III, q. 78 a. 6
Ob die Form der Konsekration des Brotes ihre Wirkung vollendet, bevor die Form der Konsekration des Weines abgeschlossen ist?
Quaestio 78 · Von der Form dieses Sakramentes
Einwand 1: Es scheint, dass die Form der Konsekration des Brotes ihre Wirkung nicht vollendet, bis die Form für die Konsekration des Weines abgeschlossen ist. Denn wie Christi Leib durch die Konsekration des Brotes beginnt, in diesem Sakrament zu sein, so kommt sein Blut durch die Konsekration des Weines dort hin. Wenn also die Worte zur Konsekration des Brotes ihre Wirkung vor der Konsekration des Weines hervorbrächten, würde folgen, dass Christi Leib in diesem Sakrament ohne das Blut gegenwärtig wäre, was unpassend ist.
Einwand 2: Ferner hat ein Sakrament eine Vollendung: daher bringt, obwohl es drei Eintauchungen bei der Taufe gibt, die erste Eintauchung ihre Wirkung nicht hervor, bis die dritte abgeschlossen ist. Aber dieses ganze Sakrament ist eines, wie oben dargelegt (Quaestio 73, Artikel 2). Daher bringen die Worte, durch die das Brot konsekriert wird, ihre Wirkung nicht ohne die sakramentalen Worte hervor, durch die der Wein konsekriert wird.
Einwand 3: Ferner gibt es mehrere Worte in der Form zur Konsekration des Brotes, von denen die ersten ihre Wirkung nicht sichern, bis die letzten geäußert sind, wie oben dargelegt (Artikel 4, ad 3). Daher bringen aus demselben Grund auch die Worte für die Konsekration von Christi Leib ihre Wirkung nicht hervor, bis die Worte zur Konsekration von Christi Blut gesprochen sind.
Dagegen spricht, dass, sobald die Worte zur Konsekration des Brotes geäußert sind, die konsekrierte Hostie dem Volk zur Anbetung gezeigt wird, was nicht getan würde, wenn Christi Leib nicht dort wäre, denn das wäre ein Akt des Götzendienstes. Daher bringen die konsekrierenden Worte des Brotes ihre Wirkung hervor, bevor die Worte zur Konsekration des Weines gesprochen werden.
Ich antworte darauf, dass einige der früheren Lehrer sagten, dass diese zwei Formen, nämlich für die Konsekration des Brotes und des Weines, aufeinander warten, so dass die erste ihre Wirkung nicht hervorbringt, bis die zweite geäußert ist.
Aber dies kann nicht bestehen, weil, wie oben dargelegt (Artikel 5, ad 3), für die Wahrheit dieses Satzes »Das ist mein Leib«, worin das Verb in der Gegenwartsform steht, erforderlich ist, dass das bezeichnete Ding gleichzeitig in der Zeit mit der Bezeichnung des verwendeten Ausdrucks gegenwärtig ist; andernfalls, wenn auf das bezeichnete Ding für später gewartet werden müsste, würde ein Verb der Zukunftsform verwendet werden und nicht eines der Gegenwartsform, so dass wir nicht sagen sollten: »Das ist mein Leib«, sondern »Das wird mein Leib sein.« Aber die Bezeichnung dieser Rede ist vollständig, sobald jene Worte gesprochen sind. Und deshalb muss das bezeichnete Ding augenblicklich gegenwärtig sein, und solches ist die Wirkung dieses Sakramentes; andernfalls wäre es keine wahre Rede. Überdies ist diese Meinung gegen den Ritus der Kirche, welche den Leib Christi sogleich anbetet, nachdem die Worte geäußert sind.
Daher muss gesagt werden, dass die erste Form in ihrer Handlung nicht auf die zweite wartet, sondern ihre Wirkung im Augenblick hat.
Antwort auf Einwand 1: Aus diesem Grund scheinen jene geirrt zu haben, die die obige Meinung vertraten. Daher muss verstanden werden, dass, sobald die Konsekration des Brotes vollständig ist, der Leib Christi tatsächlich durch die Kraft des Sakramentes gegenwärtig ist und das Blut durch reale Konkomitanz; aber danach durch die Konsekration des Weines ist umgekehrt das Blut Christi durch die Kraft des Sakramentes dort und der Leib durch reale Konkomitanz, so dass der ganze Christus unter jeder der beiden Gestalten ist, wie oben dargelegt (Quaestio 76, Artikel 2).
Antwort auf Einwand 2: Dieses Sakrament ist eines in der Vollkommenheit, wie oben dargelegt (Quaestio 73, Artikel 2), nämlich insofern es aus zwei Dingen besteht, das heißt aus Speise und Trank, von denen jedes für sich seine eigene Vollkommenheit hat; aber die drei Eintauchungen der Taufe sind auf eine einfache Wirkung hingeordnet, und deshalb gibt es keine Ähnlichkeit.
Antwort auf Einwand 3: Die verschiedenen Worte in der Form zur Konsekration des Brotes konstituieren die Wahrheit einer Rede, aber die Worte der verschiedenen Formen tun dies nicht, und folglich gibt es keine Parallele.