III, q. 78 a. 2
Ob dies die eigentliche Form für die Konsekration des Brotes ist: »Das ist mein Leib«?
Quaestio 78 · Von der Form dieses Sakramentes
Einwand 1: Es scheint, dass dies nicht die eigentliche Form dieses Sakramentes ist: »Das ist mein Leib.« Denn die Wirkung eines Sakramentes sollte in seiner Form ausgedrückt werden. Die Wirkung der Konsekration des Brotes aber ist die Verwandlung der Substanz des Brotes in den Leib Christi, und dies wird besser durch das Wort »wird« ausgedrückt als durch »ist«. Daher sollten wir in der Form der Konsekration sagen: »Dies wird mein Leib.«
Einwand 2: Ferner sagt Ambrosius (De Sacram. iv): »Die Worte Christi konsekrieren dieses Sakrament. Welches Wort Christi? Jenes Wort, durch das alle Dinge gemacht sind. Der Herr befahl, und Himmel und Erde wurden gemacht.« Daher wäre es eine angemessenere Form dieses Sakramentes, wenn die Befehlsform verwendet würde, so dass man sagte: »Sei dies mein Leib.«
Einwand 3: Ferner ist das, was verwandelt wird, im Subjekt dieses Satzes impliziert, so wie das Ziel der Verwandlung im Prädikat impliziert ist. Aber so wie das, worin die Verwandlung geschieht, etwas Bestimmtes ist, denn die Verwandlung geschieht in nichts anderes als den Leib Christi, so ist auch das, was verwandelt wird, bestimmt, da nur Brot in den Leib Christi verwandelt wird. Daher sollte, wie ein Substantiv auf Seiten des Prädikats eingefügt ist, auch ein Substantiv in das Subjekt eingefügt werden, so dass gesagt wird: »Dieses Brot ist mein Leib.«
Einwand 4: Ferner, so wie das Ziel der Verwandlung der Natur nach bestimmt ist, weil es ein Leib ist, so ist es auch in der Person bestimmt. Folglich sollte, um die Person zu bestimmen, gesagt werden: »Dies ist der Leib Christi.«
Einwand 5: Ferner sollte nichts in die Form eingefügt werden, außer was wesentlich für sie ist. Folglich ist die Konjunktion »denn« (enim) in einigen Büchern unpassend hinzugefügt, da sie nicht zur Substanz der Form gehört.
Dagegen spricht, dass unser Herr diese Form beim Konsekrieren verwendete, wie aus Mt 26,26 ersichtlich ist.
Ich antworte darauf, dass dies die eigentliche Form für die Konsekration des Brotes ist. Denn es wurde gesagt (Artikel 1), dass diese Konsekration in der Verwandlung der Substanz des Brotes in den Leib Christi besteht. Nun soll die Form eines Sakramentes bezeichnen, was im Sakrament geschieht. Folglich soll die Form für die Konsekration des Brotes die tatsächliche Verwandlung des Brotes in den Leib Christi bezeichnen. Und hierbei sind drei Dinge zu betrachten: nämlich die tatsächliche Verwandlung, der Ausgangspunkt (terminus a quo) und der Endpunkt (terminus ad quem).
Nun kann die Verwandlung auf zwei Arten betrachtet werden: erstens im »Werden«, zweitens im »Sein«. Aber die Verwandlung sollte in dieser Form nicht als im »Werden«, sondern als im »Sein« bezeichnet werden. Erstens, weil eine solche Verwandlung nicht sukzessiv ist, wie oben gesagt wurde (Quaestio 75, Artikel 7), sondern augenblicklich; und in solchen Veränderungen ist das »Werden« nichts anderes als das »Sein«. Zweitens, weil die sakramentalen Formen in derselben Beziehung zur Bezeichnung der sakramentalen Wirkung stehen wie künstliche Formen zur Darstellung der Wirkung der Kunst. Nun ist eine künstliche Form das Abbild der endgültigen Wirkung, auf die die Absicht des Künstlers gerichtet ist; so wie die Kunstform im Geist des Baumeisters hauptsächlich die Form des gebauten Hauses ist und sekundär die des Bauens. Dementsprechend sollte auch in dieser Form die Verwandlung als im »Sein« ausgedrückt werden, worauf sich die Absicht bezieht.
Und da die Verwandlung in dieser Form als im »Sein« ausgedrückt wird, ist es notwendig, dass die Extreme der Verwandlung so bezeichnet werden, wie sie in der Tatsache der Verwandlung existieren. Aber dann hat der Endpunkt (terminus ad quem) die eigentliche Natur seiner eigenen Substanz; wohingegen der Ausgangspunkt (terminus a quo) nicht in seiner eigenen Substanz verbleibt, sondern nur hinsichtlich der Akzidenzien, durch die er unter die Sinne fällt und in Bezug auf die Sinne bestimmt werden kann. Daher wird der Ausgangspunkt der Verwandlung passenderweise durch das Demonstrativpronomen ausgedrückt, bezogen auf die sinnlichen Akzidenzien, die fortdauern; der Endpunkt aber wird durch das Substantiv ausgedrückt, das die Natur des Dinges bezeichnet, welches die Verwandlung beendet, und dies ist der ganze Leib Christi und nicht bloß sein Fleisch; wie oben gesagt wurde (Quaestio 76, Artikel 1, ad 2). Daher ist diese Form höchst angemessen: »Das ist mein Leib.«
Antwort auf Einwand 1: Die letzte Wirkung dieser Verwandlung ist kein »Werden«, sondern ein »Sein«, wie oben dargelegt, und folglich sollte diesem in der Form Vorrang gegeben werden.
Antwort auf Einwand 2: Gottes Wort wirkte bei der Erschaffung der Dinge, und es ist dasselbe, welches in dieser Konsekration wirkt, doch jedes auf unterschiedliche Weise: denn hier wirkt es effektiv und sakramental, das heißt kraft seiner Bezeichnung. Und folglich muss die letzte Wirkung der Konsekration in diesem Satz durch ein Seinsverb (verbum substantivum) im Indikativ und in der Gegenwartsform bezeichnet werden. Aber bei der Erschaffung der Dinge wirkte es bloß effektiv, und solche Effizienz ist dem Befehl seiner Weisheit geschuldet; und deshalb wird bei der Erschaffung der Dinge das Wort des Herrn durch ein Verb in der Befehlsform ausgedrückt, wie in Gen 1,3: »Es werde Licht, und es ward Licht.«
Antwort auf Einwand 3: Der Ausgangspunkt behält im »Sein« der Verwandlung nicht die Natur seiner Substanz bei, wie es der Endpunkt tut. Daher gibt es keine Parallele.
Antwort auf Einwand 4: Das Pronomen »mein«, welches implizit auf die Hauptperson hinweist, d.h. die Person des Sprechers, zeigt die Person Christi hinreichend an, in dessen Person diese Worte geäußert werden, wie oben dargelegt (Artikel 1).
Antwort auf Einwand 5: Die Konjunktion »denn« (enim) ist in dieser Form gemäß dem Brauch der Römischen Kirche gesetzt, die sie vom Apostel Petrus übernahm; und dies wegen der Abfolge mit den vorangehenden Worten: und deshalb ist sie nicht Teil der Form, ebenso wenig wie die Worte, die der Form vorausgehen.