III, q. 76 a. 7
Ob der Leib Christi, wie er in diesem Sakrament ist, von irgendeinem Auge gesehen werden kann, zumindest von einem verklärten?
Quaestio 76 · Von der Art und Weise, wie Christus in diesem Sakrament ist.
1. Einwand: Es scheint, dass der Leib Christi, wie er in diesem Sakrament ist, vom Auge gesehen werden kann, zumindest von einem verklärten. Denn unsere Augen sind daran gehindert, den Leib Christi in diesem Sakrament zu schauen, wegen der sakramentalen Gestalten, die ihn verhüllen. Aber das verklärte Auge kann durch nichts daran gehindert werden, Körper zu sehen, wie sie sind. Deshalb kann das verklärte Auge den Leib Christi sehen, wie er in diesem Sakrament ist.
2. Einwand: Ferner werden die verklärten Leiber der Heiligen „dem Leib“ der „Herrlichkeit“ Christi „gleichgestaltet“ werden, gemäß Phil 3,21. Aber das Auge Christi schaut ihn selbst, wie er in diesem Sakrament ist. Deshalb kann ihn aus demselben Grund jedes andere verklärte Auge sehen.
3. Einwand: Ferner werden die Heiligen in der Auferstehung den Engeln gleich sein, gemäß Lk 20,36. Aber die Engel sehen den Leib Christi, wie er in diesem Sakrament ist, denn sogar die Teufel werden dabei angetroffen, ihm Ehrfurcht zu erweisen und ihn zu fürchten. Deshalb kann aus gleichem Grund das verklärte Auge Christus sehen, wie er in diesem Sakrament ist.
Dagegen spricht, dass, solange ein Ding dasselbe bleibt, es nicht zur gleichen Zeit vom selben Auge unter verschiedenen Gestalten gesehen werden kann. Aber das verklärte Auge sieht Christus immer, wie er in seiner eigenen Gestalt ist, gemäß Jes 33,17: „(Seine Augen) werden den König in seiner Schönheit sehen.“ Es scheint also, dass es Christus nicht sieht, wie er unter den Gestalten dieses Sakraments ist.
Ich antworte darauf, dass das Auge von zweierlei Art ist, nämlich das körperliche Auge im eigentlichen Sinne und das intellektuelle Auge, das so aufgrund einer Ähnlichkeit genannt wird. Aber der Leib Christi, wie er in diesem Sakrament ist, kann von keinem körperlichen Auge gesehen werden. Zuallererst, weil ein Körper, der sichtbar ist, eine Veränderung im Medium durch seine Akzidentien bewirkt. Nun sind die Akzidentien des Leibes Christi in diesem Sakrament mittels der Substanz; so dass die Akzidentien des Leibes Christi keine unmittelbare Beziehung entweder zu diesem Sakrament oder zu benachbarten Körpern haben; folglich wirken sie nicht auf das Medium ein, so dass sie von irgendeinem körperlichen Auge gesehen werden könnten. Zweitens, weil, wie oben gesagt (Artikel [1], zu 3; Artikel [3]), der Leib Christi substantiell in diesem Sakrament gegenwärtig ist. Aber Substanz als solche ist für das körperliche Auge nicht sichtbar, noch fällt sie unter irgendeinen der Sinne, noch unter die Einbildungskraft, sondern einzig unter den Intellekt, dessen Objekt das ist, „was ein Ding ist“ (De Anima iii). Und deshalb ist der Leib Christi, gemäß der Seinsweise, die er in diesem Sakrament hat, eigentlich weder durch den Sinn noch durch die Einbildungskraft wahrnehmbar, sondern nur durch den Intellekt, welcher das geistige Auge genannt wird.
Überdies wird er von verschiedenen Intellekten unterschiedlich wahrgenommen. Denn da die Weise, in der Christus in diesem Sakrament ist, gänzlich übernatürlich ist, ist sie an sich sichtbar für einen übernatürlichen, d.h. den göttlichen Intellekt, und folglich für einen beseligten Intellekt, von Engel oder Mensch, welcher durch die teilgehabte Herrlichkeit des göttlichen Intellekts alle übernatürlichen Dinge in der Schau der göttlichen Wesenheit sieht. Aber von einem Pilger kann er allein durch den Glauben gesehen werden, wie andere übernatürliche Dinge. Und nicht einmal der engelhafte Intellekt ist aus seiner eigenen natürlichen Kraft fähig, ihn zu schauen; folglich können die Teufel Christus in diesem Sakrament durch ihren Intellekt nicht wahrnehmen, außer durch den Glauben, dem sie keine willige Zustimmung geben; dennoch sind sie davon überzeugt aufgrund der Evidenz von Zeichen, gemäß Jakobus 2,19: „Die Teufel glauben und zittern.“
Antwort auf den 1. Einwand: Unser körperliches Auge ist wegen der sakramentalen Gestalten daran gehindert, den darunterliegenden Leib Christi zu schauen, nicht bloß wie durch einen Schleier (so wie wir gehindert sind zu sehen, was mit irgendeinem körperlichen Schleier bedeckt ist), sondern auch, weil der Leib Christi eine Beziehung zu dem dieses Sakrament umgebenden Medium nicht durch seine eigenen Akzidentien trägt, sondern durch die sakramentalen Gestalten.
Antwort auf den 2. Einwand: Christi eigenes körperliches Auge sieht ihn selbst unter dem Sakrament existierend, doch kann es nicht die Weise sehen, in der er unter dem Sakrament existiert, weil das zum Intellekt gehört. Aber es verhält sich nicht ebenso mit irgendeinem anderen verklärten Auge, weil das Auge Christi unter diesem Sakrament ist, worin kein anderes verklärtes Auge ihm gleichgestaltet ist.
Antwort auf den 3. Einwand: Kein Engel, gut oder böse, kann irgendetwas mit einem körperlichen Auge sehen, sondern nur mit dem geistigen Auge. Daher gibt es keinen parallelen Grund, wie aus dem oben Gesagten ersichtlich ist.