangen, finden wir in derselben Distinktion festgelegt, dass „die Balken einer geweihten Kirche für keinen anderen Zweck verwendet werden sollen, außer es sei für eine andere Kirche, oder sonst sollen sie verbrannt oder zum Gebrauch der Brüder in einem Kloster gegeben werden: aber auf keinen Fall sollen sie für Werke der Laien ausgesondert werden.“ Wir lesen dort auch, dass „die Altarbedeckung, der Stuhl, die Leuchter und der Schleier verbrannt werden sollen, wenn sie abgenutzt sind; und ihre Asche soll in das Baptisterium oder in die Wände getan oder in die Gräben unter den Bodenplatten geworfen werden, damit sie nicht durch die Füße der Eintretenden befleckt werde.“
Antwort auf Einwand 4: Da die Weihe des Altars die Heiligkeit Christi bezeichnet und die Weihe eines Hauses die Heiligkeit der gesamten Kirche, wird die Weihe einer Kirche oder eines Altars passenderweise ins Gedächtnis gerufen. Und aus diesem Grund wird die Feierlichkeit einer Kirchweih acht Tage lang begangen, um die glückliche Auferstehung Christi und der Glieder der Kirche zu bezeichnen. Auch ist die Weihe einer Kirche oder eines Altars nicht nur Menschenwerk, da sie eine geistliche Kraft hat. Daher heißt es in derselben Distinktion (De Consecr.): „Die Feierlichkeiten der Kirchweihe sind jedes Jahr feierlich zu begehen: und dass Einweihungen acht Tage lang gehalten werden sollen, findet ihr im dritten Buch der Könige“ (8,66).
Antwort auf Einwand 5: Wie wir in De Consecr., dist. 1 lesen, „sollen Altäre, wenn sie nicht aus Stein sind, nicht mit der Salbung des Chrisams geweiht werden.“ Und dies steht im Einklang mit der Bedeutung dieses Sakramentes; sowohl weil der Altar Christus bezeichnet, denn in 1 Kor 10,4 steht geschrieben: „Der Fels aber war Christus“: als auch weil der Leib Christi in ein steingehauenes Grab gelegt wurde. Dies steht auch im Einklang mit dem Gebrauch des Sakramentes. Weil Stein fest ist und überall gefunden werden kann. Was im alten Gesetz nicht notwendig war, als der Altar an einem Ort gemacht wurde. Was das Gebot betrifft, den Altar aus Erde oder aus unbehauenen Steinen zu machen, so wurde dies gegeben, um Götzendienst zu entfernen.
Antwort auf Einwand 6: Wie in derselben Distinktion festgelegt ist, „gebrauchten die Priester früher keine goldenen, sondern hölzerne Kelche; aber Papst Zephyrinus ordnete an, die Messe mit gläsernen Patenen zu lesen; und später ließ Papst Urban alles aus Silber machen.“ Danach wurde entschieden, dass „der Kelch des Herrn mit der Patene ganz aus Gold oder aus Silber oder zumindest aus Zinn gemacht sein sollte. Aber er darf nicht aus Messing oder Kupfer gemacht sein, weil die Einwirkung des Weines darauf Grünspan erzeugt und Erbrechen hervorruft. Aber niemand soll sich anmaßen, die Messe mit einem Kelch aus Holz oder aus Glas zu singen“, weil, da das Holz porös ist, das konsekrierte Blut darin bleiben würde; während Glas zerbrechlich ist und die Gefahr des Zerbrechens entstehen könnte; und dasselbe gilt für Stein. Folglich wurde aus Ehrfurcht vor dem Sakrament verordnet, dass der Kelch aus den genannten Materialien gemacht sein sollte.
Antwort auf Einwand 7: Wo es ohne Gefahr geschehen konnte, ordnete die Kirche an, dass jenes Ding verwendet werden sollte, das das Leiden Christi ausdrücklicher repräsentiert. Aber es bestand nicht so viel Gefahr bezüglich des Leibes, der auf das Korporale gelegt wird, wie beim Blut, das im Kelch enthalten ist. Und folglich, obwohl der Kelch nicht aus Stein gemacht ist, ist das Korporale doch aus Leinen gemacht, da der Leib Christi darin eingewickelt war. Daher lesen wir in einem Brief von Papst Silvester, der in derselben Distinktion zitiert wird: „Durch einen einstimmigen Beschluss befehlen wir, dass niemand sich anmaßen soll, das Opfer des Altars auf einem Tuch aus Seide oder gefärbtem Stoff zu feiern, sondern auf Leinen, das vom Bischof geweiht ist; wie der Leib Christi in ein reines leinenes Grabtuch begraben wurde.“ Zudem ist Leinenmaterial angemessen, wegen seiner Reinheit, um die Reinheit des Gewissens zu bezeichnen, und wegen der vielfältigen Arbeit, mit der es bereitet wird, um das Leiden Christi zu bezeichnen.
Antwort auf Einwand 8: Die Spendung der Sakramente gehört den Dienern der Kirche; aber ihre Konsekration ist von Gott selbst. Folglich können die Diener der Kirche keine Anordnungen bezüglich der Form der Konsekration und der Art der Feier treffen. Und deshalb, wenn der Priester die Worte der Wandlung über die richtige Materie mit der Absicht zu konsekrieren spricht, dann konsekriert er den Leib Christi in aller Wahrheit, auch ohne jedes der oben genannten Dinge – nämlich ohne Haus und Altar, geweihten Kelch und Korporale und die anderen von der Kirche eingesetzten Dinge; doch macht er sich einer schweren Sünde schuldig, indem er dem Ritus der Kirche nicht folgt.