III, q. 78 a. 1
Ob dies die Form dieses Sakramentes ist: »Das ist mein Leib« und »Das ist der Kelch meines Blutes«?
Quaestio 78 · Von der Form dieses Sakramentes
Einwand 1: Es scheint, dass dies nicht die Form dieses Sakramentes ist: »Das ist mein Leib« und »Das ist der Kelch meines Blutes«. Denn jene Worte scheinen zur Form dieses Sakramentes zu gehören, mit denen Christus seinen Leib und sein Blut konsekrierte. Christus aber segnete zuerst das Brot, das er nahm, und sagte danach: »Nehmet und esset; das ist mein Leib« (Mt 26,26). Daher scheint all dies zur Form dieses Sakramentes zu gehören; und der gleiche Grund gilt für die Worte, die zur Konsekration des Blutes gehören.
Einwand 2: Ferner sagt Eusebius Emissenus (Pseudo-Hieronymus: Ep. xxix; Pseudo-Isidor: Hom. iv): »Der unsichtbare Priester verwandelt durch seine geheime Macht die sichtbaren Geschöpfe in die Substanz seines Leibes und Blutes, indem er sagt: ›Nehmet und esset, das ist mein Leib.‹« Daher scheint all dies zur Form dieses Sakramentes zu gehören; und dasselbe gilt für die Worte, die sich auf das Blut beziehen.
Einwand 3: Ferner werden in der Form der Taufe sowohl der Spender als auch seine Handlung ausgedrückt, wenn gesagt wird: »Ich taufe dich.« In den oben genannten Worten aber geschieht weder eine Erwähnung des Spenders noch seiner Handlung. Daher ist die Form des Sakramentes keine angemessene.
Einwand 4: Ferner genügt die Form des Sakramentes für dessen Vollendung; daher kann das Sakrament der Taufe manchmal vollzogen werden, indem man nur die Worte der Form ausspricht und alle anderen weglässt. Wenn also die vorgenannten Worte die Form dieses Sakramentes wären, so schiene es, als könne dieses Sakrament manchmal vollzogen werden, indem man allein jene Worte äußert und alle anderen weglässt, die in der Messe gesprochen werden; dies scheint jedoch falsch zu sein, denn würden die anderen Worte übergangen, so würden die besagten Worte so aufgefasst, als würden sie in der Person des Priesters gesprochen, der sie sagt, wohingegen Brot und Wein nicht in dessen Leib und Blut verwandelt werden. Folglich sind die vorgenannten Worte nicht die Form dieses Sakramentes.
Dagegen spricht, dass Ambrosius sagt (De Sacram. iv): »Die Konsekration geschieht durch die Worte und Reden des Herrn Jesus. Denn durch alle übrigen Worte, die gesprochen werden, wird Gott Lob dargebracht, wird gebetet für das Volk, für die Könige und andere; wenn aber die Zeit kommt, das Sakrament zu vollenden, bedient sich der Priester nicht mehr seiner eigenen Worte, sondern der Worte Christi. Also vollenden die Worte Christi dieses Sakrament.«
Ich antworte darauf, dass sich dieses Sakrament von den anderen Sakramenten in zweifacher Hinsicht unterscheidet. Erstens darin, dass dieses Sakrament durch die Konsekration der Materie vollzogen wird, während die übrigen im Gebrauch der konsekrierten Materie vollendet werden. Zweitens, weil in den anderen Sakramenten die Konsekration der Materie nur in einer Segnung besteht, durch welche die geweihte Materie instrumental eine geistliche Kraft empfängt, die durch den Priester, der ein beseeltes Werkzeug ist, auf unbeseelte Werkzeuge übergehen kann. In diesem Sakrament aber besteht die Konsekration der Materie in der wunderbaren Verwandlung der Substanz, welche nur durch Gott geschehen kann; daher hat der Spender beim Vollzug dieses Sakramentes keine andere Handlung als das Aussprechen der Worte. Und weil die Form der Sache entsprechen muss, unterscheidet sich daher die Form dieses Sakramentes von den Formen der anderen Sakramente in zweifacher Hinsicht. Erstens, weil die Form der anderen Sakramente den Gebrauch der Materie impliziert, wie zum Beispiel das Taufen oder das Bezeichnen; die Form dieses Sakramentes aber impliziert lediglich die Konsekration der Materie, welche in der Transubstantiation besteht, wie wenn gesagt wird: »Das ist mein Leib« oder »Das ist der Kelch meines Blutes«. Zweitens, weil die Formen der anderen Sakramente in der Person des Spenders ausgesprochen werden, sei es im Sinne der Ausübung einer Handlung, wie wenn gesagt wird: »Ich taufe dich« oder »Ich firme dich« usw.; oder im Sinne eines Befehls, wie wenn im Sakrament der Weihe gesagt wird: »Empfange die Gewalt« usw.; oder im Sinne einer Bitte, wie wenn im Sakrament der Letzten Ölung gesagt wird: »Durch diese Salbung und unsere Fürbitte« usw. Die Form dieses Sakramentes aber wird so ausgesprochen, als ob Christus in eigener Person spräche, so dass zu verstehen gegeben wird, dass der Spender bei der Vollendung dieses Sakramentes nichts tut, außer die Worte Christi auszusprechen.
