III, q. 78 a. 5
Ob die vorgenannten Ausdrücke wahr sind?
Quaestio 78 · Von der Form dieses Sakramentes
Einwand 1: Es scheint, dass die vorgenannten Ausdrücke nicht wahr sind. Denn wenn wir sagen: »Das ist mein Leib«, bezeichnet das Wort »das« eine Substanz. Aber gemäß dem, was oben gesagt wurde (Artikel 1, 4, ad 3; Quaestio 75, Artikel 2, 7), ist, wenn das Pronomen »das« gesprochen wird, die Substanz des Brotes noch da, weil die Transubstantiation im letzten Augenblick des Aussprechens der Worte stattfindet. Aber es ist falsch zu sagen: »Brot ist Christi Leib.« Folglich ist dieser Ausdruck »Das ist mein Leib« falsch.
Einwand 2: Ferner appelliert das Pronomen »das« an die Sinne. Aber die sinnlichen Gestalten in diesem Sakrament sind weder Christi Leib noch auch dessen Akzidenzien. Daher kann dieser Ausdruck »Das ist mein Leib« nicht wahr sein.
Einwand 3: Ferner bewirken diese Worte, wie oben bemerkt wurde (Artikel 4, ad 3), durch ihre Bezeichnung die Verwandlung des Brotes in den Leib Christi. Aber eine Wirkursache wird als ihrer Wirkung vorausgehend verstanden. Daher wird die Bedeutung dieser Worte als der Verwandlung des Brotes in den Leib Christi vorausgehend verstanden. Aber vor der Verwandlung ist dieser Ausdruck »Das ist mein Leib« falsch. Daher ist der Ausdruck als schlichtweg falsch zu beurteilen; und derselbe Grund gilt für den anderen Satz: »Das ist der Kelch meines Blutes« usw.
Dagegen spricht, dass diese Worte in der Person Christi ausgesprochen werden, der von sich selbst sagt (Joh 14,6): »Ich bin die Wahrheit.«
Ich antworte darauf, dass es zu diesem Punkt viele Meinungen gegeben hat. Einige haben gesagt, dass in diesem Ausdruck »Das ist mein Leib« das Wort »das« eine Demonstration als konzipiert impliziert, und nicht als ausgeübt, weil der ganze Satz materiell genommen wird, da er im Wege der Erzählung geäußert wird: denn der Priester berichtet, dass Christus sagte: »Das ist mein Leib.«
Aber eine solche Ansicht kann nicht bestehen, weil dann diese Worte nicht auf die anwesende körperliche Materie angewendet würden und folglich das Sakrament nicht gültig wäre: denn Augustinus sagt (Tract. lxxx in Joan.): »Das Wort tritt zum Element, und es wird ein Sakrament.« Überdies ignoriert diese Lösung gänzlich die Schwierigkeit, die diese Frage darstellt: denn es bleibt der Einwand in Bezug auf das erste Aussprechen dieser Worte durch Christus; da es offensichtlich ist, dass sie damals nicht materiell, sondern signifikativ verwendet wurden. Und deshalb muss gesagt werden, dass sie, auch wenn sie vom Priester gesprochen werden, signifikativ und nicht bloß materiell genommen werden. Auch macht es nichts aus, dass der Priester sie im Wege der Rezitation ausspricht, als ob sie von Christus gesprochen würden, denn aufgrund von Christi unendlicher Macht trat, so wie durch die Berührung mit seinem Fleisch die regenerative Kraft nicht nur in die Wasser eintrat, die mit Christus in Berührung kamen, sondern in alle Wasser auf der ganzen Welt und während aller zukünftigen Zeitalter, so gleichermaßen durch Christi Aussprechen dieser Worte deren konsekrierende Kraft in sie ein, von welchem Priester auch immer sie geäußert werden, als ob Christus gegenwärtig sie sagte.
Und deshalb haben andere gesagt, dass in diesem Satz das Wort »das« nicht an die Sinne appelliert, sondern an den Intellekt; so dass die Bedeutung ist: »Das ist mein Leib« – d.h. »Das durch ›das‹ Bezeichnete ist mein Leib.« Aber auch dies kann nicht bestehen, weil, da in den Sakramenten die Wirkung das ist, was bezeichnet wird, aus einer solchen Form nicht folgen würde, dass Christi Leib in voller Wahrheit in diesem Sakrament wäre, sondern lediglich wie in einem Zeichen, was häretisch ist, wie oben dargelegt (Quaestio 85, Artikel 1).
