III, q. 76 a. 6
Ob der Leib Christi beweglich in diesem Sakrament ist?
Quaestio 76 · Von der Art und Weise, wie Christus in diesem Sakrament ist.
1. Einwand: Es scheint, dass der Leib Christi beweglich in diesem Sakrament ist, weil der Philosoph sagt (Topic. ii), dass „wenn wir bewegt werden, die Dinge in uns bewegt werden“: und dies gilt sogar von der geistigen Substanz der Seele. „Aber Christus ist in diesem Sakrament“, wie oben gezeigt (Frage [74], Artikel [1]). Deshalb wird er bewegt, wenn es bewegt wird.
2. Einwand: Ferner sollte die Wahrheit mit der Figur übereinstimmen. Aber gemäß dem Gebot (Ex 12,10) bezüglich des Paschalammes, einer Figur dieses Sakraments, „blieb nichts bis zum Morgen“. Deshalb, wenn dieses Sakrament bis zum Morgen aufbewahrt wird, wird auch der Leib Christi nicht dort sein; und so ist er nicht unbeweglich in diesem Sakrament.
3. Einwand: Ferner, wenn der Leib Christi unter diesem Sakrament sogar bis zum Morgen bliebe, würde er aus demselben Grund während aller kommenden Zeit dort bleiben; denn es kann nicht gesagt werden, dass er aufhört, dort zu sein, wenn die Gestalten vergehen, weil die Existenz des Leibes Christi nicht von jenen Gestalten abhängt. Doch Christus bleibt nicht für alle kommende Zeit in diesem Sakrament. Es scheint also, dass er sogleich am Morgen oder nach kurzer Zeit aufhört, unter diesem Sakrament zu sein. Und so scheint es, dass Christus beweglich in diesem Sakrament ist.
Dagegen spricht, dass es unmöglich ist, dass dasselbe Ding in Bewegung und in Ruhe ist, sonst würden Widersprüche vom selben Subjekt verifiziert. Aber der Leib Christi ist im Himmel in Ruhe. Deshalb ist er nicht beweglich in diesem Sakrament.
Ich antworte darauf, dass, wenn etwas dem Subjekt nach eins ist und im Sein vielfältig, nichts es hindert, in einer Hinsicht bewegt zu werden und doch in einer anderen in Ruhe zu bleiben; so wie es eine Sache für einen Körper ist, weiß zu sein, und eine andere Sache, groß zu sein; daher kann er hinsichtlich seiner Weiße bewegt werden und doch hinsichtlich seiner Größe unbewegt bleiben. Aber in Christus sind das An-sich-Sein und das Unter-dem-Sakrament-Sein nicht dasselbe, weil wir, wenn wir sagen, dass er unter diesem Sakrament ist, eine Art Beziehung zu diesem Sakrament ausdrücken. Gemäß diesem Sein also wird Christus nicht aus sich selbst örtlich bewegt, sondern nur akzidentell, weil Christus nicht in diesem Sakrament wie an einem Ort ist, wie oben gesagt (Artikel [5]). Was aber nicht an einem Ort ist, wird nicht aus sich selbst örtlich bewegt, sondern nur gemäß der Bewegung des Subjekts, in dem es ist.
Auf gleiche Weise wird er auch nicht aus sich selbst gemäß dem Sein, das er in diesem Sakrament hat, durch irgendeine andere Veränderung bewegt, wie zum Beispiel, dass er aufhört, unter diesem Sakrament zu sein: weil das, was unverlierbare Existenz aus sich selbst besitzt, nicht das Prinzip des Vergehens sein kann; sondern wenn etwas anderes vergeht, dann hört es auf, darin zu sein; so wie Gott, dessen Existenz unverlierbar und unsterblich ist, aufhört, in irgendeinem vergänglichen Geschöpf zu sein, weil ein solches vergängliches Geschöpf aufhört zu existieren. Und auf diese Weise, da Christus unverlierbares und unvergängliches Sein hat, hört er auf, unter diesem Sakrament zu sein, nicht weil er aufhört zu sein, noch durch eine eigene örtliche Bewegung, wie aus dem Gesagten klar ist, sondern nur durch die Tatsache, dass die sakramentalen Gestalten aufhören zu existieren.
Daher ist klar, dass Christus, streng genommen, unbeweglich in diesem Sakrament ist.
Antwort auf den 1. Einwand: Dieses Argument handelt von akzidenteller Bewegung, wodurch Dinge in uns zusammen mit uns bewegt werden. Aber bei Dingen, die aus sich selbst an einem Ort sein können, wie Körper, verhält es sich anders als bei Dingen, die nicht aus sich selbst an einem Ort sein können, wie Formen und geistige Substanzen. Und auf diese Weise kann zurückgeführt werden, was wir von Christus sagen, dass er akzidentell bewegt wird, gemäß der Existenz, die er in diesem Sakrament hat, in welchem er nicht wie an einem Ort gegenwärtig ist.
Antwort auf den 2. Einwand: Es war dieses Argument, das jene überzeugt zu haben scheint, die behaupteten, dass der Leib Christi nicht unter diesem Sakrament bleibt, wenn es bis zum Morgen aufbewahrt wird. Gegen diese sagt Cyrill (Ep. lxxxiii): „Einige sind so töricht zu sagen, dass der mystische Segen vom Sakrament weicht, wenn irgendwelche seiner Fragmente bis zum nächsten Tag bleiben: denn der konsekrierte Leib Christi wird nicht verändert, und die Kraft des Segens und die lebensspendende Gnade ist fortwährend in ihm.“ So sind alle anderen Konsekrationen unentfernbar, solange die konsekrierten Dinge andauern; weswegen sie nicht wiederholt werden. Und obwohl die Wahrheit mit der Figur übereinstimmt, kann die Figur ihr dennoch nicht gleichkommen.
Antwort auf den 3. Einwand: Der Leib Christi bleibt in diesem Sakrament nicht nur bis zum Morgen, sondern auch in der Zukunft, solange die sakramentalen Gestalten bleiben: und wenn sie aufhören, hört der Leib Christi auf, unter ihnen zu sein, nicht weil er von ihnen abhängt, sondern weil die Beziehung des Leibes Christi zu jenen Gestalten weggenommen wird, auf die gleiche Weise, wie Gott aufhört, der Herr eines Geschöpfes zu sein, das aufhört zu existieren.