Antwort auf Einwand 1: Es gibt viele Meinungen zu dieser Sache. Einige haben gesagt, dass Christus, der in den Sakramenten die Macht der Vorzüglichkeit besaß, dieses Sakrament ohne Gebrauch irgendeiner Wortform vollzog und dass er danach die Worte aussprach, unter denen andere später konsekrieren sollten. Und die Worte von Papst Innozenz III. scheinen denselben Sinn zu vermitteln (De Sacr. Alt. Myst. iv), wo er sagt: »Wahrlich kann gesagt werden, dass Christus dieses Sakrament durch seine göttliche Macht vollzog und anschließend die Form ausdrückte, unter der die Nachfolgenden konsekrieren sollten.« Aber im Gegensatz zu dieser Ansicht stehen die Worte des Evangeliums, in denen gesagt wird, dass Christus »segnete«, und diese Segnung wurde durch gewisse Worte bewirkt. Dementsprechend sind jene Worte von Innozenz eher als Ausdruck einer Meinung zu betrachten, denn als Entscheidung des Punktes.
Andere wiederum haben gesagt, dass die Segnung durch andere, uns nicht bekannte Worte bewirkt wurde. Aber diese Aussage kann nicht bestehen, weil die Segnung der Konsekration jetzt vollzogen wird, indem man die Dinge rezitiert, die damals vollbracht wurden; wenn also die Konsekration damals nicht durch diese Worte vollzogen wurde, würde sie es auch jetzt nicht.
Dementsprechend haben andere behauptet, dass diese Segnung durch dieselben Worte bewirkt wurde, die auch jetzt verwendet werden; dass Christus sie aber zweimal sprach, zuerst im Geheimen, um zu konsekrieren, und danach offen, um andere zu unterweisen. Aber auch dies ist nicht stichhaltig, weil der Priester bei der Konsekration diese Worte nicht als im Geheimen gesprochen verwendet, sondern als offen ausgesprochen. Da also diese Worte keine Kraft haben außer von Christus, der sie ausspricht, scheint es, dass auch Christus konsekrierte, indem er sie offen aussprach.
Und deshalb sagten andere, dass die Evangelisten in ihrer Erzählung nicht immer genau der Ordnung folgten, in der die Dinge tatsächlich geschahen, wie bei Augustinus zu sehen ist (De Consens. Evang. ii). Daher ist zu verstehen, dass die Reihenfolge dessen, was geschah, so ausgedrückt werden kann: »Er nahm das Brot, segnete es und sprach: Das ist mein Leib, und dann brach er es und gab es seinen Jüngern.« Aber derselbe Sinn kann auch ohne Änderung der Worte des Evangeliums gewonnen werden; denn das Partizip »sagend« impliziert die Abfolge der geäußerten Worte mit dem, was vorausgeht. Und es ist nicht notwendig, dass die Abfolge nur in Bezug auf das letzte gesprochene Wort verstanden wird, als ob Christus gerade dann jene Worte ausgesprochen hätte, als er es seinen Jüngern gab; sondern die Abfolge kann in Bezug auf alles verstanden werden, was vorausgegangen war; so dass der Sinn ist: »Während er segnete und brach und es seinen Jüngern gab, sprach er die Worte: ›Nehmet‹« usw.
Antwort auf Einwand 2: In diesen Worten »Nehmet und esset« wird der Gebrauch der konsekrierten Materie angezeigt, welcher nicht zur Notwendigkeit dieses Sakramentes gehört, wie oben dargelegt (Quaestio 74, Artikel 7). Und deshalb gehören nicht einmal diese Worte zur Substanz der Form. Dennoch, weil der Gebrauch der konsekrierten Materie zu einer gewissen Vollkommenheit des Sakramentes gehört, in derselben Weise wie die Wirkung nicht die erste, sondern die zweite Vollkommenheit eines Dinges ist, wird folglich die ganze Vollkommenheit dieses Sakramentes durch all jene Worte ausgedrückt: und auf diese Weise verstand Eusebius, dass das Sakrament durch jene Worte vollzogen wurde, was seine erste und zweite Vollkommenheit betrifft.
Antwort auf Einwand 3: Im Sakrament der Taufe übt der Spender eine Handlung bezüglich des Gebrauchs der Materie aus, was zum Wesen des Sakramentes gehört: dies ist in diesem Sakrament nicht der Fall; daher gibt es keine Parallele.
Antwort auf Einwand 4: Einige haben behauptet, dass dieses Sakrament nicht vollzogen werden kann, indem man die vorgenannten Worte äußert und den Rest weglässt, besonders die Worte im Kanon der Messe. Dass dies aber falsch ist, kann sowohl aus den oben zitierten Worten des Ambrosius ersehen werden, als auch aus der Tatsache, dass der Kanon der Messe nicht an allen Orten oder zu allen Zeiten derselbe ist, sondern verschiedene Teile von verschiedenen Leuten eingeführt wurden.
Dementsprechend muss festgehalten werden, dass, wenn der Priester nur die vorgenannten Worte mit der Absicht aussprechen würde, dieses Sakrament zu konsekrieren, dieses Sakrament gültig wäre, weil die Absicht bewirken würde, dass diese Worte so verstanden werden, als würden sie in der Person Christi gesprochen, auch wenn die Worte ohne jene ausgesprochen würden, die vorausgehen. Der Priester würde jedoch schwer sündigen, wenn er das Sakrament so konsekrierte, da er den Ritus der Kirche nicht einhalten würde. Auch beweist der Vergleich mit der Taufe nichts; denn sie ist ein Sakrament der Notwendigkeit: wohingegen das Fehlen dieses Sakramentes durch die geistliche Teilhabe daran ersetzt werden kann, wie Augustinus sagt (vgl. Quaestio 73, Artikel 3, ad 1).