Folglich haben andere gesagt, dass das Wort »das« an die Sinne appelliert; nicht im genauen Augenblick seines Ausgesprochenwerdens, sondern lediglich im letzten Augenblick davon; wie wenn ein Mann sagt: »Jetzt schweige ich«, dieses Adverb »jetzt« auf den Augenblick hinweist, der unmittelbar der Rede folgt: weil der Sinn ist: »Sobald diese Worte gesprochen sind, schweige ich.« Aber auch dies kann nicht stichhaltig sein, weil in diesem Fall die Bedeutung des Satzes wäre: »Mein Leib ist mein Leib«, was der obige Satz nicht bewirkt, weil dies schon vor der Äußerung der Worte so war: daher bedeutet der vorgenannte Satz auch dies nicht.
Folglich bleibt also zu sagen, wie oben dargelegt (Artikel 4), dass dieser Satz die Kraft besitzt, die Verwandlung des Brotes in den Leib Christi zu bewirken. Und deshalb wird er mit anderen Sätzen verglichen, die nur die Kraft des Bezeichnens und nicht des Hervorbringens haben, wie das Konzept des praktischen Intellekts, welches das Ding hervorbringt, verglichen wird mit dem Konzept unseres spekulativen Intellekts, welches von den Dingen genommen ist; denn »Worte sind Zeichen von Begriffen«, wie der Philosoph sagt (Peri Herm. i). Und deshalb, wie das Konzept des praktischen Intellekts das verstandene Ding nicht voraussetzt, sondern es macht, so setzt die Wahrheit dieses Ausdrucks das bezeichnete Ding nicht voraus, sondern macht es; denn so ist das Verhältnis von Gottes Wort zu den durch das Wort gemachten Dingen. Nun findet diese Verwandlung nicht sukzessiv statt, sondern in einem Augenblick, wie oben dargelegt (Quaestio 77, Artikel 7). Folglich muss man den vorgenannten Ausdruck in Bezug auf den letzten Augenblick des Gesprochenwerdens der Worte verstehen, doch nicht so, dass das Subjekt so verstanden wird, dass es für das steht, was der Endpunkt der Verwandlung ist; nämlich dass der Leib Christi der Leib Christi ist; noch wiederum, dass das Subjekt so verstanden wird, dass es für das steht, was es vor der Verwandlung war, nämlich das Brot; sondern für das, was beiden gemeinsam zugeordnet ist, d.h. das, was allgemein unter jenen Gestalten enthalten ist. Denn diese Worte machen nicht, dass der Leib Christi der Leib Christi ist, noch machen sie, dass das Brot der Leib Christi ist; sondern was unter jenen Gestalten enthalten war und früher Brot war, machen sie zum Leib Christi. Und deshalb sagte unser Herr ausdrücklich nicht: »Dieses Brot ist mein Leib«, was die Bedeutung der zweiten Meinung wäre; noch »Dieser mein Leib ist mein Leib«, was die Bedeutung der dritten Meinung wäre: sondern allgemein: »Das ist mein Leib«, wobei er kein Substantiv auf Seiten des Subjekts zuwies, sondern nur ein Pronomen, welches Substanz im Allgemeinen bezeichnet, ohne Qualität, das heißt ohne eine bestimmte Form.
Antwort auf Einwand 1: Der Begriff »das« weist auf eine Substanz hin, jedoch ohne ihre eigentliche Natur zu bestimmen, wie oben dargelegt.
Antwort auf Einwand 2: Das Pronomen »das« zeigt nicht die Akzidenzien an, sondern die den Akzidenzien zugrundeliegende Substanz, welche zuerst Brot war und danach der Leib Christi ist, welcher Leib, obwohl nicht durch jene Akzidenzien informiert, doch unter ihnen enthalten ist.
Antwort auf Einwand 3: Die Bedeutung dieses Ausdrucks wird in der Ordnung der Natur vor dem bezeichneten Ding verstanden, so wie eine Ursache von Natur aus früher ist als die Wirkung; aber nicht in der Ordnung der Zeit, weil diese Ursache ihre Wirkung zur gleichen Zeit bei sich hat, und dies genügt für die Wahrheit des Ausdrucks.