III, q. 78 a. 4
Ob in den vorgenannten Worten der Formen irgendeine geschaffene Kraft ist, welche die Konsekration bewirkt?
Quaestio 78 · Von der Form dieses Sakramentes
Einwand 1: Es scheint, dass in den vorgenannten Worten der Formen keine geschaffene Kraft ist, welche die Konsekration bewirkt. Denn Damascenus sagt (De Fide Orth. iv): »Die Verwandlung des Brotes in den Leib Christi wird allein durch die Macht des Heiligen Geistes bewirkt.« Aber die Macht des Heiligen Geistes ist ungeschaffen. Daher wird dieses Sakrament nicht durch irgendeine geschaffene Kraft jener Worte bewirkt.
Einwand 2: Ferner werden Wunderwerke nicht durch irgendeine geschaffene Kraft gewirkt, sondern allein durch göttliche Macht, wie in der FP, Quaestio 110, Artikel 4 dargelegt wurde. Aber die Verwandlung von Brot und Wein in Christi Leib und Blut ist ein Werk, das nicht weniger wunderbar ist als die Erschaffung der Dinge oder als die Bildung des Leibes Christi im Schoß einer Jungfrau: welche Dinge durch keine geschaffene Kraft getan werden konnten. Daher wird auch dieses Sakrament nicht durch irgendeine geschaffene Kraft der vorgenannten Worte konsekriert.
Einwand 3: Ferner sind die vorgenannten Worte nicht einfach, sondern aus vielen zusammengesetzt; noch werden sie gleichzeitig, sondern nacheinander geäußert. Aber wie oben dargelegt (Quaestio 75, Artikel 7), wird diese Verwandlung augenblicklich gewirkt. Daher muss sie durch eine einfache Kraft geschehen. Also wird sie nicht durch die Kraft jener Worte bewirkt.
Dagegen spricht, dass Ambrosius sagt (De Sacram. iv): »Wenn eine solche Macht im Wort des Herrn Jesus liegt, dass Dinge, die nicht existierten, ins Dasein kamen, wie viel wirksamer ist es dann, Dinge, die existieren, fortdauern zu lassen und in etwas anderes zu verwandeln? Und so ist das, was vor der Konsekration Brot war, nun nach der Konsekration der Leib Christi, weil Christi Wort ein Geschöpf in etwas anderes verwandelt.«
Ich antworte darauf, dass einige behauptet haben, dass weder in den obigen Worten irgendeine geschaffene Kraft zur Bewirkung der Transubstantiation liegt, noch in den anderen Formen der Sakramente, oder sogar in den Sakramenten selbst, um die sakramentalen Wirkungen hervorzubringen. Dies steht, wie oben gezeigt wurde (Quaestio 62, Artikel 1), sowohl im Widerspruch zu den Lehren der Heiligen als auch schmälert es die Würde der Sakramente des Neuen Gesetzes. Da also dieses Sakrament von größerem Wert ist als die anderen, wie oben dargelegt (Quaestio 65, Artikel 3), folgt daraus, dass in den Worten der Form dieses Sakramentes eine geschaffene Kraft ist, welche die Verwandlung bewirkt, die in ihm geschieht: jedoch instrumental, wie in den anderen Sakramenten, wie oben dargelegt (Quaestio 62, Artikel 3, 4). Denn da diese Worte in der Person Christi geäußert werden, empfangen sie durch seinen Befehl ihre instrumentale Kraft von ihm, so wie seine anderen Taten und Aussagen ihre heilbringende Kraft instrumental ableiten, wie oben bemerkt wurde (Quaestio 48, Artikel 6; Quaestio 56, Artikel 1, ad 3).
Antwort auf Einwand 1: Wenn gesagt wird, dass das Brot allein durch die Macht des Heiligen Geistes in den Leib Christi verwandelt wird, so wird die instrumentale Kraft, die in der Form dieses Sakramentes liegt, nicht ausgeschlossen: so wie wir, wenn wir sagen, dass der Schmied allein ein Messer macht, nicht die Kraft des Hammers leugnen.
Antwort auf Einwand 2: Kein Geschöpf kann Wunder als Hauptursache wirken, doch kann es dies instrumental tun, so wie die Berührung von Christi Hand den Aussätzigen heilte. Und auf diese Weise verwandeln Christi Worte das Brot in seinen Leib. Aber bei der Empfängnis Christi, wodurch sein Leib gebildet wurde, war es unmöglich, dass irgendetwas, das von seinem Leib abgeleitet war, die instrumentale Kraft hatte, eben diesen Leib zu bilden. Ebenso gab es bei der Schöpfung keinen Endpunkt, worin die instrumentale Handlung eines Geschöpfes empfangen werden konnte. Folglich gibt es keinen Vergleich.
Antwort auf Einwand 3: Die vorgenannten Worte, welche die Konsekration wirken, operieren sakramental. Folglich folgt die verwandelnde Kraft, die unter den Formen dieser Sakramente verborgen ist, der Bedeutung, welche im Aussprechen des letzten Wortes beendet ist. Und deshalb haben die vorgenannten Worte diese Kraft im letzten Augenblick ihres Ausgesprochenwerdens, in Verbindung mit jenen, die zuvor geäußert wurden. Und diese Kraft ist einfach aufgrund des bezeichneten Dinges, obwohl es eine Zusammensetzung in den äußerlich geäußerten Worten gibt.